Old fashioned: „Gelbe Schatten“ So präzise wie ein alter Python

Hans Jörg Wangner, 13.06.2012 10:42 Uhr

Stuttgart - Dieser Thriller, er ist in jeder Hinsicht old fashioned. Old fashioned das zweifarbige Cover mit seiner harten Typographie. Old fashioned die beiden Anzug tragenden Hauptdarsteller, Kettenraucher und Whiskytrinker. Old fashioned die Frauen in ihren Kostümen und Kleidern, old fashioned die Technik ganz ohne DNA-Analyse und Computerkrimskrams, old fashioned die zurückgelehnte Erzählweise eines Männerkrimis. Doch ehe sich das jetzt wie ein Verriss lesen sollte: natürlich heißt old fashioned so viel wie altmodisch. Doch während im Deutschen die Betonung auf alt liegt, soll sie bei Ross Thomas’ „Gelben Schatten“ auf fashioned liegen.

Der 1995 verstorbene Autor lässt die Fortsetzung seines BRD-DDR-Krimis „Kälter als der kalte Krieg“ im stylischen Washington der 1960er Jahre spielen. Kunststück: als er die Gelben Schatten schrieb, war das die Gegenwart. Das Buch erschien denn auch 1970 auf Deutsch (aus welchen Gründen auch immer in einer gekürzten Version), erst jetzt hat es der Alexander Verlag Berlin in voller Länge auf dem Markt gebracht – und sich damit erneut um Ross Thomas verdient gemacht.

Die Spreu von der Spreu von der Spreu

Thomas erzählt in seinem „Cast a Yellow Shadow“ wieder von McCorkle und Padillo, der eine eigentlich Kneipier, der andere Geheimdienstler mit schillernder Vergangenheit. Der von den allermeisten tot geglaubte Padillo taucht unversehens in Washington auf, wo er den weißen Präsidenten eines afrikanischen Staates ermorden soll. Auftraggeber ist der todkranke Politiker selbst. Er will das Attentat der schwarzen Mehrheit in die Schuhe schieben will, um so das Apartheids-Regime in seinem Land zu festigen. Doch Padillo weigert sich. Um ihn unter Druck zu setzen, entführen die Spießgesellen des Präsidenten McCorkles Frau Fredl, eine deutsche Journalistin, die für „eine Frankfurter Zeitung – jene mit den sorgfältigen Leitartikeln“ – schreibt. Für die beiden Helden beginnt ein Wettrennen mit der Zeit, in dessen Verlauf sich unter den Verbündeten die Spreu von der Spreu von der Spreu trennt, ehe am Ende nur noch ein bisschen Weizen übrig bleibt.

Und wenn wir schon bei Metaphern sind: Thomas’ Tonfall ist so trocken wie ein Martini, seine Erzählweise so präzise wie die Mechanik eines alten Colt Python, dessen Hahn ganz langsam gespannt wird. Und er ist so souverän, dass er die beiden Hauptpersonen sich noch Gedanken über die Führung ihres gemeinsamen Lokals machen lassen kann.

Um eine Postkarte zu zitieren, die über Jahre hinweg das einzige Lebenszeichen Padillos gewesen sein sollte: „Well.“

Ross Thomas: Gelbe Schatten. Ein McCorkle-und-Padillo-Fall. 283 Seiten. Alexander Verlag Berlin.