Owen im Kreis Esslingen Peitschen- und Fesselurlaub unter der Teck

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Strafbock, ein kleiner Käfig und ein Hängepranger: Ein speziell für die Bedürfnisse von Sado-Maso-Liebhabern eingerichtetes Feriendomizil bringt die kleine Stadt Owen im Kreis Esslingen ins Gespräch.

Ob sich auch ein Teppichklopfer im Inventar der SM-Ferienwohnungen befindet, lässt sich aus der Objektbeschreibung nicht erkennen. Foto: Brakemeier/Archiv
Ob sich auch ein Teppichklopfer im Inventar der SM-Ferienwohnungen befindet, lässt sich aus der Objektbeschreibung nicht erkennen.Foto: Brakemeier/Archiv

Owen - Die beiden Ferienwohnungen in dem kleinen Backsteinhaus in Owen sind geschmackvoll eingerichtet. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Bilder, die im Internet für das Urlaubsdomizil werben. Einen Kühlschrank gibt es, einen Herd ebenfalls, und auch eine Sitzecke mit Couch und Fernseher. Erwähnt sind allerdings auch Einrichtungsgegenstände wie ein Strafbock, ein kleiner Käfig „für liegende oder gebückte Haltung“ oder ein Hängepranger. Accessoires also, die Sado-Maso-Freunde und Fetisch-Anhänger in Wallung bringen. Und genau dieses Klientel kann in der sogenannten SM-Ferienwohnung am Fuße der Teck so richtig ausspannen, beziehungsweise sich in diverse Gerätschaften einspannen lassen.

Keine negativen Auswirkungen auf die Nachbarschaft

Die „Bild“-Zeitung, die Wind von dem Angebot bekommen hatte, titelte in ihrer ureigensten Art: „Sado-Hotel quält ganzes Dorf“. Eine Darstellung, der Verena Grötzinger, die Bürgermeisterin der 3500-Einwohner-Stadt, entschieden widerspricht. Bisher habe sich noch kein Owener über das Etablissement beschwert. Was sie auch nicht wundere, denn es gehe ihrer Erkenntnis nach keine Belästigung von den Gästen der beiden Wohnungen aus. Natürlich habe man sich gewundert, als am Anfang des Jahres die einschlägigen Utensilien in das renovierte und umgebaute Häuschen geräumt wurden. „Da wurde schon ein bissle g’schwätzt“, erinnert sie sich. Doch von der Nutzung habe die Gemeinde nichts gewusst, und sie hätte laut Verena Grötzinger auch nichts dagegen unternehmen können. Schließlich sei die Vermietung von Wohnraum, „egal mit welchen Einrichtungs- und Ausstattungselementen“, nicht genehmigungspflichtig. Es handle sich nicht um ein Hotel, sondern lediglich um Ferienwohnungen, „in denen keine Dienstleistungen und kein Gewerbe angeboten werden“. Eine negative Auswirkung auf die Nachbarschaft könne nicht festgestellt werden, wenngleich sie natürlich verstehe, dass mancher Bürger „befremdet“ sei und sich frage, „ob das in Owen sein muss“. Doch erst wenn jemand mit seinem Verhalten anderen schade oder diese gefährde, müsse man prüfen, welche Handlungsmöglichkeiten wir haben“, erklärt die Rathauschefin Verena Grötzinger.

Weder Partnervermittlung noch Dominastudio

Doch der Vermieter versucht offenbar, mit seinen ganz speziellen Ferienwohnungen kein Aufsehen zu erregen und niemanden zu verärgern. Er legt großen Wert auf Diskretion. Auf der Internetseite werden die Gäste beispielsweise ausdrücklich gebeten „keine Spiele ums Haus“ zu veranstalten und die Fenster geschlossen zu halten, „wenn es doch mal etwas lauter zugehen sollte“. Und wer nicht „ganze Tage nur mit Spielen verbringen“ wolle, dem werden Ausflüge und Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung von Owen empfohlen. Außerdem weist er darauf hin, dass jede Anfrage zur Vermittlung von „Spielpartnern oder Begleiterinnen“ zwecklos sei. „Wir sind weder eine Partnervermittlung noch ein Dominastudio oder Bordell“, wird im Internet auf der Seite „Fragen und Antworten“ betont.

Eine Gefahr „für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“, kann die Owener Bürgermeisterin Verena Grötzinger nicht erkennen. Deshalb ist sie über die ihrer Ansicht nach aufbauschende und falsche Berichterstattung in der Boulevardzeitung alles andere als glücklich. Das schade der Stadt Owen und werde deren Ruf nicht gerecht. Um nicht noch mehr Staub aufzuwirbeln, habe sie aus diesem Grund abgelehnt, dem Fernsehsender RTL ein Interview zu dem Thema zu geben.

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3 KommentareKommentar schreiben

Würde in Hamburg mehr Sinn machen: Eigentlich keine schlechte Idee. Aber macht in Großstädten wahrscheinlich mehr Sinn.

Schon merkwürdig: Es ist schon merkwürdig, wie dem »braven« Bürger beim Thema BDSM, die Phantasie mit realitätsfernen Klischees so richtig durchgeht. Dabei sind BDSMler in der Regel ganz gewöhnliche Menschen aus allen Berufs- und Gesellschaftsgruppen, deren Sexualität lediglich phantasievoller und kreativer ist als des Mainstreams. Die, durch zahlreiche Studien belegt, im Alltag vor allem dadurch auffallen, daß sie auffällig unauffällig sind. Wenn sich ihnen überhaupt etwas nachsagen läßt, dann, daß sie im allgemeinen mit ihrem Leben glücklicher und zufriedener sind als viele andere, die sich gerne als »normal« bezeichnen. Andererseits ist die Frage erlaubt, ob diejenigen, die sich darüber echauffieren und Dinge zu einem Skandälchen aufbauschen wo es gar keinen gibt, nur neidisch sind, weil sie sich nicht trauen, sich selbst zu verwirklichen, oder anderen nicht gönnen, was sie selbst nicht haben können. Gewollt hätten wir schon, aber dürfen haben wir uns nicht getraut, kommt mir hier in den Sinn. Im übrigen wird der Gebrauch des Begriffs »Sado-Maso« von BDSMler als abwertend empfunden. Er ist eine Erfindung der Boulevard-Presse und wird dort stets in Verbindung mit »moralischer« Entrüstung und/oder teils absurden, diskriminierenden Kombinationen gebraucht. Korrekter sind die Abkürzungen »SM« (Sadomasochismus) oder »BDSM«, das in den 1990er Jahren in der US-Amerikansichen Szene geprägt wurde, und das ganze Spektrum benennt. (Bondage/Domination/Submission/Sadomasochismen).

Köstlich...: ...vor allem, wenn man weiß, daß der Ortsname 'Auen' ausgesprochen wird. Aua, aua!

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