Oskar Beck-Kolumne Happy Birthday, Mr. President

Von Oskar Beck 

Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder wird 80. Der VfB überlegt sich noch, wie er das feiern will. Sicher ist nur: Marylin Monroe singt nicht.

Oskar Beck gratuliert in seiner Kolumne Gerhard Mayer-Vorfelder. Foto: Horst Rudel
Oskar Beck gratuliert in seiner Kolumne Gerhard Mayer-Vorfelder.Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Wir Schwaben sind unerträgliche Bruddler, aber nur aus Notwehr, denn leider halten andere Volksstämme nicht immer Schritt mit unserer herzensguten Art – beispielsweise sind wir in puncto Höflichkeit einfach pingeliger als, sagen wir mal, Berliner. Dazu passt die Geschichte vom rechtschaffenen Bauern von der Alb, der dem Taxifahrer am Alexanderplatz ein dickes Trinkgeld gibt – und der Schnösel steckt es wortlos ein.

„Said mor bei euch net Danke?“, fragt der Schwob.

„Det is untaschiedlich“, erklärt ihm darauf der Berliner, „manche saren et, manche saren et nich.“

Und schon sind wir mitten im heiklen Thema. Denn tagelang ist zuletzt gemunkelt worden, der VfB-Präsident Gerd Mäuser, ein gebürtiger Berliner, sei in Sachen Dankbarkeit gegenüber einem seiner Ehrenpräsidenten zu zaghaft. Gemeint ist Gerhard Mayer-Vorfelder. Der gilt vielen zwar als Badenser, was er aber glatt ablehnt („Man sagt ja auch nicht Heilbronser“) – jedenfalls ist er fußballerisch betrachtet ein Schwabe und so mit VfB-Verdiensten behängt, dass ihm zum 80. bei Lichte betrachtet ein rauschendes Fest zusteht.

Keine Geburtstagssause für MV geplant?

Der runde Geburtstag ist am 3. März, und der Deutsche Fußball-Bund, dessen Präsident der Jubilar gleichfalls war, lässt sich nicht lumpen – rechtzeitig wurde da ein angemessener Empfang anberaumt.

Aber was macht der VfB?

Der ARD-Filmemacher Michael Dittrich, der zurzeit für den Südwestrundfunk ein halbstündiges Mayer-Vorfelder-Porträt („Ein Baden-Württemberger“) dreht, wollte das früh wissen. Ende November fragte er den VfB mittels Mail: „Welche Feierlichkeiten plant ihr zu seinem 80. Geburtstag?“ Er erhielt keine Antwort. Im Januar hakte er telefonisch nach und bekam von der VfB-Medienabteilung die Auskunft, „über die VfB-Publikationen hinaus sei nichts geplant“. Im Stadionblatt, im VfB-TV, im Internet und in weiter gehenden Hausmitteilungen sollte der Jubilar gewürdigt werden, relativ überschaubar also – „das ist“, pfiffen bestätigend auch noch die hellhörigen Spatzen vom Cannstatter Clubdach, „beschlossene Sache“.

Konnte das sein? Der große MV, so unrund abgefeiert, ohne den Klang wohlwollender Worte und klirrender Gläser, ein Vereinsheld wie er? Als luftleeres Nichts hat er den VfB 75 übernommen, wieder in den Aufstieg dirigiert sowie zu zwei Meistertiteln (1984 und 1992), einem Pokalsieg (1997) und zwei Endspielteilnahmen im Europacup (1989 und 1998). „Für diese Zeit“, sagt MV über sein vorzeigbares VfB-Vierteljahrhundert, „muss ich mich nicht schämen.“

Fallen runde Geburtstagsfeiern der Sparsamkeit zum Opfer?

So lang und so sehenswert hat den VfB jedenfalls nur noch Dr. Fritz Walter regiert, für den Sportsfreund B. eine Schwäche hat, denn vor seinen zwei Meisterschaften und Pokalsiegen in den 50ern war er bereits herausragend als Klassenlehrer von Vater B. – mit seinem Autogramm krönte der Studienrat Dr. Walter im Zeugnisheft von 1938 der Gottlieb-Daimler-Schule in Cannstatt die alles entscheidende Stelle („Wird versetzt“) und kam zum Gesamturteil: „Oskar ist in den Leibesübungen befriedigend. Seine Leistungen in den übrigen Fächern sind . . . (an dieser Stelle macht der Kolumnist von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch). Seine Gewissenhaftigkeit ist zu loben.“

Umso mehr wurde nun zuletzt die lobenswerte Gewissenhaftigkeit des VfB-Präsidenten Mäuser bei der Behandlung des Achtzigsten von MV hinterfragt, und man war schon fast versucht, oberlehrerhaft den Zeigefinger zu zücken: Setzen, sechs. Der unverhohlene Vorwurf des mangelnden Bemühens stand im Raum, flankiert von Schimpfworten wie kleinkariert und der Frage: Warum? Drohen inzwischen schon runde Geburtstagsfeiern der Sparsamkeit zum Opfer zu fallen? Andere Mutmaßungen gingen in Richtung eines Interviews, in dem Mayer-Vorfelder einmal über Mäuser meinte: „Als Fußball-Fachmann hat er sich meines Wissens bisher nicht profiliert.“

