InterviewPaarserie „Beziehungsweise (8): Die Bauern Alois und Luzia Fleischer „Sie warein braves Mädle“

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Warum passen zwei Menschen zusammen? In einer Serie sprechen besondere Paare über ihr Leben. Heute: die Bauersleute Alois und Luzia Fleischer sind seit mehr als 60 Jahren verheiratet.

Luzia Fleischer, Jahrgang 1929, wuchs als Bauerntochter mit zwei Brüdern und zwei Schwestern in Oberschwarzach bei Bad Wurzach auf. Alois Fleischer, Jahrgang 1928, kam als junger Mann nach  Oberschwaben, um den Hof seiner Tante zu  übernehmen.   


Foto:Gottfried Stoppel Foto:  
Luzia Fleischer, Jahrgang 1929, wuchs als Bauerntochter mit zwei Brüdern und zwei Schwestern in Oberschwarzach bei Bad Wurzach auf. Alois Fleischer, Jahrgang 1928, kam als junger Mann nach Oberschwaben, um den Hof seiner Tante zu übernehmen. Foto:Gottfried Stoppel

Füramoos - Ein großer, stillgelegter Bauernhof auf gutem Ackerland. Alter Steinboden in der Diele, weiche Kissen auf der Eckbank. Den Wurzelholztisch im Herrgottswinkel hat Alois Fleischer, 88, selber geschreinert. Die Madonnenfigur und der Christus sind noch aus dem Elternhaus von Luzia, 87, seiner Frau. Jeden Abend zünden sie hier ein paar Gebetskerzen an. Beide sprechen ein knorrig-gemütvolles, breites Oberschwäbisch. Es ins Schriftdeutsche zu pressen, ist eigentlich eine Sünde.

Grüß Gott Herr Fleischer, Frau Fleischer. In Ihrer Wohnstube hängt die Urkunde zur diamantenen Hochzeit. Seit mehr als 60 Jahren sind Sie jetzt ein Paar.
Alois Fleischer Aber wir haben schon zehn Jahre vor der Hochzeit poussiert. Ich weiß noch, es war Schützenfest in Biberach. Weil es so arg geregnet hat, habe ich einen Schirm ­gekauft. Da ist sie nah hergekommen zu mir.
Luzia Fleischer Ich bin öfters mit meinem Opa nach Füramoos runter, und da haben wir uns eben manchmal gesehen. Was Festes war das aber nicht. Er war nicht der Einzige, ich hab auch noch einen anderen gekannt im Ort.
Alois Fleischer Ich bin ein Reigschmeckter aus Günzburg an der Donau. Mit 18 wurde ich von meiner kinderlosen Tante auf den Hof in Füramoos adoptiert. Eigentlich war mein Bruder dafür vorgesehen. Doch der wurde als Kriegsgefangener beim Minen­suchen in die Luft gesprengt. So eine Adoption war ganz normal damals: Meine verwitwete Tante brauchte einen Bauern zum Schaffen, meine Eltern hatten ein Maul weniger zu stopfen, und ich konnte später den Hof übernehmen. Meine Tante war a bissle eine Beißzang. Doch ich ließ mir nichts bieten. Gefürchtet hab ich gar ­niemanden, nicht mal den Teufel.
Hatten Sie Erfahrung als Bauer?
Alois F. Schon in der sechsten Klasse hab ich mitgeschafft auf einem Hof mit 34 Tagwerk. Ich war ein gutes Knechtle, mir war nie eine Arbeit zu viel: jeden Morgen Kühe melken und Ochsen putzen, danach in die Schule. Mit 15 hab ich dann eine Schreinerlehre angefangen.
Luzia F. Ich musste auch früh mitschaffen in der Hauswirtschaft. Mit 16 bin ich nach ­Wurzach ins Rössle. Da lernte ich noch was ­dazu beim Kochen. Nach einem Jahr ging ich zurück auf unseren Hof in Oberschwarzach.
Wie wurde es dann etwas Ernstes mit Alois?
Luzia F. Er ist immer zu Besuch gekommen, so haben wir uns besser kennengelernt.
Alois F. Wenn’s mir grad reingepasst hat, bin ich zu ihr geradelt. Einmal ist mir ein Dachs ins Vorderrad gesprungen, und mich hat es hochkant in den Graben geschmissen. Die nächsten acht Tage bin ich dann nicht mehr rauf.
Luzia F. Am Rosenmontag, das weiß ich noch, ist er mal mit einem Fasnetswagen gekommen.
Alois F. Ich hab gewusst: Bei ihr gibt es immer ein Brot und auch was für den Durst. Das ­Vesper war einwandfrei, nur den Most hat sie mir an dem Tag mit Wasser verdünnt.
Luzia F. Er hatte schon genug.