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Stuttgart - Märchenhaft ist das. Ein bisschen wie bei Aschenputtel, nur besser. Statt eines Schmuddelkindes werden Dutzende aus der Bedürftig- und Bedeutungslosigkeit errettet. Und anstatt eines Königssohns ist es ein ganzes Konsortium, das sich dazu herablässt, die Armen zu adeln. Aus dem Scheichtum Katar hat es sich in die Niederungen des französischen Fußballs begeben, um den heruntergekommenen Hauptstadtverein Paris Saint-Germain auf europäisches Spitzenniveau zu heben. Was den Spaniern Real Madrid ist, soll den Franzosen der PSG sein. Galaktischen Fußball verheißen die Herren dem seit der Saison 2004/2005 nicht mehr in der Champions League vertretenen Club.
Und wie das im Märchen so ist: Geld spielt keine Rolle. Europas Spitzenclubs sind in den Augen von Qatar Sports Investments und des von ihm als Sportdirektor eingesetzten früheren Inter-Mailand-Trainers Leonardo zu Selbstbedienungsläden mutiert, in denen ausliegt, was den Emporkömmling schmückt. Auf dem Einkaufszettel stehen oder standen Barcelonas brasilianischer Linksaußen Maxwell (30), dessen stürmende Landsleute Kaká (29, Real Madrid) und Pato (22, AC Mailand) sowie der Außenverteidiger Maicon (30, Inter Mailand).
Trainer Ancelotti ist der bestdotierte Trainer französischer Fußballgeschichte
Als Trainer wurde Carlo Ancelotti verpflichtet, der mit dem AC Mailand 2003 und 2007 die Champions League gewann. Zum Ligaeinstand feierte der Starcoach am Samstag einen 3:1-Sieg gegen Toulouse. Mit einem Jahresgehalt von sieben Millionen Euro gilt Ancelotti als bestdotierter Trainer der französischen Fußballgeschichte. Am Donnerstag wurde zudem der Wechsel von Maxwell perfekt gemacht. Zuvor hatte der für 42 Millionen Euro Ablöse von US Palermo abgeworbene Argentinier Javier Pastore (22) in Paris unterzeichnet.
Pato hat allerdings abgesagt - trotz eines ihm verheißenen Jahressalärs von sieben Millionen Euro. Sein Herz schlage für Milan, hat er wissen lassen. Hinzuzufügen wäre: Paris Saint-Germain klingt in den Ohren eines Spitzenfußballers einfach nicht sexy genug. Das Nein des Stürmers ist denn auch nicht die erste Abfuhr, die sich der PSG holt. Ende Dezember hatte bereits David Beckham im letzten Augenblick einen Rückzieher gemacht; jährlich 9,6 Millionen Euro hätten ihm gewinkt.
Aber das ist Schnee von gestern. Andere Stars werden anheuern. Schon jetzt führt der Verein die Liga an. Nächstes Ziel ist, "alle Spiele zu gewinnen", sagt Ancelotti. Und Nasser al-Khelaifi, der Präsident des dem Kronprinzen von Katar gehörenden Investorenkonsortiums und des PSG, stellt klar, wo der Verein danach stehen wird: "An der Spitze in Europa."
Wenn Fußball zum Theater oder Kino wird
In einem nur fällt die PSG-Saga hinter Aschenputtel zurück. Während das Volk im Märchen ausgelassen tanzt, setzen die Fans des PSG Leichenbittermienen auf. Der Verein habe seine Seele verkauft, er verkomme zu einem Disneyland, sagen die Getreuen. Wie die Gefolgschaft des FC St. Pauli halten sie wenig von Glanz und Glitter, sind im besten Fall bodenständig, im schlechtesten gewaltbereit. Ob sie nun den Boulogne Boys angehören, den Supras Auteuil oder einer anderen Unterstützergruppe: der Besuch des Prinzenparkstadions ist für sie eine Herzenssache und keine schnöde Unterhaltung.
"Wenn du Spieler mit großen Namen einkaufst, wird das Stadion zum Theater oder Kino", schimpft Youssef, der Anführer des Fanclubs K-soce Team. Anstatt wahrer Anhänger kämen unbedarfte Zuschauer, die sich amüsieren wollten. Das schlage aufs Gemüt. Wenn das so weitergehe, könne sich der Verein für die Petrodollars aus dem Morgenland gleich noch neue Fans kaufen. Das K-soce Team habe jedenfalls beschlossen, die Heimspiele des Vereins künftig zu boykottieren.
Noch deutlicher äußert sich der Filmschauspieler, Bestsellerautor und PSG-Fan Lorant Deutsch. "Ich bin angewidert", sagt er. Dass die neuen Clubbesitzer die im Mai vergangenen Jahres erworbene Aktienmehrheit nutzen wollen, um das alte Prinzenparkstadion abreißen zu lassen, passt für ihn ins rabenschwarze Bild.


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