Der VfB will seinen Ehrenpräsidenten angemessen würdigen

Zur Klärung der Dinge haben wir nun beim VfB angerufen, und Mediendirektor Marcus Jung hat noch einmal nachdrücklich untermauert, dass „die Publikationen des Vereins voll genutzt werden“. Von der Planung einer Feier darüber hinaus war ihm nichts bekannt, „da kann ich aktuell nichts sagen, das entzieht sich meiner Kenntnis“. Umso erlösender war nach seiner Rücksprache mit dem Präsidenten dann aber die Nachricht, die plötzlich kam: „Neben den bereits beschriebenen Maßnahmen auf allen vereinseigenen Clubmedien wird der VfB Stuttgart auch darüber hinaus seinen Ehrenpräsidenten angemessen würdigen. Wir bitten allerdings um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Details bekanntgeben wollen.“

Das klingt geheimnisvoll, ja verträgt kaum das Schnaufen, und der eine oder andere fühlt sich sogar schon erinnert an die Geburtstagsfeier von John F. Kennedy anno 1962 im Madison Square Garden in New York, als Marilyn Monroe plötzlich als Überraschungsgast in einem hautfarbenen Kleid „Happy Birthday, Mr. President“ sang. Aber so weit muss es bei MV gar nicht gehen: Hauptsache, es ist jetzt der voreilige Verdacht aus der Welt geschafft, dass die Berliner nicht anständig Danke sagen.

Manche saren et.

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7 KommentareKommentar schreiben

Ist nicht das erste Mal unter diesem Präsidenten..: ..ich erinnere hier nur an Vereinslegende Willi Entenmann, der letztes Jahr nach einem Skiunfall verstorben ist.. Während der FC Nürnberg und alle weiteren Vereine, bei denen er kurze Stationen hatte, ihn auf der Website etc. angemessen gewürdigt haben, auf Kicker + Co. und auch in StZ und StN Artikel kamen - erst dann sah sich der VfB genötigt, Willi Entenmann, welchem der Verein unheimlich viel zu verdanken hat, auch zu würdigen. Schon damals habe ich mich wahnsinnig für meinen Verein geschämt. Zum Thema MV ist nur zu sagen: Von fast jedem höre ich, wenn man mal auf den MV angesprochen wird, das einem aktuell sogar der viel lieber wäre und ich muss ihnen recht geben. Das wäre eine echte Erlösung und der Herr Hundt hätte einen ebenso großkopferten Gegenpart und würde sich nicht mehr so leicht tun. Klar wäre den meisten ein Herr Roleder als Präsident noch lieber gewesen als MV oder Mäuser, aber das hat man bei dieser denkwürdigen Mitgliederversammlung ja selbst verbockt indem man um 23 Uhr unbedingt hat heim wollen, statt noch fertig abzustimmen.

Einmal mehr fragt man sich...: ...was macht Gerd E. Mäuser eigentlich den ganzen Tag lang. Nicht einmal einen anständingen Empfang für den Ehrenpäsidenten bekommt der ohne Anstoß von außen gebacken. Das soll jetzt gar keine Wertung sein, ob MV durch Verdienste für den VfB einen solchen verdient hat, allein durch die Tatsache, dass er Ehrenpräsident des Vereins ist, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein. Passt vollkommen in mein Bild von Mäuser als schlechtesten Präsidenten, den der VfB je hatte. Vielen Dank, Herr Hundt, für dieses Ei, das sie uns da ins Nest gelegt haben!

MV: MV würde handeln. Er hätte bestimmt den Vertrag mit dem Trainer nicht verlängert. Nach solchen Interviews hätte er auch Bobic/mit Trainer vor die Tür gesetzt.

Was ist das für ein Foto ?: MV am Tresen, ja , so kennen wir ihn . Aber weit und breit nix zum Trinken. Das ist neu. ODer hat man die Gläser für Foto weggeräumt ? Oder das Bild retuschiert ?

Ära Mäuser?: Ja, über den MV wurde viel geschimpft, als er den VfB mit einem riesigen Schuldenberg an der Backe zurückgelassen hat. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die, dass unter seiner Ägide die im Artikel erwähnten Erfolge gefeiert und dass Spieler wie Klinsmann, Walter, Gaudino, Immel, Sigurvinsson, Dunga, Balakov oder Elber an den Neckar geholt wurden, um nur einige zu nennen. Der VfB galt als Vertreter eines gepflegten Offensivspiels und hat in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Spielerkader eigentlich viel zu wenig Titel gewonnen (allein gegen Bayern waren wir spielerisch in den 80ern und 90ern fast immer besser, aber haben eben viel zu selten gepunktet). Was man wohl in 10 bis 15 Jahren über die Ära Mäuser - Gott bewahre! - sagen wird? Und das Grausame für alle VfB Fans ist: Diese Ära steht erst noch am Anfang! Aaaahhhh!

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