Olgahospital Stuttgart Kinderärzte überweisen seltener ins Olgäle

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Der Personal- und Bettenmangel macht sich im Olgäle immer stärker bemerkbar. Mitarbeiter berichten, dass jeden Abend im Notdienst Kinder nach Hause geschickt oder in eine andere Kinderklinik verlegt werden. Auch die Stuttgarter Kinderärzte beklagen Engpässe.

Die Stuttgarter Kinderklinik kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: Achim Zweygarth
Die Stuttgarter Kinderklinik kommt nicht aus den Schlagzeilen.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Mit zunehmender Sorge betrachten die Stuttgarter Kinderärzte die Situation im Olgahospital, die an diesem Freitag auch den Krankenhausausschuss beschäftigen wird. Die Folgen des von Mitarbeitern beklagten Personalmangels wirken sich auch auf die niedergelassenen Kinderärzte aus.

Laut einer internen Umfrage, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt und an der sich alle Stuttgarter Kinder- und Jugendarztpraxen beteiligt haben, haben 44 Prozent der Praxen ihre Einweisungen ins Olgäle in den vergangenen Monaten reduziert. Nach Schwere der Erkrankungen wird in diesem Zusammenhang nicht differenziert. Doch die Ursachen für die Abkehr sind in der Umfrage ein Thema: 42 Prozent der Stuttgarter Kinderärzte sind weniger zufrieden oder unzufrieden mit der Aufnahmekapazität des Olgahospitals. Auch die Berichte der Eltern spielen für die Kinderärzte eine Rolle: Seit Herbst 2012 haben sich nach Eindruck der Kinderärzte die Klagen gehäuft. Die Eltern beschweren sich vor allem über die Pflege und mangelnde Information. Die Mehrheit der Kinder­ärzte gab an, dass die Eltern mit ihrer eigenen „Betreuung“ weniger zufrieden als früher (32,5 Prozent) oder gar unzufrieden (30 Prozent) waren. Die Qualität des Olgahospitals wird hingegen von den Kinderärzten geschätzt. 34  Prozent sind mit der fachlichen Arbeit zufrieden, 59 Prozent sind meist zufrieden, zusammen macht das 93 Prozent.

Mitarbeiter schildern ihre Nöte

In der Sitzung des Krankenhausausschusses werden die Kinderärzte mit Vertretern zugegen sein. Neben der Geschäftsführung sollen bei dem Termin zudem ­Mitarbeiter des Olgahospitals zu Wort kommen und den Stadträten ihre Sicht der Lage schildern.

Wie berichtet hat sich die Zahl der Überlastungsanzeigen im vergangenen Jahr am Olgäle fast verdreifacht. Oberärzte hatten bereits im Sommer 2012 in einem Brief an die Klinikleitung geschrieben, dass die Versorgung der Patienten gefährdet sei, und eine Reihe an Problemen aufgelistet – darunter auch die Reduzierung von Betten auf Stationen. Aktuell, heißt es gegenüber der StZ von Mitarbeiterseite, müssten sogar jeden Abend im Notdienst Kinder entweder nach Hause geschickt oder in eine andere Kinderklinik verlegt werden.

Probleme mit der Grippewelle

Im Augenblick sei das Olgäle „permanent am Abweisen“ von Patienten, sagt auch der Stuttgarter Kinderarzt Thomas Jansen. Er sitzt im Aufsichtsrat des sogenannten Päd-Netz-S, der Genossenschaft der fachärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, und spricht stellvertretend für die Stuttgarter Kinderärzte. Mit der derzeitigen Grippewelle komme das Kinderkrankenhaus nicht zurecht, sagt Jansen. Diesen Eindruck hat er auch aus Gesprächen mit Kollegen gewonnen. Ein Pneumologe habe von einem Kind berichtet, bei dem unklar war, ob es an einer offenen Tuberkulose leidet, weshalb er es zum Olgahospital schickte. Das Kind sei nicht in der Kinderklinik aufgenommen worden, wie es in solch einem Fall üblich sei, sondern sollte ambulant von dem Lungenfacharzt selbst behandelt werden. „Die Qualität der Versorgung ist in Gefahr“, sagt Jansen.

