Olgahospital Stuttgart Kinderärzte überweisen seltener ins Olgäle

Viola Volland, 08.02.2013 07:07 Uhr

Stuttgart - Mit zunehmender Sorge betrachten die Stuttgarter Kinderärzte die Situation im Olgahospital, die an diesem Freitag auch den Krankenhausausschuss beschäftigen wird. Die Folgen des von Mitarbeitern beklagten Personalmangels wirken sich auch auf die niedergelassenen Kinderärzte aus.

Laut einer internen Umfrage, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt und an der sich alle Stuttgarter Kinder- und Jugendarztpraxen beteiligt haben, haben 44 Prozent der Praxen ihre Einweisungen ins Olgäle in den vergangenen Monaten reduziert. Nach Schwere der Erkrankungen wird in diesem Zusammenhang nicht differenziert. Doch die Ursachen für die Abkehr sind in der Umfrage ein Thema: 42 Prozent der Stuttgarter Kinderärzte sind weniger zufrieden oder unzufrieden mit der Aufnahmekapazität des Olgahospitals. Auch die Berichte der Eltern spielen für die Kinderärzte eine Rolle: Seit Herbst 2012 haben sich nach Eindruck der Kinderärzte die Klagen gehäuft. Die Eltern beschweren sich vor allem über die Pflege und mangelnde Information. Die Mehrheit der Kinder­ärzte gab an, dass die Eltern mit ihrer eigenen „Betreuung“ weniger zufrieden als früher (32,5 Prozent) oder gar unzufrieden (30 Prozent) waren. Die Qualität des Olgahospitals wird hingegen von den Kinderärzten geschätzt. 34  Prozent sind mit der fachlichen Arbeit zufrieden, 59 Prozent sind meist zufrieden, zusammen macht das 93 Prozent.

Mitarbeiter schildern ihre Nöte

In der Sitzung des Krankenhausausschusses werden die Kinderärzte mit Vertretern zugegen sein. Neben der Geschäftsführung sollen bei dem Termin zudem ­Mitarbeiter des Olgahospitals zu Wort kommen und den Stadträten ihre Sicht der Lage schildern.

Wie berichtet hat sich die Zahl der Überlastungsanzeigen im vergangenen Jahr am Olgäle fast verdreifacht. Oberärzte hatten bereits im Sommer 2012 in einem Brief an die Klinikleitung geschrieben, dass die Versorgung der Patienten gefährdet sei, und eine Reihe an Problemen aufgelistet – darunter auch die Reduzierung von Betten auf Stationen. Aktuell, heißt es gegenüber der StZ von Mitarbeiterseite, müssten sogar jeden Abend im Notdienst Kinder entweder nach Hause geschickt oder in eine andere Kinderklinik verlegt werden.

Probleme mit der Grippewelle

Im Augenblick sei das Olgäle „permanent am Abweisen“ von Patienten, sagt auch der Stuttgarter Kinderarzt Thomas Jansen. Er sitzt im Aufsichtsrat des sogenannten Päd-Netz-S, der Genossenschaft der fachärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, und spricht stellvertretend für die Stuttgarter Kinderärzte. Mit der derzeitigen Grippewelle komme das Kinderkrankenhaus nicht zurecht, sagt Jansen. Diesen Eindruck hat er auch aus Gesprächen mit Kollegen gewonnen. Ein Pneumologe habe von einem Kind berichtet, bei dem unklar war, ob es an einer offenen Tuberkulose leidet, weshalb er es zum Olgahospital schickte. Das Kind sei nicht in der Kinderklinik aufgenommen worden, wie es in solch einem Fall üblich sei, sondern sollte ambulant von dem Lungenfacharzt selbst behandelt werden. „Die Qualität der Versorgung ist in Gefahr“, sagt Jansen.

Die Kinderärzte stehen auch mit Mitarbeitern des Olgäle in Kontakt: Diese stünden sehr unter Druck und befürchteten, dass es angesichts des hohen Defizits in Zukunft noch schlimmer komme. „Es muss ein positives Signal her“, meint Jansen.