Online-Handel Einkauf im Netz hat seine Tücken
Stefanie Käfferlein, 21.03.2010 09:38 Uhr
Der Einkaufsbummel im Internet ist nicht immer erfolgreich. Verbraucherschützer raten zu mehr Vorsicht. Foto: Zweygarth
Der Einkaufsbummel im Internet ist nicht immer erfolgreich. Verbraucherschützer raten zu mehr Vorsicht. Foto: Zweygarth
""Einkaufen im Netz entspricht dem derzeitigen Lifestyle." "
Wolfgang Wentzel, Bundesverband Onlinehandel

Stuttgart - Uschi Hanke hat wenig Zeit. Die 46-Jährige ist berufstätig, Ehefrau, und Mutter von zwei Kindern. Nebenbei kümmert sie sich Tag für Tag um den Haushalt. Um Zeit zu sparen, kauft Uschi Hanke vieles im Internet. Sie ist unter anderem Kundin bei der Internetauktionsplattform Ebay und dem Online-Versandhaus Amazon. "In Online-Kaufhäusern kann ich nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen", erklärt Hanke. Für ihre ältere Tochter bestellt sie alle drei Monate Kontaktlinsen, bei Amazon regelmäßig Bücher und aus Norddeutschland lässt sie sich friesischen Tee schicken.

Uschi Hanke gehört damit zu jenen Bundesbürgern, die regelmäßig Produkte im Internet erwerben. Während der Einzelhandel mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat und der Umsatz sinkt, nimmt die Zahl der Online-Käufer stetig zu. Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat der E-Commerce-Umsatz, also dem Umsatz im gesamten Online-Handel, im vergangenen Jahr in Deutschland um 14 Prozent zugenommen. Für rund 15,5 Milliarden Euro haben die deutschen Verbraucher Waren gekauft - bequem per Mausklick.

"Im Schnitt sind 2009 pro Einkaufstour 506 Euro ausgegeben worden", sagt Herbert Lechner von der GfK. Damit hat der Bundesbürger nach dieser Untersuchung zehn Prozent mehr ausgegeben als noch im Jahr 2008. "Der Andrang unterscheidet sich je nach Produkt", sagt Lechner. Während der Gebrauchtwarenmarkt derzeit stagniere habe sich der Modebereich überdurchschnittlich positiv entwickelt.

"Das Leben wird immer virtueller"


Erstmals in der Geschichte des Versandhandels hat die Branche mehr Umsatz über das Internet als über den klassischen Bestellweg gemacht, also per Telefon, Fax oder per Post. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels hat ausgerechnet, dass 53,3 Prozent der Kunden über das Internet bestellt haben.

"Einkaufen im Netz entspricht vor allem auch dem derzeitigen Lifestyle", sagt Wolfgang Wentzel vom Bundesverband Onlinehandel. Demnach wollen die Kunden spontan sein, unabhängig von Ladenöffnungszeiten. "Das Leben wird immer virtueller, da ist es nur die logische Konsequenz, dass man auch online einkauft", sagt Wentzel. "Sonntagmittag wird bestellt, dienstags wird die Ware geliefert."

Doch nicht immer verläuft die Abwicklung reibungslos. Immer mehr Betreiber von virtuellen Geschäften tricksen, wenn es darum geht, ihren Shop beim Kunden anzupreisen. Da werden die Allgemeinenen Geschäftsbedingungen (AGB) gefälscht, weitere Versandkosten oder Gebühren versteckt oder Kundenbeurteilungen manipuliert. Im vergangenen Jahr gab beispielsweise die Münchner Firma Belkin, ein Hersteller von PC-Zubehör, zu, Bewertungen einzelner Produkte auf der Seite des Online-Kaufhauses Amazon manipuliert zu haben. "Aber auch die Zahl der Hacker nimmt zu. So gab es auch schon Leute, die die Zahlungssystemseiten von Pay-Pal nachgebaut haben", erinnert sich Wentzel. Zudem werden Passwörter geknackt und wird dann auf Kosten anderer Konsumenten eingekauft.