Die Kinderärzte stehen auch mit Mitarbeitern des Olgäle in Kontakt: Diese stünden sehr unter Druck und befürchteten, dass es angesichts des hohen Defizits in Zukunft noch schlimmer komme. „Es muss ein positives Signal her“, meint Jansen.

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4 KommentareKommentar schreiben

Und wohin dann?: Mir fehlt in dem Artikel eine Alternative. Wohin sollen Eltern mit kranken oder verletzten Kindern gehen? Im akuten Notfall würde ich immer, mittlerweile und nach eigenen Erfahrungen aber nur noch ungern das Olgäle aufsuchen.

Kinder wandern jetzt ab: Wir haben die chaotischen Zustände dort auch schon erlebt. Selbst und bei Bekannten. Wenn das alles ist, was Stuttgart für Kinder zu bieten hat, müssen die Familien mit Kindern eben auch dort hin ziehen, wo es geeignete Krankenhausversorgung im Umland gibt. Oder können die Grünen Herren Bürgermeister Wölfle und Kuhn etwas konkret hier ändern ? PS.: Die Krankenhäuser in der Umgebung winken auch schon ab, wenn man dort über die Unzufriedenheit und die Erlebnisse im Olga berichtet.

Das Olgäle ist eine Zumutung geworden: Das Olgahospital hat als Kinderkrankenhaus inzwischen den schlechtesten Ruf weit und breit. Unser Kinderartzt empfiehlt es inzwischen auch nicht mehr. Unser Kind wurde vom Kinderarzt vor kurzen ins Olgäle eingewiesen, lag lange dort ohne Behandlung. Personal rannte immer wieder unkonzentriert weg und vergaß die Hälfte. Wurde dann formal stationär aufgenommen und dann abends leider wieder ausgewiesen weil jetzt doch aufeinmal kein Bett frei war. Angeblich wurde aber ein Bett im Katharinenhospital von Dr. S.... organisiert. Mit dem Arztbrief dort angekommen, war dort leider gar nichts abgesprochen. Kind musste dort 1 Nacht auf der Notfallambulanz notdürftig schlafen. KH hat sich immerhin echt bemüht und auch über Olgäle geflucht. Kommt wohl öfter vor, daß Olgäle einfach in INA abschiebt. Zustände ! Ansosten: - Ärzte und Personal auf Station OASE inkompetent - verlogen und lassen sich dann auch noch bei Kritik verleugnen - scheinen unfähig zur richtigen Diagnose - angeblich überlastet, aber wenn man hinter die Kulissen schaut sind sie glaube ich nur unorganisiert und reden zuviel Wir haben jetzt 3 mal hintereinander die Erfahrung im Olgäle gemacht und können nur abraten ! Erhaltenes Entschuldigungsschreiben von Klinikdirektor Dr. Krier nach Beschwerde hat auch nichts genutzt. Nur heisse Luft. Löst das Olgäle ganz auf und lasst das Personal auch gleich laufen! Schlechter wirds dann auch nicht. Nur schade, daß es außer der sonst sehr guten Filderklinik und dem Krankenhaus Ludwigsburg keine Alternative für Kinderpädeatrie gibt. Armes Stuttgart. Kinderfreundlichkeit sieht anders aus, nicht wahr, Herr Bürgermeister Wölfle und Herr Kuhn ! (PS: die Zeitung darf gerne auf uns zukommen. Wir stehen für ausführliche sachliche Berichte aus jüngsten haarsträubenden Erfahrungen mit Kind gerne zur Verfügung !)

Falsche Prioritäten in Stuttgart: Das, was jetzt ENDLICH in der Presse publik wird, habe ich genau so schon vor längerer Zeit von einer Krankenschwester gehört. Es ist ein SKANDAL - ein Trauerspiel in einer Stadt, in der für Milliarden Euro ein sinnloser Tiefbahnhof gebaut werden soll und dafür fehlt das Geld im Olgäle an allen Ecken und Ende! Mit dem zum Fenster hinausgeworfenem Geld der Stadt für S21 könnte Stuttgart auf einen Schlag in sehr vielen Bereichen SINNVOLLES bewirken!

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