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Paracelsus-Gymnasium Das Federvieh ist in Freiheit

Julia Barnerßoi, 25.12.2012 08:12 Uhr

Stuttgart-Plieningen - Ein wenig vermisst sie ihre neun Schulabgänger. Jeden Morgen haben sie artig vor der Tür des Paracelsus-Gymnasiums (PGH) gewartet, wenn Gabriele Schaller als Erste die Schule aufschloss. Sogar die ganzen Sommerferien über waren sie da und haben sich gefreut, wenn die Sekretärin ihr Spezialfutter brachte. Seit dem Herbst sind die neun Enten, die den Innenhof der Schule zu ihrem Entenhausen gekürt hatten, aber nicht mehr da.

„Der Kleintierzüchterverein hat sie abgeholt“, erzählt Schaller und klingt wie eine Mutter, die etwas traurig ist, obwohl sie weiß, dass es besser ist für die Kleinen. „Aber ich habe sie nur unter der Bedingung rausgegeben, dass sie nicht gegessen werden.“ Sie sei froh gewesen, dass jemand die Initiative ergriffen hat. Im Innenhof hätten die Entenmama und ihre neun Halbstarken nicht bleiben können. Der wenige Quadratmeter große Platz war völlig verdreckt, das rund zwei auf zwei Meter große Teichbecken „war eine einzige Kloake“, sagt Schaller. Zudem hätten die Enten alles gefressen, was sie in den Schnabel bekamen, „sogar die schönen Seerosen“. Das Gartenamt muss nun den Innenhof wieder hübsch machen und das Wasser erneuern.

Die Entenfamilie war im Schulhof gefangen

Wie berichtet, hatte im Frühjahr zum zweiten Mal ein Entenpaar den klitzekleinen Tümpel in dem innen liegenden Schulhof als Brutstätte erkoren. Waren die Küken im vergangenen Jahr noch den Rabenkrähen zum Opfer gefallen, haben es diesmal alle Entenbabys geschafft. Das stellte Schaller und ihre Kollegen vor Probleme. Der Nachwuchs konnte nicht fliegen, die Entenfamilie war im Schulhof gefangen. Hausmeister, Sekretärinnen, Lehrer und Schulleiter wechselten sich mit dem Füttern ab – auch in den Ferien. Die Enten fühlten sich pudelwohl. „Sogar die Arbeiter, die in den Ferien anrückten und lärmten, haben sie nicht gestört“, sagt Schaller.

Nach einem Aufruf in unserer Zeitung, wer eine Idee hätte, was man mit dem Federvieh tun kann, sind die Telefone im Sekretariat von Gabriele Schaller nicht mehr still gestanden, erzählt sie. „Jeder hatte einen Ratschlag.“ Sogar Biologiestudenten der Universität Hohenheim hätten sich gemeldet und Tipps gegeben. Handfeste Unterstützung konnte schließlich der Plieninger Kleintierzüchterverein bieten. Er hat die Enten im Herbst abgeholt. „Ein Mitglied von uns hat sie noch einige Wochen groß gezogen, bis sie fliegen konnten“, erzählt der zweite Vorsitzende Thorsten Feuereiss. Dann wurden sie ausgewildert – an einem Tümpel an der Körsch nahe der Mittleren Filderstraße. Und nahe des PGH. Wenn da mal nicht die Geschichte von Erpel und Ente im Schulhof im Frühjahr erneut beginnt.