Parkraum
Das Ende des wilden Westen
Thomas Faltin,
20.01.2011 07:30 Uhr
Wer im Westen wohnt, hat bei Parklücken bald den Vorrang. Foto: Rudel
Stuttgart - Jetzt wird's ernst: das wilde Parken und das langwierige Parkplatzsuchen im Stuttgarter Westen sollen vom 1. März an der Vergangenheit angehören. Dann treten die komplett neuen Parkregelungen in Kraft, die aus Sicht von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer "Verbesserungen für alle" bringen werden. Das Prinzip lautet: Jeder Parkplatz kostet - Anwohner können einen Jahresausweis für 30,70 Euro erwerben, Pendler und Besucher müssen an den Automaten ein Ticket für 60 Cent pro Stunde lösen.
Da streng kontrolliert werden soll, wird sich der Druck auf alle Autofahrer erhöhen. Die Hoffnung ist deshalb, dass ein Teil der Bürger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt oder gar den Zweitwagen abschafft. So könnten die 10.000 öffentlichen Parkplätze im Westen (Tiefgaragen und private Stellplätze nicht mitgezählt) vielleicht ausreichen für alle. Derzeit sind aber im Bezirk 22.000 Fahrzeuge angemeldet - die Autos der Pendler kommen noch hinzu. Bis zum 1. März werden im Stuttgarter Westen fast 500 Parkscheinautomaten und 1800 Schilder aufgestellt.
Künftig wird es im Westen drei verschiedene Parkplatztypen geben, die mit blauem, orange- oder pinkfarbenem "P" markiert sind. Blau wird überwiegen: Auf diesen Parkplätzen dürfen Anwohner mit Ausweis gebührenfrei parken. Der Westen ist dazu in acht Gebiete eingeteilt; der Anwohner hat nur für sein Gebiet eine Parkberechtigung. Auch jeder Besucher darf sein Auto auf die blauen Parkplätze stellen, sofern er am Automat ein Ticket löst. Das Tagesticket kostet sechs Euro. Die Regelung gilt montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr.
Die orangefarbenen Flächen sind Kurzzeit-Parkplätze in der Nähe von Geschäften. Mit der sogenannten Brötchentaste ist die erste halbe Stunde frei. Eine Stunde kostet 60 Cent; die Parkzeit ist auf zwei Stunden begrenzt. Es versteht sich: auch Anwohner mit Ausweis müssen hier bezahlen.
Die pinkfarbenen Parkplätze sind als Lieferbereiche gedacht. Grundsätzlich erhalten Gewerbetreibende im Westen nur einen Ausweis, egal wie groß der Betrieb ist. Das hat zu vielen Protesten bei der Stadt geführt, wie Bürgermeister Martin Schairer einräumt. Die Stadt regt zum Beispiel an, dass die Mitarbeiter die Firmenautos über Nacht mit nach Hause nehmen.
Die Stadt hat 20 Mitarbeiter eingestellt. Denn: "Das System funktioniert nur, wenn intensiv kontrolliert wird", sagt Schairer. Wichtige Straßen und Plätze sollen die Politessen künftig sogar mehrfach am Tag aufsuchen. Es drohen Knöllchen bis zu 25 Euro. In den ersten Wochen wolle man aber "mit Augenmaß" an die Sache herangehen, so Schairer.
Die Stadt wird jährlich 2,5 Millionen Euro für Personal und Betrieb des Parkraummanagements ausgeben, aber 4,5 Millionen Euro an Gebühren und Bußgeldern einnehmen. Ein Teil des Überschusses soll dazu verwendet werden, Tiefgaragen im Westen zu bauen und mehr Stellplätze zu schaffen. Der Bau einer Bewohnerparkgarage im Rossbollengässle beginnt im März.
Der Verkehrsverbund (VVS) wirbt bei Firmen und Bewohnern intensiv um neue Fahrgäste. "Der Westen ist mit sechs S-Bahnen, drei Stadtbahnlinien und sechs Buslinien ideal erschlossen", sagt Hans-Georg Glaser vom VVS. Alle Bewohner werden im Februar einen Brief erhalten - wer ein Abo erwirbt, erhält den ersten Monat gratis. Insgesamt hofft der VVS, dass zehn bis 15 Prozent der Pendler auf den Nahverkehr umsteigen.
