On Top im Stuttgarter Norden Beirat protestiert gegen Pläne des Gartenamts

Von Eva Funke 

Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt Stuttgart will statt Gastronomie an der Stresemannstraße lediglich ein Aussichtsplattform errichten. Der Bezirksbeirat Nord lehnt das ab.

Von der Stresemannstraße bietet sich eine tolle Aussicht – viele Menschen hätten dort gerne wieder ein Lokal. Foto: Petra Mostbacher-Dix (Archiv)
Von der Stresemannstraße bietet sich eine tolle Aussicht – viele Menschen hätten dort gerne wieder ein Lokal. Foto: Petra Mostbacher-Dix (Archiv)

S-Nord -

Eins war Volker Schirner, dem Chef des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamt von vornherein klar: Er würde heftigen Gegenwind vom Bezirksbeirat Nord bekommen. „Ich weiß, es ist ein hochemotionales Thema, um das es geht“. Und: „Ich würde ihnen gern Positiveres mitteilen“, sagt er am Montag in Sachen Ausflugslokal „On Top“ vor dem Gremium im Rathaus. Schirner brachte den Vorschlag mit, auf der Fläche des ehemaligen Lokals keine Gastronomie, sondern eine reine Aussichtsfläche anzulegen. Der Vorschlag wurde einstimmig abgelehnt.

Das Lokal „On Top“ in bester Aussichtslage an der Stresemann­straße wurde seit 1993 von der Europa Messe Restaurations GmbH betrieben – bis es 2014 durch einen Brand vollständig zerstört wurde. Der Pächter wollte das „On Top“ wieder aufbauen und weiter betreiben. Das Gartenamt forderte ein schlüssiges Konzept dafür. Weil der Betreiber das nicht vorlegen konnte, wurde der Pachtvertrag Ende 2015 aufgelöst.

Platz für rund 100 Gäste

Schirner und seine Mitarbeiter entwickelten daraufhin die Idee, dort nur einen Aussichtspunkt zu gestalten. Das stieß auf die Kritik der Bezirksbeiräte, die auf der exponierten Fläche wieder einen Gastronomie forderten. Im vergangenen Jahr wiesen damit beauftragte Landschaftsarchitekten auf dem Gelände eine Baufläche für eine glasüberdachte Außenfläche und ein Innenraum mit jeweils Platz für rund 100 Gäste aus. Schirner: „Es sollte keine Buden, sondern etwas Hochwertiges entstehen.“

Auf die Ausschreibung im Amtsblatt meldeten sich bis Ende 2016 rund 20 Interessenten. Davon kamen vier in die Auswahl. Allen waren jedoch die Vertragsbedingungen, die eine zehnjährige Laufzeit mit einer Verlängerung um fünf Jahre vorsah, bei den zu erwartenden Investitionen zu kurz. Also wurde erneut ausgeschrieben und die Vertragsdauer auf 20 Jahre verlängert. Anfang dieses Jahres gab es drei Bewerber – laut Gartenamt „ohne tragfähiges Konzept“ und mit der Forderung, dass sich die Stadt mit einem sechsstelligen Betrag an den Erschließungskosten beteiligt. „Das ist jedoch immer Sache der Gastronomen“, stellte Schirner fest, für den sich damit das Thema Gastronomie erledigt hatte.

Enttäuschung im Gremium

Eine reine Aussichtsplattform? Die Bezirksbeiräte quer durch alle Fraktionen lehnten das rundweg ab und warfen dem Gartenamt mangelndes Engagement vor. „Das hab ich mir gleich gedacht. Zweieinhalb Jahre passiert nichts und jetzt wird uns serviert, was das Amt längst beschlossen hat“, stellte Timo Haug (CDU) fest und kritisierte, dass die Hürden für Bewerber so hoch seien, dass sie scheitern müssten. Haug: „Wir brauchen da oben keinen Glaspalast mit hochwertiger Gastronomie, sondern eine Grundversorgung“. Auch eine Beteiligung der Stadt an den Erschließungskosten schließt er nicht aus, da die Kosten durch die Miete wieder rein kommen. Ralph Wöhrle (Grüne) beurteilt den Bericht des Gartenamts als enttäuschend. „Wir brauchen dort etwas Bezahlbares“, sagte er und nannte als Beispiel das Bärenschlössle im Rotwildpark.

Jürgen Klaffke (SÖS/Linke-plus) bestätigte: „Dort etwas Hochwertiges hinzustellen, entspricht nicht unseren Vorgaben.“ Er wies auch daraufhin, dass eine Aussichtsplattform auf Grund der Nähe zum Perkins Park zur Problemfläche werde, weil sich die Jugendlichen dort treffen und den Platz vermüllen würden. Anna Kedziora (Freie Wähler) mochte nicht glauben, dass an einem so exponierten Platz die Bewerber nicht Schlange stehen und forderte Schirner auf: „Sie müssen die Fläche schmackhaft präsentieren.“ Bertram Wohlfahrt (Grüne) stellte fest: „Vielleicht darf man nicht nur im weltbekannten Amtsblatt inserieren“ und warf dem Gartenamt vor, dass Thema verfehlt zu haben.

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