Parteitag in Böblingen Grüne vor dem Showdown

Von  

Die Grünen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt hat sich den Baden-Württembergern vorgestellt. Doch die Spannung gilt der Landesliste, die am Samstag auf dem Parteitag der Südwest-Grünen in Böblingen aufgestellt wird.

Radikale macht die neue Grünen-Frontfrau Göring-Eckardt in ihrer Partei höchstens noch in Gestalt von „Guerilla-Gärtnern“ aus. Foto: dpa
Radikale macht die neue Grünen-Frontfrau Göring-Eckardt in ihrer Partei höchstens noch in Gestalt von „Guerilla-Gärtnern“ aus.Foto: dpa

Böblingen - Wenn es nach dem Applaus geht, hat Fritz Kuhn, der künftige Oberbürgermeister von Stuttgart, die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl in den Schatten gestellt. Katrin Göring-Eckardt präsentierte sich den Delegierten des Grünen-Landesparteitags am Abend in Böblingen gewohnt besonnen, ruhig und sachorientiert. Der Saal – ohnehin mit großen Lücken in den Reihen der 206 Delegierten – folgte aufmerksam und klatschte freundlich an den richtigen Stellen.

Leitmotiv des Abends war das Motto „Grün setzt sich durch“, was für die bevorstehende Bundestagswahl wohl die Hoffnung der Grünen ausdrücken soll. Um in Berlin zum Erfolg zu kommen, wünscht sich Göring-Eckardt von ihren südwestdeutschen Parteifreunden zwei Dinge: „Gute, glaubwürdige, überzeugende Regierungsarbeit und ein verdammt gutes Wahlergebnis in Baden-Württemberg“. Die Grünen wollten die schwarz-gelbe Koalition im Bund ablösen. Dazu müsse die Partei die Bürger auf dem Land gewinnen, betonte die Spitzenkandidatin. Sie beschwor die grüne Bürgerlichkeit, die sie unter anderem so definierte: „Wir übernehmen die Verantwortung für das ganze Land und machen nicht Lobbypolitik wie Merkel und ihre Freunde“.

Radikale macht die neue Frontfrau in ihrer Partei höchstens noch in Gestalt von „Guerilla-Gärtnern“ aus. Goutiert wurden Göring-Eckardts Bekenntnisse „Demokratie heißt Kampf gegen rechts“, ,,die Grünen stehen wie keine andere Partei für Bürgerbeteiligung und mehr soziale Gerechtigkeit und eine Energierevolution“.

Aus dem Ländle kommt „ein Schub für die Bundestagswahl“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht davon aus, dass aus Baden-Württemberg „ein Schub für die Bundestagswahl“ kommen kann. „Wir zeigen, das Land wird in die richtige Zukunft geführt“, sagte er. In den Mittelpunkt rückte er die Wirtschaftspolitik, in der sich nachhaltiges Denken durchsetze. Am Ende gab es auch für ihn freundlichen Applaus. Bei Göring-Eckardt hatte es sogar dezenter Hinweise bedurft, bis sich die Delegierten zögerlich, einer nach dem anderen, zum symbolhaften stehenden Applaus für die Spitzenkandidatin aufrafften. Die erklärten Linken unter den Delegierten ließen sich sehr lange bitten.

Die Wahlen zur Landesliste für die Bundestagswahl, die am Samstag anstehen, beeinträchtigten die Aufmerksamkeit der Delegierten sichtlich. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wer die ersten vier Plätze einnimmt. Es konkurrieren für Platz eins aus dem linken Lager Sylvia Kotting-Uhl und die Reala Kerstin Andreae. Weitere Kreise könnte das Rennen um Platz zwei ziehen. Den Spitzenplatz der Männer macht der Linke Gerhard Schick dem Bundesvorsitzenden Cem Özdemir streitig.

Am Freitagabend wurden die letzten Strippen gezogen. Kotting-Uhl, die als Chefin der Landesgruppe der Bundestagsabgeordneten als Rednerin gesetzt war, nutzte die Chance, sich schon am Vorabend der Wahl zu präsentieren, bekam aber noch die Kurve: „wir freuen uns auf eine gute ausgewogene Landesliste, das ist das zweitwichtigste. Das wichtigste ist, die Bundesregierung in die Opposition zu schicken“.

