Oldtimer-Grand Prix Alt, aber schnell
Ulrich Bethscheider-Kieser, 22.08.2011 06:45 Uhr
Beim Oldtimer-Grand Prix auf dem Nürburgring zeigen Autos und Fahrer, wie flott sich alte Autos bewegen lassen. Zubehörhändler und Clubs sorgen für ein buntes Treiben rund um mobile Klassiker. Foto: dpa
Beim Oldtimer-Grand Prix auf dem Nürburgring zeigen Autos und Fahrer, wie flott sich alte Autos bewegen lassen. Zubehörhändler und Clubs sorgen für ein buntes Treiben rund um mobile Klassiker. Foto: dpa
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In altertümlich wirkenden Lettern prangt es unübersehbar auf einem großen Schild: „Jeder lobt, was Nürburgring-erprobt“. Und gleichsam als Erläuterung steht weiter zu lesen: „Erste deutsche Gebirgs-, Renn- und Prüfstrecke“. Die großen Tafeln schmücken das historische Fahrerlager am Nürburgring. Die im Rechteck um eine Asphaltfläche angeordneten Wellblechboxen stammen noch aus der Gründungszeit der Eifelrennstrecke, die 1927 gebaut wurde.

In den vergangenen Monaten wurde das historische Fahrerlager, einige Hundert Meter von der modernen Boxenanlage entfernt, restauriert und mit zeitgenössischen Elementen wiederhergestellt: In den Wellblechgaragen finden sich nun große, stilvolle Lampen, eine rustikal wirkende halbhohe Verkleidung aus grobem Holz und historische Rennplakate. Jede Box trägt den Namen eines berühmten Rennfahrers, der im Innern der Schrauberstätte mit einem Zitat an der Wand verewigt ist. Rudolf Caracciola beispielsweise, erfolgreichster deutscher Rennfahrer der Vorkriegszeit, wird mit dem bedeutungsschwer klingenden Satz wiedergegeben: „Fünf Siege in Monza können einen Nürburgring-Sieg nicht aufwiegen.“ Pathos vergangener Renntage.

Die Renovierung des historischen Fahrerlagers gelang passend zum Oldtimer-Grand Prix. Bei diesem Ereignis kommen Liebhaber des historischen Motorsports aus ganz Europa mit ihren Fahrzeugen in der Eifel zusammen. Mehr als 60000 Zuschauer zählte der veranstaltende Automobilclub von Deutschland (AvD) auch in diesem Jahr – bei der bereits 39. Ausgabe des OGP, wie der Event kurz und knapp in der Szene genannt wird. Die Rennerei mit den alten Autos begann also schon in einer Zeit, als noch keiner von einem Oldtimer-Boom zu träumen wagte. Wie kaum ein anderer kennt Uli Sauer die Geschichte des OGP. Der Besitzer eines BMW 328 aus den dreißiger Jahren ist der Einzige, der bisher bei allen OGPs an den Start ging. Der heute 69-Jährige aus Iserlohn kaufte sich den bayrischen Roadster bereits 1970 und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. 1973 gingen Mann und Auto erstmals beim OGP an den Start. „Solange man mich lässt und ich kann, bin ich dabei“, formuliert der BMW-Fahrer seine Pläne für die nächsten Ausgaben der Veranstaltung.

Dass die Vorkriegsfahrzeuge wie der BMW 328 ihren angestammten Platz im stilvollen historischen Fahrerlager haben, ist selbstverständlich. Dort parken Bugatti neben BMW und Bentley, ein Alfa P3 ist ebenso dabei wie ein Veritas, der einst in der Nähe des Nürburgrings gebaut wurde. Aber nicht in jeder Box parkt historische Rennwagentechnik. Mal werden originale oder nachgefertigte Emailleschilder angeboten, andernorts finden sich Kleider im Stil der fünfziger Jahre. Und in einer Box rollt eine Kubanerin von Hand dicke Zigarren für all jene, denen zum Gesamtauftritt das passende Rauchwerk wichtig ist.

Zu den Facetten des OGP gehört auch das Treiben abseits der von rot-weißen Randsteinen eingefassten Rennstrecke. Zahlreiche Oldtimerclubs nutzen das Wochenende, um ihre Fahrzeuge zu präsentieren und Gleichgesinnte zu treffen. Und traditionsbewusste Hersteller versammeln die Liebhaber der Marke um sich. Allein Porsche Classic hat ein mehr als 14000 Quadratmeter großes Areal für Klassiker der unterschiedlichsten Generationen reserviert. Eine vierstellige Zahl von Fahrzeugen füllt zudem die Parkplätze außerhalb der Rennstrecke. Zum Teil kommt auf den Wiesen und unter Bäumen regelrechte Camping-Atmosphäre auf, wenn neben den Oldies Zelte aufgebaut und Klappstühle ausgepackt werden.

Das Hauptprogramm bilden indes die Rennen, und die haben nichts mit einer gemütlichen Oldie-Ausfahrt gemein. Viele der aus insgesamt 20 Ländern angereisten Teams fahren mit einem technischen Equipment vor, das einem modernen Rennteam kaum nachsteht – bis hin zu den großen und bunt lackierten Trucks, die im Fahrerlager fein säuberlich Seit’ an Seit’ parken. Und auf der Grand-Prix-Rennstrecke des Nürburgrings geht es bei den Rennen bisweilen zu, als sei ein Aufstieg in eine höhere Rennklasse das vorrangige Ziel. Da kann es schon mal vorkommen, dass Türklinke an Türklinke (falls überhaupt vorhanden) gefightet wird. Gerade bei den vergleichsweise jungen Tourenwagen aus den sechziger und siebziger Jahren sind mitunter nach dem Zieleinlauf Kampfspuren an den Karosserien auszumachen. Kein Problem, für den nächsten Einsatz lassen sich solche Schäden wieder beheben.

Dass die Renn-Oldies nicht nur schnell, sondern auch ausdauernd sein können, zeigt sich beim Historic Marathon. Dieser führt über die legendäre, 22 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings – und das vier Stunden lang. Wenn die Eifel dann im Sommer die für sie typischen Wetterkapriolen zeigt und sich plötzlich der Regen literweise über Land und Leute ergießt, ist bei den Piloten hinterm historischen Holz- oder Lederlenkrad Vorsicht und vor allem Können gefragt – selbst für ausgewiesene Experten eine Herausforderung. Die Rallye-Legende Walter Röhrl, zweifacher Weltmeister und ebenso erfolgreich auf Schotter und Rundstrecke, startete in diesem Jahr mit einem Porsche 911 von 1965 beim Historic Marathon. Am Ende belegte der 64-Jährige den vierten Platz. Dass die Popularität des Regensburgers ungebrochen ist, zeigte sich beim anschließenden Autogrammeschreiben im Porsche-Zelt, wo die Fans Schlange standen.

Kommentare (1)
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SEP
11
Gast, 18:53 Uhr

Nürburgring Oltimer

Gerade die STZ sollte eigentlich den Zielturm vom Mahdental (Solitüdering) kennen und nicht im Zusamenhang mit dem Nürburgring zeigen.

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