Die Universität Stuttgart wird das Parkkonzept in den nächsten beiden Jahren prüfen; bei Bedarf werde nachjustiert. Sollte es sich bewähren, könnte es auch in anderen Bezirken eingeführt werden. Schairer nannte den Osten, den Süden und Bad Cannstatt: "Dort herrschen ähnlich schwierige Parkverhältnisse wie im Westen."
Da streng kontrolliert werden soll, wird sich der Druck auf alle Autofahrer erhöhen. Die Hoffnung ist deshalb, dass ein Teil der Bürger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt oder gar den Zweitwagen abschafft. So könnten die 10.000 öffentlichen Parkplätze im Westen (Tiefgaragen und private Stellplätze nicht mitgezählt) vielleicht ausreichen für alle. Derzeit sind aber im Bezirk 22.000 Fahrzeuge angemeldet - die Autos der Pendler kommen noch hinzu. Bis zum 1. März werden im Stuttgarter Westen fast 500 Parkscheinautomaten und 1800 Schilder aufgestellt.
Anwohner und Pendler
Künftig wird es im Westen drei verschiedene Parkplatztypen geben, die mit blauem, orange- oder pinkfarbenem "P" markiert sind. Blau wird überwiegen: Auf diesen Parkplätzen dürfen Anwohner mit Ausweis gebührenfrei parken. Der Westen ist dazu in acht Gebiete eingeteilt; der Anwohner hat nur für sein Gebiet eine Parkberechtigung. Auch jeder Besucher darf sein Auto auf die blauen Parkplätze stellen, sofern er am Automat ein Ticket löst. Das Tagesticket kostet sechs Euro. Die Regelung gilt montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr.
Kurzzeitparken
Die orangefarbenen Flächen sind Kurzzeit-Parkplätze in der Nähe von Geschäften. Mit der sogenannten Brötchentaste ist die erste halbe Stunde frei. Eine Stunde kostet 60 Cent; die Parkzeit ist auf zwei Stunden begrenzt. Es versteht sich: auch Anwohner mit Ausweis müssen hier bezahlen.
Gewerbetreibende
Die pinkfarbenen Parkplätze sind als Lieferbereiche gedacht. Grundsätzlich erhalten Gewerbetreibende im Westen nur einen Ausweis, egal wie groß der Betrieb ist. Das hat zu vielen Protesten bei der Stadt geführt, wie Bürgermeister Martin Schairer einräumt. Die Stadt regt zum Beispiel an, dass die Mitarbeiter die Firmenautos über Nacht mit nach Hause nehmen.
Kontrollen
Die Stadt hat 20 Mitarbeiter eingestellt. Denn: "Das System funktioniert nur, wenn intensiv kontrolliert wird", sagt Schairer. Wichtige Straßen und Plätze sollen die Politessen künftig sogar mehrfach am Tag aufsuchen. Es drohen Knöllchen bis zu 25 Euro. In den ersten Wochen wolle man aber "mit Augenmaß" an die Sache herangehen, so Schairer.
Kosten und Erlöse
Die Stadt wird jährlich 2,5 Millionen Euro für Personal und Betrieb des Parkraummanagements ausgeben, aber 4,5 Millionen Euro an Gebühren und Bußgeldern einnehmen. Ein Teil des Überschusses soll dazu verwendet werden, Tiefgaragen im Westen zu bauen und mehr Stellplätze zu schaffen. Der Bau einer Bewohnerparkgarage im Rossbollengässle beginnt im März.
Nahverkehr
Der Verkehrsverbund (VVS) wirbt bei Firmen und Bewohnern intensiv um neue Fahrgäste. "Der Westen ist mit sechs S-Bahnen, drei Stadtbahnlinien und sechs Buslinien ideal erschlossen", sagt Hans-Georg Glaser vom VVS. Alle Bewohner werden im Februar einen Brief erhalten - wer ein Abo erwirbt, erhält den ersten Monat gratis. Insgesamt hofft der VVS, dass zehn bis 15 Prozent der Pendler auf den Nahverkehr umsteigen.
Andere Stadtbezirke
Die Universität Stuttgart wird das Parkkonzept in den nächsten beiden Jahren prüfen; bei Bedarf werde nachjustiert. Sollte es sich bewähren, könnte es auch in anderen Bezirken eingeführt werden. Schairer nannte den Osten, den Süden und Bad Cannstatt: "Dort herrschen ähnlich schwierige Parkverhältnisse wie im Westen."
