Oskar-Beck-Kolumne Statt Abseitsfalle übt der VfB die Radarfalle
Oskar Beck, 27.01.2012 12:07 Uhr
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Der Schweizer Lucien Favre kennt nur ein Prinzip: Fußball ist reine Temposache. Foto: dpa
Der Schweizer Lucien Favre kennt nur ein Prinzip: Fußball ist reine Temposache. Foto: dpa
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Stuttgart - Der überfallartige Konterfußball der Gladbacher Borussen letzte Woche gegen den FC Bayern bleibt nicht unbestraft: Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen Marco Reus und Patrick Herrmann wegen Blitzkickerei und gegen Juan Arrango wegen Komplizenschaft - sie sollen bei ihrem Konter zum 3:0 in der Tempo-30-Zone der Bayernabwehr mehrfach geblitzt worden sein.

Unter schwerem Verdacht steht vor allem der Doppeltorschütze Herrmann: Demnach hat er vor seinen beiden Treffern auf den letzten Metern sogar mit einer höheren Schubkraft beschleunigt als Armin Hary anno 1960 in Zürich, wo er als erster Mensch die 100 Meter in 10,0 lief. Verglichen mit Herrmann und Reus, die gegen die Bayern handgestoppt mit unfassbaren 47 Kilometern pro Stunde gemessen wurden, schlenderte Hary, der "Weiße Blitz", damals mit Tempo 36 noch geradezu betulich zum Sieg.

"Diese Raserei ist gewissenloser Wahnsinn, so geht der Fußball kaputt", soll ein blutunterlaufener Uli Hoeneß gepoltert haben, und selbst wenn dieses üble Gerücht so erstunken und frei erfunden ist wie der Schlachtplan von VfB-Trainer Bruno Labbadia vor dem Besuch der Borussen am Sonntag ("Wir trainieren statt der Abseitsfalle die Radarfalle"), zeigt es doch eines: die Nerven liegen blank.

Zack-zack-Fußball unter einem Schweizer

Erfüllen Gladbachs fulminante Konter den Tatbestand der Wettbewerbsverzerrung? "Die kommen ja in Null Komma nix zum Abschluss", hat der Altbayer Mehmet Scholl als ARD-Experte letzte Woche gestöhnt - und auch sein Moderator Beckmann so gut wie zugegeben, dass er diesem Fußball mit dem bloßen Auge nicht mehr folgen kann.

Schuld ist Lucien Favre. Wenn der Schweizer so weitertrainiert, wird er in Gladbach bald in einem Atemzug genannt mit Hennes Weisweiler, dessen MG-Fußball in den 70ern nur ein Motto kannte: "dalli-dalli". Unter 7:1 (gegen Inter), 11:0 (gegen Schalke) oder 12:0 (gegen Dortmund) haben es die Gladbacher nur ungern gemacht, allerdings rannten sie gelegentlich auch ins Messer. Da beugt Favre jetzt vor. Als Taktikfuchs macht er hinten dicht, und es funktioniert, denn diszipliniert geht jeder Borusse so weite Wege, dass ein Reporter nach dem Abpfiff einmal Mike Hanke fragte: "Ist das Ihre Zunge, die Ihnen aus dem Hals raushängt, oder eine Krawatte?"

Ja, und beim Kontern geht voll die Post ab. Wo sich Weisweiler mitunter noch ärgern musste ("Abseits is, wenn dat lange Arschloch zu spät abspielt") wird unter Favre jetzt zack, zack abgespielt. Ausgerechnet ein Schweizer. Wo doch zu unseren derbsten Scherzen der gehört: Ein langsamer Schweizer und ein schneller Schweizer rennen nach dem Ball, wer erobert ihn? Antwort: der langsame Schweizer - einen schnellen gibt es nicht.

Kommentare (4)
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JAN
29
Rainer, 21:33 Uhr

Kolumne

Nun ja, offensichtlich war beim Radargerät der Netzstecker raus, und 11 Mann suchten die Steckdose statt sich um Fussball zu kümmern...

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JAN
27
mauldaeschle, 20:53 Uhr

schade..

irgendwie hoff ich täglich auf die schlagzeile "progrebniak verlässt stuttgart!!"

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JAN
27
me4663, 14:19 Uhr

Sehr witzig

Eine wirklich witzige und treffende Kolumne von Herrn Beck. Nur leider wird beim VfB niemand drüber lachen können, da Trainer und Spieler noch nie was von Tempo-Fußball gehört haben. Die orientieren sich lieber am Arbeitstempo einer Bahnschranke. Frei nach dem Motto: Nur keine Hektik!

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