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Park Berg Gewinnt Häussler die Grünen?

Jörg Nauke und Jürgen Brand, vom 07.02.2010 10:34 Uhr
 Foto: Achim Keiper
Foto: Achim Keiper
""Dann lassen wir eben alles liegen, dann wird es noch weiter vergammeln.""
Rudi Häussler, Investor

Stuttgart - Der Investor Rudi Häussler muss am Montag eine Abordnung von Grünen-Stadträten überzeugen, andernfalls kann er den Plan von 62 Luxuswohnungen im Park der Villa Berg vergessen. Vom Abstimmungsverhalten der stärksten Ratsfraktion hängt es ab, ob sich eine Mehrheit gegen den Neubau ergibt. Denn die SPD hat sich festgelegt. Sie ist für den Abriss der im Park befindlichen Fernsehstudios des Südwestrundfunks (SWR) und die Renaturierung dieser Fläche; dabei wird sie von SÖS/Linke unterstützt. Dass die Grünen wanken, überrascht die vermeintlichen Bündnispartner, denn bisher hatten Fraktionschef Werner Wölfle und sein Team nichts davon gehalten, die in den 50er Jahren begangenen Bausünden im Park durch einen Neubau mit Luxusappartements zu zementieren. Die Grünen im Bezirksbeirat hatten an der einstimmigen Ablehnung des Projekts mitgewirkt. Man wolle keine Ghettos, hieß es im Rathaus - weder für Arme noch für Reiche.

Dieses kategorische Nein gibt es nicht mehr. Es gelte, die Vor- und Nachteile aller Lösungen zu bewerten, erklärt Wölfle als überraschendes Ergebnis einer Fraktionssitzung. Die Grünen glauben offenbar nicht mehr daran, dass die Fernsehstudios nach der Räumung durch den SWR Mitte 2012 schnell erworben und abgerissen werden könnten, damit an dieser Stelle Bäume gepflanzt und der von der Stadt vernachlässigte Park verschönert werden könnte. Zudem würde die benachbarte Villa Berg verfallen, weil Häussler seine Bereitschaft zur Sanierung von der Baugenehmigung abhängig mache. "Das bliebe Jahrzehnte so", befürchtet Wölfle in Ermangelung der Mittel, um Häussler die Immobilie abzukaufen. Dafür hätten die Bürger noch weniger Verständnis als für den Wohnungsbau.

Grundstück ohne Baurecht


Er machte aber deutlich, dass sich Häussler bei der Planung mehr einfallen lasen müsse, um die Ablehnung noch zu verhindern - womöglich biete der Investor sogar einige Miet- oder Sozialwohnungen an. Häussler ist sich derweil sicher, "dass es im Gemeinderat keine Mehrheit gegen mein Vorhaben geben wird". Er werde die Grünen schon überzeugen. Für den Fall des Scheiterns wäre er sich allerdings mit Wölfle einig: "Dann lassen wir eben alles liegen, dann wird es noch weiter vergammeln."

Das käme Häussler teuer zu stehen: Er hat dem SWR für das Grundstück 5,8 Millionen Euro bezahlt, die sanierungsbedürftige Villa Berg steht mit 500.000 Euro in den Büchern. Ein Rückgaberecht gebe es nicht, teilte ein SWR-Sprecher mit. Dass Häussler das Risiko einging, ein Grundstück zu erwerben, ohne das Baurecht zu besitzen, ist mit den politischen Mehrheiten bis Juni 2009 und dem guten Verhältnis zu OB Wolfgang Schuster (CDU) zu erklären. Die Gespräche über den Bau der Parkresidenzen hatten lange vor der Gemeinderatswahl stattgefunden, die die Mehrheit von CDU, FDP und Freien Wählern beendete. Schuster setzt sich weiter "nachdrücklich für eine qualitätsvolle Bebauung in Verbindung mit der dringend notwendigen Modernisierung der Villa Berg und der Sanierung der Parkanlagen ein". Er erinnert daran, dass "trotz intensiver Bemühungen bislang kein anderer Investor gefunden wurde".

