""Dann lassen wir eben alles liegen, dann wird es noch weiter
vergammeln.""
Rudi Häussler, Investor
Stuttgart - Der Investor Rudi Häussler muss am Montag eine Abordnung von Grünen-Stadträten überzeugen, andernfalls kann er den Plan von 62 Luxuswohnungen im Park der Villa Berg vergessen. Vom Abstimmungsverhalten der stärksten Ratsfraktion hängt es ab, ob sich eine Mehrheit gegen den Neubau ergibt. Denn die SPD hat sich festgelegt. Sie ist für den Abriss der im Park befindlichen Fernsehstudios des Südwestrundfunks (SWR) und die Renaturierung dieser Fläche; dabei wird sie von SÖS/Linke unterstützt. Dass die Grünen wanken, überrascht die vermeintlichen Bündnispartner, denn bisher hatten Fraktionschef Werner Wölfle und sein Team nichts davon gehalten, die in den 50er Jahren begangenen Bausünden im Park durch einen Neubau mit Luxusappartements zu zementieren. Die Grünen im Bezirksbeirat hatten an der einstimmigen Ablehnung des Projekts mitgewirkt. Man wolle keine Ghettos, hieß es im Rathaus - weder für Arme noch für Reiche.
Dieses kategorische Nein gibt es nicht mehr. Es gelte, die Vor- und Nachteile aller Lösungen zu bewerten, erklärt Wölfle als überraschendes Ergebnis einer Fraktionssitzung. Die Grünen glauben offenbar nicht mehr daran, dass die Fernsehstudios nach der Räumung durch den SWR Mitte 2012 schnell erworben und abgerissen werden könnten, damit an dieser Stelle Bäume gepflanzt und der von der Stadt vernachlässigte Park verschönert werden könnte. Zudem würde die benachbarte Villa Berg verfallen, weil Häussler seine Bereitschaft zur Sanierung von der Baugenehmigung abhängig mache. "Das bliebe Jahrzehnte so", befürchtet Wölfle in Ermangelung der Mittel, um Häussler die Immobilie abzukaufen. Dafür hätten die Bürger noch weniger Verständnis als für den Wohnungsbau.
Grundstück ohne Baurecht
Er machte aber deutlich, dass sich Häussler bei der Planung mehr einfallen lasen müsse, um die Ablehnung noch zu verhindern - womöglich biete der Investor sogar einige Miet- oder Sozialwohnungen an. Häussler ist sich derweil sicher, "dass es im Gemeinderat keine Mehrheit gegen mein Vorhaben geben wird". Er werde die Grünen schon überzeugen. Für den Fall des Scheiterns wäre er sich allerdings mit Wölfle einig: "Dann lassen wir eben alles liegen, dann wird es noch weiter vergammeln."
Das käme Häussler teuer zu stehen: Er hat dem SWR für das Grundstück 5,8 Millionen Euro bezahlt, die sanierungsbedürftige Villa Berg steht mit 500.000 Euro in den Büchern. Ein Rückgaberecht gebe es nicht, teilte ein SWR-Sprecher mit. Dass Häussler das Risiko einging, ein Grundstück zu erwerben, ohne das Baurecht zu besitzen, ist mit den politischen Mehrheiten bis Juni 2009 und dem guten Verhältnis zu OB Wolfgang Schuster (CDU) zu erklären. Die Gespräche über den Bau der Parkresidenzen hatten lange vor der Gemeinderatswahl stattgefunden, die die Mehrheit von CDU, FDP und Freien Wählern beendete. Schuster setzt sich weiter "nachdrücklich für eine qualitätsvolle Bebauung in Verbindung mit der dringend notwendigen Modernisierung der Villa Berg und der Sanierung der Parkanlagen ein". Er erinnert daran, dass "trotz intensiver Bemühungen bislang kein anderer Investor gefunden wurde".
Einmalige Chance zur Renaturierung
Die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind und Martin Körner, der Bezirksvorsteher im Osten, halten dagegen die Chance zur Renaturierung des Parks für "einmalig". Gebe es erst einmal eine Gemeinschaft vieler Eigentümer sei die Bebauung "auf immer und ewig zementiert". Häusslers Wünsche dürften "nicht Maßstab unserer Politik sein". Die Finanzierung sei möglich, womöglich mit Hilfe von Stiftungen, so Körner. Außerdem käme die Stadt das Areal nicht zu teuer, da es kein Bauland sei. Allerdings könnte es Häussler aus Verärgerung auch behalten, dann gäbe es dort keine Begrünung. Was die Sanierung der alten Villa angehe, werde sich irgendwann eine Lösung finden. "Das Haus ist dicht, so schnell verfällt es nicht", sagt Blind.