
Noch während die Fans vor der Bühne die Berliner Band Mad Sin feierten, begannen Backstage - hinter den Kulissen - die Ursachenforschungen und Analysen. Zum Rebstock-Open-Air-Festival, das erstmals seit langem wieder zwei Tage dauerte und wieder einmal unter freiem Himmel im Langen Tal in Oeffingen stattfand, kamen weit weniger Besucher als die Organisatoren vom Jugendhaus Fellbach erwartet hatten.
Ein Grund sei vielleicht, dass das Rebstock in diesem Jahr anders als sonst, nicht auf der Hardrock-Schiene fahre und keine Metal-Band dabei sei, sagt der Stadtjugendreferent Stephan Gugeller-Schmieg. Dass es allein an der Musikauswahl lag, glaubt er jedoch nicht. "Wir hatten zwar kein Metal, aber viele andere geile Sachen und gute Musiker." Er habe sich mit einigen von ihnen unterhalten, es scheine so, als seien die kleinen Festivals in diesem Jahr allesamt nicht so gut gelaufen. "Viele Menschen gehen wohl eher auf eines der großen Festivals und haben dann kein Geld mehr für die kleinen übrig." Auf das Wetter können die Gastgeber die Besucherflaute jedenfalls nicht schieben, denn sowohl am Freitag als auch am Samstag lockten laue Nächte nach draußen, und ein Shuttle-Bus brachte die Partywilligen zudem ganz bequem und kostenlos von Fellbach und Schmiden bis ins Lange Tal.
Am ersten Tag des Festivals bestimmten Gute-Laune-Bands aus nah und fern die Szene. Dass nur rund 400 Zuhörer kamen, wertete Peter Stepan, der Kulturmitarbeiter des Fellbacher Jugendhauses, noch als Startschwierigkeiten. "Die Leute sind inzwischen das eintägige Rebstock gewöhnt, und wir wenden uns zudem an eine ganz andere Gruppe als sonst." Die sechs Bands taten das Ihre dazu, um die Stimmung im Publikum anzuheizen. Als Moop Mama als Letzte die Bühne betraten, war die Feiergemeinde bestens gelaunt, und die Münchner setzten mit ihrem "Hip-Hop-Hardcore-Drum"n"Bass-Big-Beat-Urban-Brass"-Stil die Party fort. Der Samstag startete mit wettermäßig schlechteren Vorzeichen. Die grauen Wolken am Himmel blieben, ebenso die Sorgenfalten in den Gesichtern der Gastgeber. Denn obwohl es den ganzen Tag über nur ein paar kurze Schauer gab, blieb der Ansturm auf das Festgelände aus. Die acht Bands spielten zum Teil vor nur wenigen Leuten. Maximal 500 Besucher zählten die Helfer an der Kasse, darunter auch rund 100, welche die Kombitickets für beide Tage erworben hatten.
Auch die rund 100 freiwilligen Helfer füllten das Gelände. "Die Organisation klappt super", berichtet Stephan Gugeller-Schmieg, wohl wissend, dass ohne den engagierten und unentgeltlichen Einsatz das Defizit noch größer ausfallen würde. Nicht alle Besucher stopften das Loch in der Kasse, aber der Stadtjugendreferent freute sich trotzdem, dass viele Nachbarn der Einladung zum kostenlosen Besuch folgten. Oberbürgermeister Christoph Palm hatte im Vorfeld die Anwohner des Langen Tals um Verständnis für das Musik-Ereignis gebeten. Gegen Vorlage des Schreibens durfte, wer wollte, umsonst zum Konzert. "Zusammen waren es die 80", sagt Stephan Gugeller-Schmieg. Probleme wegen erzürnten Oeffingern habe es jedenfalls nicht gegeben, allerdings sei auch an beiden Tagen um 23 Uhr Schluss mit der lauten Musik gewesen.
Wie es mit dem Rebstock-Open-Air weitergeht, ist ungewiss. "Ich muss erst mal die Zahlen haben, bevor ich was bewerten kann", sagt der Stadtjugendreferent. Jetzt sieht er erst einmal das Positive. Das Festival sei reibungslos und störungsfrei über die Bühne gegangen: "Außer, dass wir gestern beim Abbauen im Matsch versunken sind."


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