Oberleitungsbusse in Esslingen
Seit 66 Jahren unter Strom
Lars Harnisch,
02.11.2010 17:14 Uhr
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Den Saft beziehen die Busse aus der Oberleitung. Dadurch sind sie besonders umweltfreundlich, aber nicht besonders flexibel. Foto: Harnisch
Esslingen - Der Bus sieht seltsam aus, aber das interessiert Herta Dähn nicht. Die 95-Jährige blickt auf die Rampe, die der Fahrer aus einem Schacht unterhalb des Trittbretts zieht, damit sie mit ihrem Rollator leichter einsteigen kann. "Ich will in die Stadt", sagt sie und lässt sich langsam auf dem Sitz nieder. "Mit dem Bus klappt das gut." Da spielt es für sie keine Rolle, dass das öffentliche Verkehrsmittel, das nun an der Haltestelle Lerchenäcker startet, alles andere als gewöhnlich ist: Aus dem Fahrzeugheck wachsen zwei sechs Meter lange Stangen, kein Motor brummt, und vergeblich schnuppert man nach Abgasen. Herta Dähn sitzt in einem Oberleitungsbus, kurz Obus.
Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) besitzt seit mehr als sechzig Jahren solche besonderen Fahrzeuge. Sie sind unabhängig vom Öl, fast emissionsfrei und effizient im Verbrauch. Die Obusse werden mit Strom angetrieben, möglicherweise der wichtigste Kraftstoff der Zukunft. Statt aus Batterien beziehen sie ihren Saft aber aus einer Oberleitung. Die Fahrdrähte spannen sich vom Esslinger Bahnhof den Zollberg hoch und von den Lerchenäckern in Oberesslingen bis zum Bahnhof nach Stuttgart-Obertürkheim - jene Strecke, die Herta Dähn gerade fährt. Die Oberleitung ist nicht nur Dreh- und Angelpunkt des Systems, sie ist auch Fluch und Segen. Zwar versorgt sie den Bus sicher mit Energie, dafür kann er nur dort fahren, wo eine Leitung existiert.
Diese Einschränkung nahmen die Erbauer der ersten Esslinger Linie, die im Juli 1944 in Betrieb ging, gerne in Kauf: Der Obus forderte weder Diesel noch stählerne Schienen und war vergleichsweise leicht zu reparieren. In den Zeiten knapper Ressourcen mitten im Krieg waren das unschätzbare Vorteile. Heute punktet der Obus vor allem in Sachen Umwelt: Fast lautlos gleitet er an den Charlottenplatz heran, kein Abgasgestank beißt die wartenden Fahrgäste in die Nase.
Sefcet Etemi steuert seit fast einem Vierteljahrhundert sowohl diesel- als auch strombetriebene Busse durch Esslingen. "Bus ist Bus", sagt der Fahrer, aber ein bisschen anders sei der Obus dann doch. Wie bei einer Straßenbahn gibt Etemi Gas, lässt rollen, gibt wieder Gas. Dank des Elektroantriebs beschleunigt der Bus fast wie ein Pkw, rasch fädelt sich Etemi in den fließenden Verkehr ein.
Das Rucken beim Schalten ist kaum zu spüren; der stufenlose Antrieb bringt Fahrkomfort. "Man muss aber genau auf die Stangen achten", sagt Etemi. Wenn er einmal vom Fahrweg abweichen muss, etwa wegen eines parkenden Autos oder eines Müllwagens, hat er maximal vier Meter Platz. Schert er weiter aus, springen die Kontaktstangen aus der Oberleitung, und der Bus bleibt stehen. "Alles schon passiert."
Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) besitzt seit mehr als sechzig Jahren solche besonderen Fahrzeuge. Sie sind unabhängig vom Öl, fast emissionsfrei und effizient im Verbrauch. Die Obusse werden mit Strom angetrieben, möglicherweise der wichtigste Kraftstoff der Zukunft. Statt aus Batterien beziehen sie ihren Saft aber aus einer Oberleitung. Die Fahrdrähte spannen sich vom Esslinger Bahnhof den Zollberg hoch und von den Lerchenäckern in Oberesslingen bis zum Bahnhof nach Stuttgart-Obertürkheim - jene Strecke, die Herta Dähn gerade fährt. Die Oberleitung ist nicht nur Dreh- und Angelpunkt des Systems, sie ist auch Fluch und Segen. Zwar versorgt sie den Bus sicher mit Energie, dafür kann er nur dort fahren, wo eine Leitung existiert.
Diese Einschränkung nahmen die Erbauer der ersten Esslinger Linie, die im Juli 1944 in Betrieb ging, gerne in Kauf: Der Obus forderte weder Diesel noch stählerne Schienen und war vergleichsweise leicht zu reparieren. In den Zeiten knapper Ressourcen mitten im Krieg waren das unschätzbare Vorteile. Heute punktet der Obus vor allem in Sachen Umwelt: Fast lautlos gleitet er an den Charlottenplatz heran, kein Abgasgestank beißt die wartenden Fahrgäste in die Nase.
Über Weichen in der Oberleitung können die Busse abbiegen
Sefcet Etemi steuert seit fast einem Vierteljahrhundert sowohl diesel- als auch strombetriebene Busse durch Esslingen. "Bus ist Bus", sagt der Fahrer, aber ein bisschen anders sei der Obus dann doch. Wie bei einer Straßenbahn gibt Etemi Gas, lässt rollen, gibt wieder Gas. Dank des Elektroantriebs beschleunigt der Bus fast wie ein Pkw, rasch fädelt sich Etemi in den fließenden Verkehr ein.
Das Rucken beim Schalten ist kaum zu spüren; der stufenlose Antrieb bringt Fahrkomfort. "Man muss aber genau auf die Stangen achten", sagt Etemi. Wenn er einmal vom Fahrweg abweichen muss, etwa wegen eines parkenden Autos oder eines Müllwagens, hat er maximal vier Meter Platz. Schert er weiter aus, springen die Kontaktstangen aus der Oberleitung, und der Bus bleibt stehen. "Alles schon passiert."
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Obus
Diese Fahrzeuge sind unter dem Namen Trollybusse in verschiedenen Schweizer Städten(Zürich, Bern, Luzern, Biel, Lausanne, Genf) seit Jahrzehnten im Einsatz. Schnell, leise, energieeffizient und mit grosser Transportkapazität. Bei "stromlosen" (Kurz-) Fahrstrecken sorgt ein kleines Benzinaggregat für die Weiterfahrt.
Ein intelligentes Konzept
O-Busse sind ein guter Kompromiss aus der Unabhängigkeit eines Dieselfahrzeugs und den starren Schienen einer Straßenbahn. Es muß nur Oberleitung verlegt werden - keine Schienen. Der Bus kann im Rahmen seiner Möglichkeiten HIndernissen ausweichen. Überall dort, wo eine Straßenbahn zu teuer ist, aber abzusehen ist, daß die Linienführung Bestand hat, ist er eine clevere Alternative zu den Dieselstinkern. In den 1950ern hatten meines Wissens MAN und Mercedes die Technik noch im Sortiment. Es dürfte doch eigentlich nicht so schwierig sein, in einen Fahrzeugkasten statt eines Diesels- einen Elektromotor einzubauen. Ausgestattet mit einer kleinen Batterie könnten O-Busse sogar noch flexibler werden: Wenn die nur genug Kapazität hat, um an einer Baustelle, einem größeren Hindernis oder eben auch einer unterbrochenen Oberleitung vorbeizufahren, wäre der O-Bus nicht mehr sklavisch vom Fahrdraht abhängig.