Öffentliches Votum für den Nationalpark Der CDU geht es auch um die Schöpfung

Von akw 

Die Landes-CDU ist in der Frage gespalten: Viele Parteimitglieder bekennen sich zum Nationalpark, weil sie darin eine Chance für die Zukunft sehen. Sie haben am Freitag eine entsprechende Erklärung unterzeichnet.

Günther-Martin Pauli, der  Landrat des Zollernalbkreises, ist überzeugt, dass ein Nationalpark eine „große Zukunftschance“ sei für den Schwarzwald und ganz Baden-Württemberg ist. Foto: CDU
Günther-Martin Pauli, der Landrat des Zollernalbkreises, ist überzeugt, dass ein Nationalpark eine „große Zukunftschance“ sei für den Schwarzwald und ganz Baden-Württemberg ist.Foto: CDU

Baiersbronn Etliche Christdemokraten im Land haben sich jetzt mitten in der Debatte über einen Nationalpark im Nordschwarzwald zur Wort gemeldet. „Dieses Thema hat übergeordnete Bedeutung. Hier geht es nicht um Parteipolitik“, mahnte der früher Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und ehemalige Ludwigsburger Oberbürgermeister Hans-Jochen Henke. Er gehört zu einer Gruppe von CDU-Politikern und Wirtschaftsvertretern, die am Freitag eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben. Henke machte deutlich, dass weitere Aktionen für einen Nationalpark folgen und weitere prominente CDU-Politiker ihre Unterstützung bekunden werden.

„Wir setzen uns für die Einrichtung eines Nationalparks Schwarzwald ein – aus Verantwortung für die Schöpfung und als Beitrag zur Förderung der Wirtschaft“, bekunden die Unterzeichner. Sie wollen mit diesem Bekenntnis einen Beitrag leisten zur „Versachlichung“ der Debatte in der Region und „aufräumen mit Ungereimtheiten“, sagte Henke, der im Schwarzwald aufgewachsen ist.

Erwin Vetter gilt als „politischer Vater“ der Nationalpark-Idee

Schließlich sei es die Union gewesen, die schon vor 20 Jahren einen Nationalpark im Nordschwarzwald einrichten wollte. Erwin Vetter, der frühere Umweltminister und einer der „politischen Väter“ dieser Idee, gehört ebenso zu den Erstunterzeichnern wie der Günther-Martin Pauli, Landrat des Zollernalbkreises. Er ist überzeugt, dass ein Nationalpark eine „große Zukunftschance“ sei für den Schwarzwald und ganz Baden-Württemberg. Ein solch attraktives Touristenziel werde auch auf seinen benachbarten Landkreis ausstrahlen.

Pauli ist der erste CDU-Landtagsabgeordnete, der sich offen für einen Nationalpark ausspricht. Der CDU-Fraktionschef Peter Hauk hingegen hatte jüngst im Landtag massiv gegen die „Basta-Politik“ der grün-roten Landesregierung gewettert. Und auch die Abgeordneten aus der Region zeigen sich eher skeptisch, wollen jedoch die Ergebnisse des Gutachtens abwarten. Einem internen Streit über die Erklärung und seinen Vorstoß sieht Pauli gelassen entgegen. Er wolle den gleichen Fehler nicht noch einmal machen, sagte Dieter Klotz, der frühere Bürgermeister von Ottenhöfen. Einst habe er die Einrichtung des Naturparks und des Naturschutzzentrums Ruhestein bekämpft. Ihr Erfolg habe ihn eines Besseren belehrt. Von einem Nationalpark profitierten Naturschutz und Tourismus. Das sieht auch der Bürgermeister von Lauf , Oliver Rastetter so.

Auch Hoteliers haben die Erklärung unterzeichnet

Trotz vieler Anfeindungen haben auch etliche Hoteliers unterzeichnet: Heiko Fahrner vom „Schliffkopf“ in Baiersbronn , Egon Finkbeiner vom „Waldblick“ am Kniebis/Freudenstadt, Rolf Berlin vom Hotel „Krone-Lamm“ in Bad Teinach-Zavelstein und Jörg Möhrle von der „Tanne“ in Baiersbronn. Sie wollen ihre Kollegen ermuntern, die sich bisher „aus Furcht vor Repressalien“ zurückgehalten haben. Möhrle weiß, wovon er spricht: Auf der Homepage der Nationalparkgegner wird er angegriffen und diffamiert.

