Oldenburger Energieversorger EWE Wirbel um Korruptionsaffäre bei EnBW-Tochter
Andreas Müller, 29.10.2011 17:56 Uhr
EWE-Chef Werner Brinker Foto: dapd
EWE-Chef Werner Brinker Foto: dapd
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Stuttgart - Die Beteiligung am Oldenburger Versorger EWE bereitet der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) zunehmend Ärger. Nachdem die Regierungsfraktionen das Zwei-Milliarden-Euro-Engagement diese Woche im Landtag äußerst kritisch beurteilt haben, muss sich die EnBW nun auch noch mit einer verschwiegenen Korruptionsaffäre und Vorwürfen der Misswirtschaft bei EWE auseinandersetzen. Der EWE-Vorstandschef Werner Brinker sieht sich deswegen sogar mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die EnBW dringt nun auf Aufklärung im Oldenburger Aufsichtsrat, wo die Karlsruher durch Konzernchef Hans-Peter Villis und den Technikchef Hans-Josef Zimmer vertreten sind.

Erst mit vier Jahren Verspätung war jetzt bekannt geworden, dass die EWE bereits im Jahr 2007 ein Bußgeld von 400.000 Euro akzeptiert hatte, um Ermittlungen wegen Vorteilsgewährung in Brandenburg zu beenden. Hintergrund war der Einstieg des Unternehmens 2002 bei den Stadtwerken Eberswalde. Für den Verkauf von Anteilen hatte es der Stadt einen Zuschuss von gut 300.000 Euro für die Landesgartenschau in Aussicht gestellt. Diese Verknüpfung wurde in einem Schreiben Brinkers und eines weiteren ehemaligen Vorstandes hergestellt, das jetzt an die Öffentlichkeit kam. Der Bürgermeister wurde nach Medienberichten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Eigner fordern Rücktritt

Vier Jahre danach sind Brinker und der Aufsichtsratschef Günther Boekhoff nun massiv in die Kritik geraten, weil sie über den Vorgang nur das Präsidium des Aufsichtsrates informiert hatten, nicht aber das gesamte Kontrollgremium. Viele Aufseher erfuhren erst aus der Zeitung von der Korruptionsaffäre und sind entsprechend erbost. Aus dem Kreis der kommunalen Eigner wird bereits der Rücktritt Brinkers und Boekhoffs gefordert. Beide seien "nicht mehr tragbar", werden Kreisräte in der Lokalpresse zitiert, es handele sich um ein "Stück aus dem Tollhaus". Brinker räumte inzwischen ein, das Schreiben an die Stadt Eberswalde sei "im Nachhinein ein Fehler" gewesen; man habe nie eine Vorteilsgewährung beabsichtigt.

Das Verfahren gegen ihn selbst sei wegen Geringfügigkeit ohne Bußgeld eingestellt worden. Aus heutiger Sicht wäre es "sicherlich besser gewesen", den gesamten Aufsichtsrat zu informieren. Möglicherweise habe der Vorstand die Situation "damals falsch bewertet". Ähnlich selbstkritisch äußerte sich Boekhoff für das Präsidium. Man sei stets überzeugt gewesen, "dass der Vorstand im Sinne des Unternehmens gehandelt hat", fügte er hinzu. Grundsätzlich bestehe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Gesamtgremium und dem Vorstand.

Brinker auch wegen Misswirtschaft in der Kritik

Die EnBW teilte auf Anfrage mit, der Vorfall liege "zeitlich deutlich" vor ihrem Eintritt in den Gesellschafterkreis - die Übernahme von 26 Prozent der EWE-Anteile erfolgte 2009. Zudem betreffe er die operative Verantwortung der Unternehmensführung. Gleiches gelte für die aktuellen Vorwürfe wegen Misswirtschaft, in deren Zentrum ebenfalls Brinker steht.

Dabei geht es um eine Art Sponsoringprogramm der EWE, mit dem Schüler für ein Leben ohne Drogen und Gewalt ertüchtigt werden sollen. Das Unternehmen zahlte für das "Sign" genannte Projekt jährlich bis zu 3,3 Millionen Euro an eine Präventionsagentur. Diese sollte mehr als 1200 Schulklassen an über 100 Schulen die Teilnahme an ensprechenden Kursen ermöglichen. Nach Medienberichten gab es jedoch nur wenige hundert Veranstaltungen, erhebliche Teile des Geldes habe die Agenturchefin anderweitig verwendet. Die Rechnungen hatte Brinker offenbar persönlich abgezeichnet - ohne Beanstandung. Ein EnBW-Sprecher teilte dazu mit, man erwarte dazu einen Bericht im EWE-Aufsichtsrat. Derzeit dauere die interne Aufarbeitung in Oldenburg noch an, deshalb wolle man sich zur Sache nicht äußern.