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@Daniel
Sie scheinen mir hier der einzige zu sein, der sachlich mit dem Thema umgeht. Danke Ihnen! Bei 2 Autos pro Haushalt und Wohnen in einem der dichtbesiedeltsten Gebieten in Deutschland, kann es gar nicht möglich sein, dass jeder vor der Tür parkt. Nach einer Zeit des Überflusses ist jetzt wieder ein wenig Mäßigung angesagt. Es sollte sich jeder wirklich überlegen, ob er ein Fahrzeug braucht. Des Weiteren sollten Hausbesitzer herangezogen werden, um die Garagen ihrer Häuser auf den neuesten Stand zu bringen und/oder ggf. neue Stellplätze schaffen. Parkhäuser statt Bürofläche. das wäre doch was.
Verursacherprinzip anwenden, aber überall im Land
Parkplatzprobleme gibt es nicht nur in Stuttgart, sondern überall. Das Parken bringt Probleme aller Art mit sich. Die Knappheit der Parkplätze, der Verkehrslärm den die Suchenden auslösen, das verblechte Wohnumfeld usw.. Es kann aber auch dann zum Problem werden, wenn laut Landesbauordnung (LBO) beim Wohnungsbau pro Wohneinheit nur 1 Stellplatz nachgewiesen werden muss, die Gemeinden manchmal aber davon abweichen und 1,5 Stellplätze / WE (aufgerundet 2) fordern. Dann kostet es den Bauherrn gleich mal einige Tausend Euro mehr. Verfährt die Gemeinde aber nach der LBO, ist oft die Straße schnell zu geparkt. Ich habe es noch nie richtig verstanden, warum man beim Bau einer Wohnung einen oder mehrere Stellplätze nachweisen muss, auch dann, wenn man gar kein Auto besitzt. Dagegen kann jeder ein Auto kaufen ohne einen Stellplatznachweis liefern zu müssen und es irgendwo im öffentlichen Raum abstellen. Dabei wäre es doch viel sinnvoller, den Stellplatz-Nachweis an das Autohalten zu koppeln. Wer keinen eigenen Stellplatz nachweisen kann, mietet sich für den Betrag X bei der Gemeinde einen festen nummerierten Straßenplatz, oder für einen geringeren Betrag einen freien unbestimmten Straßenplatz. Die Gemeinden könnten mit den eingenommenen Geldern Tiefgaragen bauen und damit den Straßenraum zugunsten einer besseren Gestaltung entlasten. Dafür wäre aber eine bundeseinheitliche Reglung notwendig. Das Autohalten wird mit dieser Reglung für diejenigen teurer, die bisher auf Kosten der Allgemeinheit ihr Stellplatzproblem gelöst haben. Wenn aber ein Teil der Erlöse in den öffentlichen Nahverkehr gesteckt würde, wäre ein Umstieg auf diesen leichter zu verschmerzen.
Mal über den Tellerrand schauen
Ich habe mir die Kommentare durchgelesen (und finde sie mindestens so lesenswert wie den Artikel selbst). Leider habe ich dieses Mal wenig Konstruktives in den Kommentaren gefunden. Ich glaube, die Wenigsten leugnen das Parkplatzproblem im Stuttgarter Westen (wie auch an anderen Orten). Dieses Problem wirkt sich negativ auf die Lebensqualität im Stadtteil aus. Anwohner leiden insb. nachts unter dem Parksuchverkehr. Autofahrer vergeuden ihre Zeit mit der Parkplatzsuche. Mit der Parkraumbewirtschaftung wird versucht, über den Preis die Nachfrage nach dem Gut "Parkraum" zu senken. Wenn wir markwirtschaftliche Kriterien anlegen, dann sollte für die Nutzung eines Gutes auch gezahlt werden. Insbesondere, wenn die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Für Wohnraum oder Gewerbeflächen sind wir ja auch bereit, Geld auszugeben. Natürlich gibt es noch weitere Ideen, wie das Parkraumproblem gelöst werden könnte. Ein attraktives ÖPNV Angebot gehört sicher dazu. Das ist aber auch nicht umsonst zu haben. Letztendlich sollten wir uns vor Augen führen, dass das Parkraumproblem eng verknüpft ist mit der Stadt- und Verkehrsplanung. Nachhaltige Verbesserungen sind hier nur möglich, wenn man der Komplexität des Themas gerecht wird. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich. Das wünsche ich mir für Stuttgart.