Organhandel in Afrika und Asien Menschliche Ersatzteile

Von  

Der Journalist Willi Germund hat sich in der StZ dazu bekannt, die Niere eines Afrikaners gekauft zu haben. Wir beleuchten die Schwarzmärkte des Organhandels in Afrika und Asien.

Diese vier Pakistaner musste eine ihrer Nieren aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen. Foto:dpa
Diese vier Pakistaner musste eine ihrer Nieren aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen.Foto:dpa

Johannesburg/Neu-Delhi - Afrikanische Nieren, Lebern und Herzen sind leichte Beute. Der Handel mit menschlichen Organen ist eigentlich auf dem kompletten Kontinent illegal, aber er ist lukrativ und relativ einfach. Armut, Bestechung und mangelhafte Kontrollen machen es möglich. Auf der Sinai- Halbinsel werden afrikanische Flüchtlinge seit Jahren Opfer schwerer Verbrechen. Ein Beduine sagte dem Fernsehsender CNN in einem anonymen Telefonat: „Doktoren aus Kairo rufen mich an und sagen mir, wir haben hier einen Privatpatienten und brauchen dieses oder jenes Organ. Es ist wie bei Ersatzteilen für ein Auto.“ Die teuer bezahlten Mittelsmänner ziehen dann aus, um die nachgefragten Organe zu besorgen. Die Opfer sind meist Flüchtlinge aus dem Sudan, Äthiopien oder Eritrea. Häufig müssen sie für den Organraub ihr Leben lassen.

„Der Schwarzmarkt für menschliche Organe ist gewaltig, und mittellose Afrikaner sind besonders gefährdet, Opfer von schäbigen Deals zu werden“, sagt die südafrikanische Juristin Magda Slabbert: „Andererseits könnte der Verkauf eines nicht lebenswichtigen Organs auch der wirtschaftliche Rettungsanker sein.“ Die Spezialistin für Rechtsmedizin kämpft seit Jahren auf   internationalen Konferenzen für einen reglementierten Organhandel. „Doch die Regierungen haben kein Interesse“, sagt Slabbert. HIV und Tuberkulose hätten in allen afrikanischen Gesundheitsministerien Vorrang. Dass allein in Südafrika 4300 Menschen auf eine lebensrettende Organtransplantation warten und täglich weltweit Tausende sterben, weil es nicht genügend Spender gibt, interessiere nicht ausreichend.

Experten plädieren für eine Legalisierung des Organhandels

Rund 380 Millionen Afrikaner leben nach Angaben der Vereinten Nationen von weniger als einem Euro am Tag. Mehrere Tausend Euro für eine Niere, die man zum Überleben nicht unbedingt benötigt, sind dann sehr attraktiv. Wie viele Afrikaner illegal auf mehr oder weniger sichere Art Organe verkaufen, ist unklar. Statistiken gibt es nicht. Klar ist allerdings, dass weltweit Bedarf und Markt groß sind.

Erfolgreiche Transplantationen sind jedoch auch von guter Hygiene, schnellem Transport der Organe und professionellem Umgang mit den sensiblen Organen abhängig. In den meisten afrikanischen Ländern, wo Ärzte und Kliniken rar sind, ist daher eine sichere Organentnahme schwierig. Illegale Händler können Spender lediglich durch segensversprechende Geldzahlungen zu heiklen Deals locken. In Südafrika hingegen stehen die Operationen mit 560 Transplantationen im Jahr an der Tagesordnung. 1967 führ­te  ein südafrikanisches Transplantationsteam unter der Leitung von Christiaan Barnard in Kapstadt die weltweit erste Herztransplantation durch. „Wir könnten auch jetzt die Führung übernehmen, wenn wir den Organhandel legalisieren würden, dadurch mehr ,Spender‘ hätten und in der Folge mehr Transplantationen durchführen könnten“, argumentiert Jooste von Mehlen, Sprecher der südafrikanischen Organspende-Stiftung.