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7 KommentareKommentar schreiben

Geschwafel: @Hans-Joachim Freilich Die Kosten für die bestehenden Nationalparks können Sie in den jeweiligen Jahresberichten nachlesen.Sie können von 5 - 10 Mio. € pro Jahr ausgehen. Handfeste Argumente sind zum Beispiel die Fragen zum Naturschutz.Was verbessert sich konkret durch die Ausweisung eines Nationalparks?Welche zusätzlichen Arten sind im Nationalpark zu erwarten,die nicht in einen Naturpark kommen?Wie und von wem wird der Wildbestand reguliert?Was haben die Menschen vor Ort von dem angestrebten Urwald,der frühestens in 200-300 Jahren entstanden sein kann? Was ist mit Fragen zur Wirtschaft?Wieviel Arbeitsplätze fallen weg ohne die Waldnutzung?Sind das Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsplätze?Wieviel Arbeitsplätze entstehen in der Gastronomie?Vollzeit oder Teilzeit?Wieviel Umsatz generiert die Holznutzung?Wieviel Umsatz generiert der z u s ä t z l i c h e Fremdenverkehr?Sind messbare Tourismuszuwächse realistisch bei abnehmender Bevölkerung,die sich auf immer mehr Nationalparke verteilt? Sehr geehrter Herr Freilich wenn Sie den gegenwärtigen Schutzstatus der Wälder ändern wollen,dann müssen S i e doch eigentlich Argumente d a f ü r bringen.Glauben Sie denn wirklich,daß die 'Schöpfung' irgendwie gefährdet wird ohne Nationalpark?

@fw, 19:47 Uhr: Reines Geschwafel: Von welchen 'immensen Kosten' für einen Nationalpark und von welchen 'handfesten Argumenten' dagegen reden Sie denn, bitteschön?

Nationalpark: Die Überschrift des Beitrages und der 2.Absatz offenbaren das ganze Dilemma der Debatte um Nationalparke nicht nur im Schwarzwald.Ein Nationalpark ist die höchste naturschutzfachliche Schutzkategorie.Demgemäß wäre zu fragen,vor wem oder was muß die Natur in einem Gebiet so geschützt werden,wie es nur durch einen Nationalpark möglich ist.Ein naturschutzfachlicher 'Notstand' wird aber in keinem für einen Nationalpark vorgeschlagenen Gebiet als Begründung genannt.Ohne eine solche Begründung können die Skeptiker eines Nationalparks aber nicht überzeugt werden,da schon allein den immensen Kosten eines Nationalparks höchstens 'gefühlte' Verbesserungen an der Natur gegenüberstehen.Also greifen die Befürworter zu eher metaphysischen Begriffen wie 'Verantwortung für die Schöpfung' oder 'Naturerbe bewahren' um den ohnehin positiv besetzten Begriff Nationalpark noch weiter zu erhöhen und nach Möglichkeit einer argumentativen Auseinandersetzung zu entziehen.Auf dieser eher mystischen Ebene können die Skeptiker aber nicht diskutieren.Sie kommen mit handfesten Argumenten,die eben nicht wegdiskutiert werden können.In dieser Not greifen die Befürworter - und dieses Vorgehen ist bei allen Nationalparkdiskussionen das gleiche - zu dem rhetorischen Rezept lauthals das Gegenteil von dem zu fordern,was man selbst beabsichtigt.Wenn man selber keine Sachargumente hat,ist eine sachliche Diskussion schwer möglich.

CDU-Chaos dank Hauk und Strobl: Die CDU beschränkt ihre sogenannte Oppositionsarbeit auf Nebenschauplätze und Schaukämpfe. Nach 58 Jahren Dauerregieren muss die CDU irgendwann Opposition lernen. Renner und Gönner wären für die Restrukturierung besser gewesen als das schräge Duo Hauk-Strobl. Sogar die kläglichen Reste der FDP grenzen sich von der CDU ab: „Kennen Sie eine Partei, die elender, einfallsloser und personell ausgebluteter ist als die CDU?“

Nebenschauplätze: sind das, die die CDU jetzt besetzen will. Woanders brennt es - wir machen aber mal auf Naturschutz!

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