Österreich Steiermark: Hocketse am Holzofen

Petra S. Hardt aus Mühlen, 21.11.2012 05:00 Uhr

Mühlen - Zähneklappern nutzt nichts. Einer muss raus, Feuer machen. Wolfram wagt’s, springt beherzt aus den Federn. Doch es vergeht noch manch bitterkalte Minute, bevor die Temperaturen steigen. Zentralheizung? Fehlanzeige. Elektroherd? Stilbruch. Nur fließendes Wasser ist akzeptiert. Viel mehr Komfort bietet die kleine Selbstversorgerhütte auf rund 1600 Meter Höhe am Zirbitzkogel nicht. Für Besucher, die spät am Abend ankommen, gilt: Treffpunkt mit dem Hüttenbesitzer ist der Hirschenwirt, Nachrichtenbörse und gemütlicher Dorfgasthof für Einheimische und die wenigen Fremden. Ein ganzes Lebensmittellager, Koffer, Taschen, Skier werden in den kleinen Transporter umgeladen, der die Gäste „nauf aufn Berg“ bringt. Sechs Kilometer steil bergan. Unten im Tal legt sich eine dichte Nebeldecke über das Dorf, oben bei der Hütte ist sternenklare Nacht. Die Hütte ist einfach, aber urgemütlich und empfängt die Gäste mit netten Kleinigkeiten.

Auf dem Tisch Gebäck und Kerzen, das Kreuz im Herrgottswinkel ist mit einem Tannenzweig geschmückt. Ein Kachelofen versorgt das Häuschen mit Wärme, und an dem alten Eisenofen, auf dem unsere Großmütter noch täglich das Essen kochten, kann man seine Kochkünste erproben (zur Beruhigung: Es gibt auch einen Gaskocher). Neun Personen finden in der Hütte Platz. Die erste Nacht verbringt man in unterkühlten Räumen, denn es ist noch lange nicht durchgeheizt. Mit Skiunterwäsche, Wollsocken und Schals trotzt man der Kälte und pustet beim Atmen weiße Dunstwolken in den Raum. An den Fensterscheiben wachsen Eisblumen. Die Morgentoilette ist schnell erledigt, und zum Frühstück prasselt schon ein Feuer. Wie angenehm, dass Komforteinrichtungen wie Dusche, Kühlschrank und Kaffeemaschine nicht fehlen. Nur wenige Schritte sind es bis zum rund 800 Meter langen Lift, mit dem ein winziges Skigebiet von vier Abfahrten erschlossen wird. Nur etwa 30 Skiläufer tummeln sich auf den Pisten, die dank sanftem Gefälle und guter Überschaubarkeit ideale Bedingungen für Anfänger bieten. Fast alle, die hier Ski laufen, wohnen in dem knappen Dutzend Hütten am Zirbitzkogel, mit 2396 Metern der höchste Gipfel der Seetaler Alpen.

Wer runterfährt, muss auch wieder nach oben stapfen

Manche werden ausschließlich privat genutzt, fünf gehören den Ferner-Familien, die im Teil auch einen Reitbauernhof betreiben. Einige sind für Selbstversorger, andere wie die Tonnerhütte bewirtschaftet. Wenige Meter abseits von Liftspur und Abfahrtspiste beginnen unberührte Tiefschneehänge. Eine ideale Ausgangsposition für Skitouren und Schneeschuhwanderungen. Die Sache hat nur einen Haken: Alles, was man locker mit den Skiern hinunterschwingt, muss man wieder nach oben stapfen. In der Mittagspause werden die Skier in einem kleinen Stall am Hang untergestellt, so befreit wird der kurze Weg zur Hütte zum angenehmen Spaziergang. Holzhacken ist angesagt, damit der Nachschub am Abend gesichert ist. Doch zum Essen zieht es einen lieber an den Kachelofen der Tonnerhütte. Gäste werden mit steirischen Köstlichkeiten verwöhnt wie Gulasch vom Zirbitzhirsch oder Tafelspitz vom Almochsen, als besonderen Augen- und Gaumenschmaus auf einem „Zirbenschwartling“ (einem hölzernen Randstück aus dem Zirbenstamm) serviert. So manchen Abend verbringt man auch gerne in den eigenen vier (Hütten-)Wänden.

Am Ofen trocknen feuchte Socken und Mützen, eine Armada von Skischuhen und Moonboots bildet kleine Seen unter dem Waschbecken. Kerzen brennen, und mit Büchern, Strickzeug und Würfelspielen vertreibt man sich die Zeit. Zu vorgerückter Stunde unterbrechen Juchzen und Gelächter mitunter das traute Beisammensein: Ein abendliches Vergnügen für Gäste und Dorfbewohner ist die Wanderung mit Fackeln und Schlitten von der Tonnerhütte hinauf zum Hüttendorf, wo zum Abschluss ein heißer Jagatee an der Ofenbank wartet.