Stuttgart - "The time has come" - der Zeitpunkt ist gekommen. Oder auch: Es ist geschafft. Das sind die ersten Worte von Barbara Streisand, als sie vorn auf der Bühne des Kodak Theatres in Los Angeles den Briefumschlag geöffnet und einen neugierigen Blick auf den Gewinnernamen geworfen hat.
Gerade noch hatte sie bei der Präsentation der fünf nominierten Regisseure festgestellt, dies könne womöglich jener Abend sein, da erstmals in der Geschichte Hollywoods eine Frau mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet werde. Und dann kommt es tatsächlich so: "Kathryn Bigelow" verkündet Streisand, die selbst vor Jahr und Tag für ihre Kino-Regiearbeiten von Kritikern viel Spott und Häme, und zwar durchaus auch sexistischer Natur, hatte einstecken müssen. Das Publikum erhebt sich bereits zum Beifall, zu ihren Standing Ovations, als Bigelow noch auf dem Weg zur Bühne ist. Das ist ein kleines Stück Filmgeschichte. Und man ist dabei.
Doch war es nicht nur die Frage "Frau oder Mann", die sich bis hierhin durch die gesamte dreieinhalbstündige Gala gezogen hatte. Letztlich ging es um den Wettlauf zweier Favoriten: hier "Tödliches Kommando" (im Original: "The Hurt Locker") von Kathryn Bigelow, dort "Avatar" von John Cameron, beide jeweils neunmal für einen Award nominiert. Und dahinter wiederum steckte viel weniger ein Geschlechterkampf als die Alternative Kunst oder Kasse. Wobei wohl kaum jemand vor Beginn der Oscarverleihung hätte prophezeien mögen, dass die Mitglieder der American Academy of Motion Pictures Arts and Sciences so klar für die Kunst votieren würden, wie dann geschehen: Zum Schluss nahm Bigelow sechs (vier symbolisch, zwei real), Cameron nur drei Oscars (und nur symbolisch) mit nach Hause. Auch, wenn sich der 55-jährige Regisseur im Kodak Theatre zum Schluss als fairer Verlierer zeigte und seiner Ex-Frau Bigelow herzlich gratulierte - das wird den "Titanic"-Kinotitanen dann doch gewurmt haben.
Der Gewinnerfilm ist an der Kinokasse gescheitert
Denn was immer man sonst von Camerons Werk auch halten mag - zweifellos weist sein 3-D-Spektakel "Avatar" auf seine Art dem Kino einen Weg in die Zukunft. Es ist ein Film, der bei den Zuschauern so erfolgreich ist wie kein anderer zuvor, der weltweit im Gespräch ist, der zudem eine politische Botschaft hat, die etwa von den Diktatoren in China schnell erkannt wurde, der vor allem eine Ästhetik erprobt, die das Kino in Konkurrenz zu den künstlichen Welten der Computerspiele eindrucksvoll bestehen lässt. Sicher, um all dies zu erreichen, musste James Cameron mal eben 500 Millionen Dollar investieren. Aber es gab in den vergangenen Monaten deutlich schlechter angelegtes Geld.