Stuttgart - Für Michael Föll (CDU), den Finanzbürgermeister der Landeshauptstadt und Stellvertreter von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), ist eines klar: „Meiner Meinung nach müsste bei den Staatstheatern dieselbe Offenheit herrschen wie bei der Stadt auch“, sagt er gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Hintergrund ist die Kritik des Landesrechnungshofs an dem Theater- und Opernbetrieb , der – so der Vorwurf – seine Führungskräfte zu gut entlohne, intransparent sei und wichtige Stellen allzu gerne ohne öffentliche Ausschreibung vergebe.
Nun werden die Staatstheater zwar vom Land getragen, die Landeshauptstadt aber finanziert die Einrichtungen zu 50 Prozent – knapp 40 Millionen Euro pro Jahr – mit. Vor diesem Hintergrund erhält die Ansicht von Föll Gewicht, es gebe „keinen Grund, aus den Spitzengehältern ein Geheimnis zu machen“. Ähnlich hatte sich dieser Tage Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) geäußert. „Aus meiner Warte muss überall, wo mit Steuergeldern bezahlt wird, Transparenz herrschen“, sagt Föll.
Stadt Stuttgart geht mit gutem Beispiel voran
Die Stadt Stuttgart geht in diesem Punkt seit vielen Jahren mit gutem Beispiel voran. Im sogenannten städtischen Beteiligungsbericht wird ein detaillierter Überblick über den Konzern Stadt gegeben. 312 Seiten stark ist das Werk für 2010, das nicht nur die Bilanzen aller städtischer Beteiligungen aufführt, sondern in aller Regel auch explizit die Gehälter der Geschäftsführer nennt. Demnach hat sich etwa der an die 1000 Mitarbeiter starke Flughafen seine beiden Direktoren jeweils rund 300 000 Euro kosten lassen; der dreiköpfige Vorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG schlug mit summa summarum rund 730 000 Euro zu Buche. Die Doppelspitze bei der Landemesse hatte Bezüge in Höhe von gut 200 000 beziehungsweise 250 000 Euro. Und der Geschäftsführer des städtischen Klinikums mit an die 5500 Mitarbeitern erhielt rund 370 000 Euro. Aber nicht überall liegen die Spitzengehälter so hoch, sondern bei kleineren Betrieben teilweise auch unter 100 000 Euro. Zwar ist die Veröffentlichung solcher Zahlen nur mit Zustimmung der Betroffenen möglich; diese wird aber in alle neuen Verträge aufgenommen. „Das funktioniert inzwischen reibungslos“, sagt der Kämmerer.
Insgesamt zählen zum städtischen Verbund 35 Tochterfirmen und Eigenbetriebe, die es 2010 auf ein Bilanzvolumen von 4,57 Milliarden Euro und Umsatzerlöse von 1,2 Milliarden Euro gebracht haben. Um eine verantwortungsvolle Unternehmensführung zu gewährleisten, hat sich die Stadt überdies eigene Richtlinien gegeben („Public Corporate Governance“). Die Erfahrungen mit solchen Instrumenten sind laut Föll „positiv“. Er habe bisher nicht feststellen können, dass beispielsweise die Veröffentlichung der Gehälter die Suche nach Spitzenkräften erschwert. Die Positionen selbst werden laut dem Rathausvize ausgeschrieben. Meist werde aber parallel eine Personalberatung eingeschaltet, um Wunschkandidaten direkt anzusprechen.


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