Offener Brief an Mannheims OB Zu wenige Hilfen für junge Flüchtlinge

Von Johanna Eberhardt 

Das Jugendamt schreibt in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Peter Kurz, dass unbegleitete Minderjährige nicht wie vorgeschrieben betreut werden. Die Verwaltung stellt Hilfen in Aussicht.

Unter den Flüchtlingen, die in Mannheim ankommen, sind viele unbegleitete Minderjährige. Das Jugendamt beklagt, dass es viele von ihnen wegen Personalmangels nicht angemessen betreuen kann. Foto: dpa
Unter den Flüchtlingen, die in Mannheim ankommen, sind viele unbegleitete Minderjährige. Das Jugendamt beklagt, dass es viele von ihnen wegen Personalmangels nicht angemessen betreuen kann.Foto: dpa

Mannheim - Mitarbeiter des Mannheimer Jugendamtes haben in einem Brief an OB Peter Kurz (SPD) massive Kritik an der mangelnden Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in der Stadt geübt. Von 364 Jugendlichen, die dort bisher in diesem Jahr in Obhut genommen worden sind und weiteren Betroffenen, die bereits 2014 in Mannheim angekommen oder aufgegriffen wurden, seien bisher nur 258 vom Jugendamt untergebracht worden, heißt es in dem Schreiben des Personalrats. Viele gesetzlich vorgesehene Vormundschaften seien zwar formal beschlossen, aber nicht verteilt worden, weil die nötigen Mitarbeiter nicht vorhanden seien.

Nach Schätzungen befänden sich zudem in den Erstaufnahmestellen in der Stadt etwa 350 weitere alleinstehende Minderjährige, die aktuell untergebracht werden oder nach dem Sozialgesetzbuch an andere Jugendämter weiter verteilt werden müssten. Für sie gebe es in Mannheim derzeit weder geeignete Räumlichkeiten noch ausreichend Fachkräfte, heißt es in dem Brief. Sie seien daher noch gar nicht erfasst worden; sie blieben vielmehr „ungesehen und völlig ohne pädagogische Betreuung in den Erstaufnahmestellen.“

Minderjährige können nicht integriert werden

Angesichts dieser Lage könnten die minderjährigen Flüchtlinge nicht in das soziale Gefüge der Stadt eingebunden werden, vorhandene Integrationsstrukturen blieben ungenutzt, neue könnten gleich gar nicht aufgebaut werden. Solange die Kinder und Jugendlichen nicht vorschriftsmäßig in Obhut genommen würden, könnten sie aber auch nicht nach dem Königsteiner Schlüssel bundesweit weiter verteilt werden, stellt der Personalrat fest.

Dies, warnt er, werde längerfristig dazu führen, dass mehr Betroffene in den Mannheimer Hilfesystemen bleiben und dort vermehrt Kosten und eine steigende Kriminalisierung verursachten. Außerdem führe die Überlastung des Amtes durch die Aufnahme unbetreuter minderjähriger Flüchtlinge zu Einschnitten in anderen Bereichen der Jugendarbeit; einmal habe deshalb bereits ein Jugendhaus für zwei Wochen geschlossen werden müssen.

Das Jugendamt fordert 30 zusätzliche Mitarbeiter

Um Abhilfe zu schaffen, bräuchte das Amt nach Angaben des Personalrats für die gesetzlich vorgeschriebenen Aufnahmeschritte und die Betreuung der jungen Flüchtlinge 30 zusätzliche Mitarbeiter. Doch während andere Kommunen und Kreise in der Nachbarschaft längst entsprechend aufgestockt hätten, habe man dafür in Mannheim „keine einzige Stelle bewilligt“, heißt es in dem Brief. Angesichts des Umstands, dass in der Stadt derzeit in Baden-Württemberg mit Abstand die meisten Flüchtlinge untergebracht seien, erscheine dies „besonders paradox.“

Die Verwaltung räumte auf Anfrage ein, dass das Jugendamt an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen sei. Noch diese Woche soll das überlastete Amt neu strukturiert werden. 25 Mitarbeiter sollten dafür intern oder aus anderen Fachbereichen umgesetzt werden. Acht Stellen sollten neu geschaffen und möglichst bis zum 15. Januar 2016 besetzt werden.

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