Orthopädietechniker Ein Beruf, der seinesgleichen sucht

Von Matthias Kapaun 

Der Mensch im Mittelpunkt und Abwechslung an erster Stelle - der Beruf des Orthopädietechnikers.

Maximilian Braun steht an seiner Werkbank und ... Foto: Matthias Kapaun 11 Bilder
Maximilian Braun steht an seiner Werkbank und ...
Foto: Matthias Kapaun

Gerlingen - "Langweilig wird es dir in diesem Beruf mit Sicherheit nicht" erzählt Maximilian Braun, Auszubildender zum Orthopädietechniker beim Vital-Zentrum Sanitätshaus Glotz. Als der 22-Jährige vor drei Jahren sein Abitur machte, wusste er noch nicht genau, wohin ihn sein beruflicher Weg führen wird. "Wichtig war mir, dass ich in meinem zukünftigen Beruf etwas mit Menschen zu tun habe", bekräftigt der Azubi. Und die soziale Komponente komme in diesem Bereich des Handwerks beileibe nicht zu kurz.

Dies bestätigt auch Peter Keller, Personalleiter bei Glotz. "Sie müssen sich vorstellen, dass der Beruf des Orthopädietechnikers in den vergangenen Jahrzehnten eine wichtige Wandlung durchlaufen hat", erklärt Keller die Geschichte des Berufs. Damals sei diese Arbeit noch mit körperlicher Anstrengung verbunden gewesen, doch durch die industrielle Weiterentwicklung in dieser Branche müssten heutzutage beispielsweise keine schweren Holzprothesen mehr gefertigt werden.

Vom Holzfuß zum bionischen Fuß

"Wir haben unsere Zulieferer, die uns mit den entsprechenden Einzelteilen, wie zum Beispiel Gelenken oder Schäften versorgen", sagt Jochen Weigel, Geschäftsleiter für die Fachbereiche Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik, "dabei handelt es sich nicht mehr um 'einfache' oder klobige Prothesen, sondern eher um High-Tech-Produkte, die auch schon mal mehr als 50.000 Euro kosten."

"Vom Holzfuß zum bionischen Fuß", ergänzt Weigel. "Diese Veränderung vom groben zum filigranen Handwerk leitete die Entwicklung vom reinen Handwerksberuf zum Dienstleistungberuf ein, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht."

Duale Ausbildung vereint Theorie mit Praxis

In Deutschland bereite die duale Ausbildung - zumeist mit Blockunterricht - dabei die Grundlage für eine Kompetenz, die Theoriewissen mit Praxiserfahrung vereint. "In Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den USA erhalten Sie lediglich die theoretische Ausbildung in Form eines Studiums," erwähnt Weigel, "für die handwerklichen Aufgaben sind in diesen Ländern zumeist Hilfskräfte verantwortlich."

So sei es selbstverständlich, dass der Orthopädietechniker hierzulande eine umfassende handwerkliche und theoretische Ausbildung erhält. In Stuttgart findet der Blockunterricht in der Kerschensteinerschule statt. Die Regelausbildungszeit beträgt 3,5 Jahre.   

Frauen auf dem Vormarsch

Die Mischung aus steigender sozialer Komponente und filigranem Handwerksberuf habe zur Folge gehabt, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr weibliche Bewerber für den Beruf interessierten.

"Von den handwerklichlichen Fähigkeiten her stehen die Frauen den Männern in diesem Bereich in nichts nach", sagt Orthopädietechnik-Meister Thorben Schenk, der in einem Auswahlverfahren die Spreu vom Weizen der zukünftigen Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechniker trennt. Bei diesem Verfahren wird unter anderem die handwerkliche Geschicklichkeit und Kreativität der Bewerber geprüft.

"Aus den 20 bis 30 Bewerbungen, die bei uns pro Jahr eingehen, müssen wir uns für drei Auszubildende entscheiden. Im Grunde genommen versuchen wir, eine homogene Mischung beider Geschlechter zu erreichen", sagt der 37-Jährige.

Von Orthesen und Prothesen

Zurück zu Maximilian Braun. Der 22-Jährige absolvierte nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr, "nicht hinter dem Steuer, sondern bei der Betreuung von Behinderten in einer Werkstatt", berichtet Braun. "Ein Informationsgespräch bei der Agentur für Arbeit gab dann schließlich den Ausschlag für meine Wahl." Und die Wahl fiel auf die Ausbildung zum Orthopädietechniker.

Ob der Münchinger, der sich momentan im dritten Lehrjahr befindet, seinen Schritt bisher bereut hat? "Mit Sicherheit nicht", betont Braun, "obwohl ich zugeben muss, dass ich in meiner Jugend nicht gerade durch handwerkliche Höchstleistungen geglänzt habe, konnte ich mich im ersten Lehrjahr schnell in der Materie zurechtfinden". Während seiner Ausbildung habe sich dann herauskristallisiert, dass er seinen Platz innerhalb der Orthopädietechnik eher in der Orthetik als in der Prothetik sieht.

Diese beiden Felder unterscheiden sich dadurch, dass in der Orthetik vorhandene Gliedmaßen unterstützt werden, um sie zu stabilisieren, zu führen oder zu beeinflussen. Dies geschieht beispielsweise mit Schienen, Bandagen oder speziellem Schuhwerk. In der Prothetik dreht sich alles um den bestmöglichen Ersatz von Gliedmaßen mit Prothesen, wie beispielsweise künstlichen Knie- oder Ellbogengelenken.

"Was die beiden Felder vereint", erklärt Braun, "ist die Tatsache, dass wir als Orthopädietechniker am Ende des Tages ein Produkt für den Menschen geschaffen haben." Für ihn bedeute das eine Befriedigung, die es in vielen anderen Berufen nicht gibt. 

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