Packmitteltechnologen Verpackung wirbt und schützt

Von Peter Ilg 

Sie ent­wickeln Muster, stellen Werkzeuge und Verpackungen her. Für diesen Ausbildungsberuf gibt es fünfmal mehr Stellen als Bewerber.

Die Packmitteltechnologin Ricarda Baumhauer an einer Stanzmaschine. Foto: Edelmann
Die Packmitteltechnologin Ricarda Baumhauer an einer Stanzmaschine.Foto: Edelmann

Die Verpackung bestimmt, was im Einkaufskorb landet. Und sie schützt vor Beschädigung. Manche muss wieder verschließbar, andere sicher sein. Laut Gesetz dürfen keine Bestandteile der Verpackung auf das Lebensmittel übergehen. Fast alles ist deshalb mehr oder weniger intensiv verpackt. In Glas, zum Beispiel Parfüm; in Kunststoff etwa Shampoo; oder in Karton, in dem die Zahnpastatube steckt. Ricarda Baumhauer stellt solche Schachteln her. Die 20-Jährige ist gelernte Packmitteltechnologin. Packmitteltechnologen gestalten und fertigen Packmittel, die praktisch, ästhetisch und werbend zugleich sind. Den dreijährigen Ausbildungsberuf gibt es seit 2011, er ist die Weiterentwicklung des Verpackungsmittelmechanikers.

In der neuen Ausbildungsverordnung wurde der Metallanteil reduziert, die gewonnene Zeit wird für Wahlqualifikationen genutzt, beispielsweise um die Auszubildenden auf Spezialmaschinen zu schulen. Neu in der Ausbildung sind Managementsysteme und betriebliche Qualifikation. Im einen Fall wird Wissen zu Qualität und Hygiene, im anderen Sozialkompetenz vermittelt. Schwerpunkte der Ausbildung bleiben das Rüsten von Fertigungsanlagen sowie die Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen. Ricarda Baumhauer interessiert Technik. Deshalb hat sie diesen Beruf erlernt. Sie stammt aus Giengen an der Brenz, war dort auf der Hauptschule und hat nicht weit entfernt bei der Firma Edelmann in Heidenheim ihre Ausbildung im September 2014 abgeschlossen.

Jährlich bildet Edelmann etwa fünf Packmitteltechnologen aus

'Das Schwierigste an der Lehrstellensuche war, dass ich von der Hauptschule kam und als Frau einen technischen Beruf lernen wollte.' Auf das Vorstellungsgespräch hat sie sich intensiv vorbereitet: sie informierte sich über die Firma und den Beruf. Edelmann entwickelt und produziert Faltschachteln, Packungsbeilagen, zum Beispiel Produktbeschreibungen und System­lösungen. Das können Haarfärbemittel sein, die verpackt werden und wo auf der Beschreibung ein Kunststoffhandschuh aufgeklebt ist. Jährlich bildet Edelmann etwa fünf Packmitteltechnologen aus. 'Die Facharbeiter setzen wir in der Packungsentwicklung, im Werkzeugbau oder als verantwortliche Maschinenführer einer Veredelungs-, Stanz- oder Klebemaschine ein', sagt Ausbildungsleiter Andreas Riebenstahl. Ricarda Baumhauer bestimmt an einem CAD-Programm Größe und Form von Faltschachteln, sie stellt ihre Werkzeuge her, richtet gleich mehrere Maschinen ein, die stanzen, kleben, prägen, beispielsweise für die Produktion von Zahnpastaschachteln.

Von der Druckerei bekommt sie bedruckte Kartonbögen. Daraus stanzt sie an einer Maschine Faltschachtelzuschnitte aus. Die Stanzform hat sie selbst gebaut: Messer gebogen und in das Stanzwerkzeug aus Holz geklopft. 'Krümmungen und Biegungen sind notwendig für die Konturen der Schachteln.' Die ausgestanzten Formen legt sie in andere Maschinen. Dort werden sie ebenfalls maschinell gefaltet, dann geklebt. Zahnpastaschachteln sind dann fertig. Höherwertige Parfümschachteln werden in einem Zwischenschritt an den Kanten mit Goldfolie geprägt. 'In meinem Job kommt es auf Genauigkeit an. Ich brauche räumliches Vorstellungsvermögen und muss die Bögen so einteilen können, dass sie optimal bedruckt werden', erzählt Baumhauer.

Das setzt technisches Zeichnen und Mathematik voraus. Baumhauer war vom ersten Tag an in der Produktion eingesetzt und hat in unterschiedlichen Abteilungen von Fachkräften ihr Handwerk erlernt. Zur Berufsschule ging sie in Stuttgart im Blockunterricht von jeweils drei Wochen am Stück. Jährlich lernen 110 bis 120 junge Leute diesen Beruf. Es sind überwiegend Männer. Und es gibt fünfmal mehr Ausbildungsstellen als Bewerber, teilt die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Ausbildungsvergütung bei Edelmann liegt im ersten Jahr bei 825 Euro und steigt bis auf 970 Euro im dritten Lehrjahr an. In anderen Tarifbezirken kann die Ausbildungsvergütung leicht variieren.

Das Einstiegsgehalt als Facharbeiter beträgt 2500 Euro. Edelmann übernimmt alle seine Auszubildenden, 'sofern keine persönlichen oder betrieblichen Gründe dagegensprechen', sagt Riebenstahl. Richarda Baumhauer arbeitet im Zweischichtbetrieb, entweder von 6 bis 14 Uhr oder von 14 bis 22 Uhr. 'Ich mache mir zwar schon Gedanken über eine Weiterbildung, aber jetzt will ich erst mal als Fachkraft Fuß fassen.' Die Ausbildung zur Industriemeisterin der Fachrichtung Papier- und Kunststoff­verarbeitung dauert rund ein Jahr, die zur Technikerin zwei Jahre.