Oper mit Flüchtlingen Mozart ist Heimat für alle

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Eine Oper mit Flüchtlingen? Cornelia Lanz vom Verein Zuflucht Kultur und die Schlossfestspiele Ludwigsburg zeigen, dass das geht – wenn Profisänger sowie Neulinge mit der gleichen Leidenschaft bei der Sache sind.

Intermezzo  beim Weingut in Großbottwar: Cornelia Lanz und der Chor Foto:  
Intermezzo beim Weingut in Großbottwar: Cornelia Lanz und der Chor Foto:  

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Stuttgart/Ludwigsburg - Ob Cornelia Lanz ein solches Szenario vor Augen hatte, als sie sehr früh einen wegweisenden Entschluss fasste? Opernsängerin wolle sie werden, entschied sie mit der Rigorosität einer Siebenjährigen nach einem Besuch in der Festhalle ihrer Heimatstadt Biberach. Die Klänge der Mozart-oper „Don Giovanni“ hatten das Mädchen mitten ins Herz getroffen. Ein musikalisches Erweckungserlebnis war das wohl. Ihre Eltern, beide sehr musikalisch, hatten sie mitgenommen. „Wir haben immer gesungen“, sagt die 34-Jährige. Mit der Oma. Im Kirchenchor, im Auto. Und auch sonst. Der Wunsch, singend auf der Bühne zu stehen und durch die Lande zu fahren, war in der Welt und wurde – anders als so manch anderer Kindheitstraum – auch wahr.

Heute singt Cornelia Lanz noch immer im Auto. Allerdings mit ausgebildeter Stimme. Sie ist tatsächlich Opernsängerin geworden – unter anderem. Vor zwei Jahren hat die Mezzosopranistin den Verein Zuflucht Kultur gegründet, der sich für Völkerverständigung durch Kultur einsetzt. Sein Ziel: menschliche Begegnungen mit Flüchtlingen auf Basis der Kunst zu ermöglichen. Seitdem verschwinden die Grenzen zwischen der Gesangsarbeit und dem Leben drumherum zunehmend. Aber Singen ohne eine Haltung, das wäre ohnehin nicht ihre Sache. Musik muss da sein, wo es etwas zu sagen gilt zum Zustand der Welt, das ist die Überzeugung von Cornelia Lanz.

Die Oper der verlorenen Heimat

Auch ihre Schüler hat sie während ihrer Zeit als Referendarin am Kornwestheimer Ernst-Sigle-Gymnasium reingezogen ins musikalische Leben. „Frau Lanz geht in die Oper“ hieß das dann. Und die Schüler kamen. Nicht so lange fragen, was geht, sondern einfach machen, ist die Maxime von Cornelia Lanz. Da hält sie es wie Rupert Neudeck. Als dieser den Erich-Fromm-Preis verliehen bekam, hat sie mit einem kleinen Chor von Zuflucht Kultur gesungen. Menschen für eine Sache zu begeistern, für die sie selbst brennt, ist eine der Stärken der Frau, in deren Lachen manchmal noch immer die Freude und Begeisterungsfähigkeit des Kindes durchblitzt, das sich von Don Giovanni berühren ließ.

Der Verein Zuflucht Kultur stemmt gerade in Zusammenarbeit mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen sein größtes Projekt. Der Regisseur Bernd Schmitt inszeniert zusammen mit Profisängern, dem internationalen Orchester BandArt, dem Philharmonia Chor Stuttgart und Flüchtlingen aus den Krisenherden der Welt die Oper „Idomeneo“ – Mozarts Lieblingsoper, wie Lanz sagt. Für die Macher ist sie die Oper der verlorenen Heimat und der Sehnsucht. In der Ursprungsversion spielt sie in der Zeit nach Ende des Trojanischen Kriegs, Idomeneo kehrt aus dem Krieg heim. Für seine Rettung aus einem Unwetter bietet er den Göttern den Kopf des ersten Menschen, den er trifft. Es ist sein Sohn Idamante.