Einmalige Chance zur Renaturierung


Die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind und Martin Körner, der Bezirksvorsteher im Osten, halten dagegen die Chance zur Renaturierung des Parks für "einmalig". Gebe es erst einmal eine Gemeinschaft vieler Eigentümer sei die Bebauung "auf immer und ewig zementiert". Häusslers Wünsche dürften "nicht Maßstab unserer Politik sein". Die Finanzierung sei möglich, womöglich mit Hilfe von Stiftungen, so Körner. Außerdem käme die Stadt das Areal nicht zu teuer, da es kein Bauland sei. Allerdings könnte es Häussler aus Verärgerung auch behalten, dann gäbe es dort keine Begrünung. Was die Sanierung der alten Villa angehe, werde sich irgendwann eine Lösung finden. "Das Haus ist dicht, so schnell verfällt es nicht", sagt Blind.
Kommentare (8)
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FEB
08
14:36 Uhr, geschrieben von Villa Berg
...berg
Es wäre wirklich Schade, wenn sich für dieses Objekt nicht eine gute Lösung finden würde. In anderen Städten gibt es doch für solche Projekte immer wieder Liebhaber, die mit viel Engagement neue Wege gehen. Warum ist sowas in Stuttgart nicht möglich? Auch in anderen Städten ist nicht immer ne Menge Geld für Nachnutzung vorhanden, aber scheinbar gibt es dort mehr Menschen mit Fantasie.
FEB
08
13:40 Uhr, geschrieben von j.p.s.
alternativen...
es gibt in dieser sache genau zwei moeglichkeiten. a.) herr haeussler baut die service-wohnungen fuer aeltere menschen und finanziert damit den die renovation der villa, den abriss und die entsorgung der swr gebaude sowie die pflege des parks. oder, b.) es wird ihm verweigert und die villa zerfaellt in den kommenden jahren und die swr gebaeude verrotten so wie der park, weil weder stadt, noch swr, noch sonst jemand geld fuer abriss, entsorgung, aufforstung und pflege etc hat. seit jahren wird versucht die villa einem investor schmackhaft zu machen, alle namhaften stuttgarter stiftungen haben dankend abgelehnt, private investoren sind alle sammt an der finanzierbarkeit gescheitert und buergerinitiativen die eine direkte finanzierung zum ziel hatten sind meines wissens garnicht zustande gekommen, weil die grossen klappen ziemlich schnell still sind wenn der eigene geldbeutel in mitleidenschaft gezogen wuerde. wenn BLIND und KOERNER ein stimmiges konzept und einen finanzierungsvertrag vorlegen koennten gaebe es eine drite variante. solange deren blabla aber nur hohles populistisches geschwaetz ist, bleiben die zwei oben genannten. und noch was. politik hat sich an realitaeten zu orientieren und darin das bestmoegliche herauszuarbeiten. alles andere ist der befassung nicht wert. mein tip? dummheit siegt und in fuenf jahren ist nicht das geringste passiert. soll sich dann bloss keiner beschweren...
FEB
08
00:44 Uhr, geschrieben von Dagmar Nachtigall
Villa Berg
Wenn es in Stuttgarter Regierungskreisen überhaupt noch ein Gefühl für Gerechtigkeit und Anstand gibt, dann ist es allein schon moralische Verpflichtung, den Bürgern die Villa Berg samt Park in dem Zustand zurückzugeben, in dem sie einst unter vielen, leider nie gehaltenen Versprechungen, für ein Butterbrot in städtische Hand übergegangen ist! Sowohl die Stadt Stuttgart als auch der SWR haben sich ohne Rücksicht auf die Öffentlichkeit an diesem Juwel jahrzehntelang bereichert und es zum Dank dafür in diesen verkommenen Zustand gebracht. Vielen Dank auch, meine lieben Herren Volksvertreter, daß Ihr unsere Wählerstimmen u. a. dazu benutzt habt, unser Kulturgut und dieses einmalige Stück Heimat rücksichtslos zu zerstören! Ich bin jetzt 57 Jahre alt und habe zeitlebens von Regierungsseite aus, selbst in den "fettesten" Jahren, immer nur stöhnen hören, es sei kein Geld da. Und ich habe Null Verständnis für die ebenso ungeheuerlichen wie erstaunlichen Geldströme anderer Projekte! Die Villa Berg und ihr Park stellen einen Wert dar, der völlig über das hinausgeht, was sich macht- und profilierungsgierige Hirne vorstellen können. Bleibt zu hoffen, daß neue Zeiten nicht nur neue Menschen, sondern auch neue Politiker hervorbringen, die, anstatt zuzuschustern, wieder mit Herz, Hirn und Seele regieren und wahre Vorbilder und echte ausführende Organe für den Willen und die Bedürfnisse von uns Bürgern sind. Und ein Herr Häussler sollte im Hinblick auf die Villa der hoffentlich vorhandenen Weisheit seines Alters Rechnung tragen, bevor ihm die Kehrseite zuschnappt.
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