Zu viele Gütesiegel sorgen für Verwirrung beim Käufer


Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) fordert daher beim Verbraucher- und Datenschutz im Netz mehr Engagement von Wirtschaft und Politik. "Man muss dem Verbraucher den Rücken stärken", sagt Cornelia Tausch, die Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft des VZBV. Bei der Vielzahl von Internetseiten könne der Nutzer nur schwer beurteilen, welcher Shop wirklich vertrauenswürdig ist. "Zwar gibt es Gütesiegel, die auch den Datenschutz mehr oder weniger beinhalten", betont Tausch. Aber auch von eben jenen gebe es zu viele. Es müsse dem Verbraucher mit einem Zeichen signalisiert werden: hier kann ich bedenkenlos einkaufen.

Fünf Gütesiegel werden von der vom Bundeswirtschaftsministerium und der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände getragenen Initiative D21 empfohlen: Trusted Shops, TÜV Süd Safer-Shopping, Datenschutz Cert, EHI Euro Label Germany und EHI-bvh. Letzteres ist ein Siegel von EHI und dem Bundesverband des deutschen Versandhandels. Unzählige weitere Siegel sind im Netz zu finden.

Handlungsbedarf sieht der Bundesverband der Verbraucherzentralen vor allem auch, was die Rechte der Verbraucher bei digitalen Produkten, wie Downloads, und bei grenzüberschreitenden Käufen anlangt. "Für den Verbraucher stellt sich unter anderem die Frage, warum er weniger Rechte hat beim Kauf digitaler Güter im Internet. Auch weigern sich einige Unternehmen noch, grenzüberschreitend zu liefern. Das ist jedoch mit Inkrafttreten der Dienstleistungsrichtlinie nicht mehr zulässig", betont Tausch.

Checkliste soll beim Einkauf im Internet Orientierung bieten


Verbraucher sollten beim Einkaufen im Netz generell vorsichtig sein, warnt die VZBV-Expertin für Verbraucherrechte in der digitalen Welt, Carola Elbrecht. Auf der Internetseite http://www.surfer-haben-rechte.de » informiert der VZBV die Konsumenten über Themen wie Kaufrecht, Datenschutz, Urheberrecht und Jugendschutz. Dort kann man in einem Formular eintragen, wo welche negativen Erfahrungen gemacht wurden.

Eine Checkliste für den Einkauf in Online-Shops, die dem Nutzer zum Ausdrucken zur Verfügung steht, soll zudem als Orientierungshilfe dienen. Darunter sind Tipps, wie: "zahlen Sie lieber auf Rechnung", "geben Sie nur die Informationen an, die für die Abwicklung des Vertrags notwendig sind" und "AGB's müssen mühelos lesbar, übersichtlich und speicherbar sein". "Natürlich ist der Kunde auch dann nicht vor Betrügern gefeit, aber doch wenigstens sensibilisiert", betont Elbrecht.

Angst vor Betrügern hat Uschi Hanke nicht wirklich. "Wir haben einmal eine Lokomotive für die Modelleisenbahnanlage meines Mannes geliefert bekommen, die defekt war", erinnert sich Hanke. Der Händler hat das Produkt zurückgenommen und den Preis anstandslos zurückerstattet. "Sonst haben wir noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Internet gemacht", so Hanke.
Kommentare (1)
Anzeigen
MRZ
21
Ralf S., 20:21 Uhr

Siegel für Onlineshops

Als Shopbetreiber mit ingesamt 5 Onlineshops muss ich feststellen, das Siegel der verschiedenen Anbieter dem Kunden nur ein falsches Bild vorgaukeln. So sind zum Beispiel von Trustet Shops gerade geprüfte Shops abgemahnt worden. Die Siegel dienen im Grunde nur dazu, die Taschen derer zu füllen, die die Siegel vergeben. Auch die so oft angepriesenen externen Shopbewertungen sind leicht zu manipulieren . Wir bieten z.B. Kauf auf Rechnung an und die Kunden haben die Sicherheit , das Sie kein Risiko eingehen. http://www.rbh-helishop.de