Kommentare (6)
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OKT
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Hans-Jürgen Lamberty, 19:39 Uhr

Gauner soll man Gauner nennen!

Ein Beispiel (mein eigenes) welchen Ruf diese einstmals tadellose firma im ganzen Nordwesten der BRD hat. Dieser unssägliche Brinker lebt seit Jahren nach dem Motto: "Ist der Ruf erst ruiniert lebt's sich völlig ungeniert" Der Mann gehört so schnell wie möglich abgelöst! Auch uns schuldet diese "Gauner-Firma" mit "Gauner-Vorstandsvorsitzenden Sonnenkönig DR. Werner Brinker" und "Gauner-Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Boekhoff aus Leer (SPD)" noch knapp 1.000,00 €, die ich langwierig (EuGH) einklage. Liebe Ostfriesen, entweder Ihr wechselt jetzt endlich diese unsäglich unseriöse Firma EWE, als Gas, Strom und Telefonanbieter, fordert Euer zuviel eingehaltenes Geld (natürlich 100 %) zurück oder Ihr habt es nicht besser verdient. In jedem ordentlich geführten Konzern, wäre Brinker schon längst abgelöst. Hier spielt die Politik über den Aufsichtsrat von SPD und CDU Provinz-Granden eine ganz miese, unrühmliche Rolle. Mit Gaunern macht man keine Geschäfte. Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen muss!!...

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OKT
31
bekien, 10:51 Uhr

Sind wirklich alle ernsthaft entsetzt?

Ich nicht! Dieser Verein ist so korrupt, dass die italienische Mafia sich mal in aller Ruhe hinsetzen kann, Öhrchen spitzen sollte und tief und flach weiter atmen kann. Ja, hier kann man dazu lernen, nicht wahr? Was da noch alles auf die Oberfläche kommen wird, pfui Teufel! Freue mich schon auf die ersten, die kippen und freiwillig das Kampffeld verlassen oder auspacken! Die Herren im feinen Zwirn, ja man will es nicht fassen, gele! Wer da noch alles mit drin hängt.............vielleicht weis der Weihnachtsmann in Bälde noch mehr! We will see! Bis Ostern sind da noch ganz fette Überraschungseier drin! Hurrrrrra!

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OKT
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Horge, 14:58 Uhr

Mist fremdbestimmter und teuer bezahlter!

Diese sogenannten "Versorger", die es bundesweit zuhauf gibt, sollten sofort stillgelegt und aufgelöst werden, nach dem Vorbild der Treuhand reloaded! Nur diesmal wird wieder Volksvermögen zurückgeneriert, die Vorstandschefs haften mit ihrem kompletten Privatvermögen. Energie wird nur deshalb immer teurer, weil es ein Netz von "Gewinnmaximierern" gibt, die uns als Bevölkerung ausquetschen wie Zitronen. Ein Konglomerat aus Politik, Banken, Versicherungen, Werbe- und Sponsorenagenturen, und finanzmachtmonopolistisch strukturierten Energiekonzernen. Welchen Sinn macht eine Politik, die Privatinteressen vor das Allgemeinwohl stellt? Keinen! Wer jetzt immer noch nicht erkennt, das er mit seinem eigenen, erwirtschafteten Geld Monat für Monat diese ganzen Politikschauspielern, Versicherungsbeutelschneidern und Klingelbeutelenergiegepuderten in ihrem gemeinwohlzerstörenden Tun finanziert, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Die Lösung? Wählt euch endlich selbst und erkennt euch als Gesellschaft, die nur überlebt, wenn Sie jedem Menschen auf diesem Planeten dasselbe Stück Brot gönnt, das er sich gerade selbst in den Mund schiebt. Oder anders gesagt, jeder Mensch braucht Wärme/Energie, weltweit. Stoppt Börsengeschäfte auf Getreide und alle sonstigen Ackerpflanzen, mit denen z.B. Biosprit hergestellt wird. Sofort!

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