Der Auftrag ist klar: Lena soll jüngere Käufer von einem Opel begeistern. Foto: dpa
Rüsselsheim - Der angeschlagene Autobauer Opel hat ein neues Werbegesicht: Lena Meyer-Landrut. Am Samstagabend trat die Siegerin des Eurovision Song Contests auf dem "Tag der offenen Tür" in Rüsselsheim auf. Die 19-Jährige sei "wundervoll, unprätentiös, ehrlich, kommt bei den Leuten an und ist ein frisches Gesicht", sagte Opel-Chef Nick Reilly. So wolle Opel auch wieder sein. "Das ist eine perfekte Verbindung", schwärmte er weiter. "Wir sind froh, Lena in unserem Team zu haben." Fachleute und selbst Opelaner sehen den Deal aber eher skeptisch.
Lenas Auftritt vor etwa 20.000 Menschen – vor allem Opelaner und deren Familien – verursachte keine wirklichen Begeisterungsstürme. Sie spielte fünf Songs (allein zweimal "Satellite") und wirkte auf der großen Bühne verloren und überfordert. Zu ihrer Partnerschaft mit Opel sagte sie öffentlich nur einen typischen Lena-Satz: "Ich bin auch tierisch froh und find's richtig toll." Ansonsten hieß es: "Ich bin zum Singen und nicht zum Reden hier." Einige Opel-Mitarbeiter hielten ihren 25-minütigen Auftritt, bei dem sie alles "krass" und Rüsselsheim "wunderschön" fand, für unreif und bezweifelten Lenas Eignung als Opel-Gesicht. Außerdem habe sie bisher nur einen Hit gelandet, meinten andere. Wie lange die Hannoveranerin für Opel werben soll, teilte Opel nicht mit. Es hieß nur, ihr Engagement sei langfristig ausgelegt.
Reilly und Marketingboss Alain Visser versuchen mit aller Macht, das angestaubte Image der Marke aufzupolieren. Sie versprechen Milliardeninvestitionen in neue Technologien und Modelle, auch Life-Style-Fahrzeuge sollen entworfen werden. In einer Kampagne wirbt Opel – mitten in einer Sanierung und noch tief in den roten Zahlen – mit "lebenslanger" Garantie für Neuwagen. Die Botschaft: Opel baut wieder Autos von Qualität. Dass die Wettbewerbszentrale gegen den Werbespruch klagen will, ficht Visser nicht an. Die Schlagzeilen kommen gelegen: "Der Neid der Konkurrenz gibt uns kein unangenehmes Gefühl." Mit Qualität allein kann Opel nicht an alte Erfolge anknüpfen.
Reilly sucht ein neues Image, das auch jüngere Käufer anspricht. Das ist bitter nötig, glaubt man einer Studie des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Die kam nach einer Online-Umfrage unter 18- bis 25-jährigen Deutschen zu dem Ergebnis, dass Opel für junge Autofahrer die "mit weitem Abstand langweiligste Marke" ist.
"Ich finde die Idee gut", sagt Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz und betont: "Lena verkörpert das jugendliche Element in Opel." Franz weiß aber auch: "Sie passt gut zum Corsa, für den Insignia brauchen wir jemand anderen." Skepsis bei Marketing-Professor Markus Voeth: "Mit der Verpflichtung von Lena will man an alte Zeiten anknüpfen, als man mit Steffi Graf oder Franziska van Almsick über bekannte, junge Erfolgsfrauen versucht hat, ein positives Markenimage aufzubauen. Ich bezweifele aber, dass das jetzt der richtige Weg ist."
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