Fritz Kuhn in einer neuen Rolle

Gelassen konnte Fritz Kuhn das innerparteiliche Kräftemessen beobachten. Der langjährige Bundestagsabgeordnete sah sich in einer ganz neuen Rolle. Begeistert bejubelten die Delegierten im Nachhinein seinen Wahlsieg in Stuttgart. Kuhn selbst musste sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass dies seit Jahren der erste Listenparteitag der Grünen war, bei dem er nicht kandidierte. „Irgendwie ist das ein gutes Gefühl“, bekannte der kurzzeitige Liebling des ansonsten eher nüchternen Abends. Auch Kuhn mahnte vor den heutigen Wahlen: „die Liste muss uns gefallen, aber sie muss vor allem den Wählern gefallen. Wenn wir das beachten, dann haben wir noch mehr Chancen“.

Einigkeit wäre ein weiteres Element. Das führte Marcel Emmerich, der Sprecher der Grünen Jugend an. „Grüne Politik funktioniert nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen“.

  Artikel teilen
5 KommentareKommentar schreiben

Henriette: showdown hat gar nichts mit abknallen zu tun. ein showdown ist einzig der entscheidende (macht)kampf. showdown kommt vom poker und heißt nichts anderes als das blatt offen auf den tisch legen um zu sehen wer die besseren karten hat.

@Enttäuschter CDU-Wähler: Gut so, wählen Sie ruhig weiterhin GRÜN. Spätestens in zwie Jahren werden Sie der erste sein, der sich als 'Enttäuschter GRÜNEN-Wähler' präsentiert. Ich wusste allerdings nicht, dass sich auch ein GRÜNER in Karlsruhe als OB bewirtbt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Grünen zu wenig Personal vorweisen könne, die tatsächlich ehemalige CDU-Wähler, so wie Sie einer sind, hinterm Ofen vorlocken können. Nun ja, wird schon noch kommen...... 'Stammtischparolen' finde ich nett. Ich sage dazu im Gegenzug 'Lehrerzimmerparolen'. Sowohl an Stammtischen, als auch in Lehrerzimmern treffen sich Menschen und tauschen ihre Ansichten aus. Das ist völlig in Ordnung. Allerdings haben sie in Ihrer Replik keine einzige Tatsach über die Irrungen und Wirrungen der aufgeführten grünen Politiker widerlegen könne. Nun ja, als ehemaliger, entäuschter CDU-Wähler fällt es sicherlich schwer, seine neue politische Heimat kritisch zu hinterfragen.

@Jubel Stuttgarter, 12:22 Uhr: Stammtischparolen wie Sie sie hier verbreiten, sind schon Grund genug, künftig grün zu wählen. Wie ich denken inzwischen viele in diesem Land und es werden täglich mehr. Die Stuttgarter OB-Wahl war die letzte Antwort der Mehrheit der Wähler auf panische CDU-Wahlkampagnen. Bleiben Sie dabei, dann werden Sie mit voller Montur baden gehen. Apropos Baden gehen: Morgen wählt Karlsruhe, mal schauen was dort passiert ...

Der Knaller: Grüne vor dem 'gegenseitigen Abknallen', was ein 'Showdown' ja wohl ist?! Mag sein, dass die StZ das gerne hätte. Aber wer hat gerne so eine 'Zeitung'?

Grünes Strohfeuer: Wie wollen die Grünen ehemalige CDU Wähler gewinnen? Mit einer Politikerin, die sich Theologin nennt, nur weil sie ein abgebrochenes Theologiestudium hinter sich hat? Mit einem Politiker, der noch nach Jahren einen Schmähbrief auf den Tod eines Generalbundesanwalt als Akt der freien Meinungsäußerung deklariert? Der neuerdings Anzüge trägt, um damit sein Neo-Maoistisches Gedankengut zu vertuschen? Mit einem Ministerpräsidenten, der seine Macht einem Reaktorunfall und übler Hetze gegen ein Infrastrukturprojekt zu verdanken hat? Der noch als trotzkistischer Student Waffen für die Khmer Rouge gesammelt hat? Der eine verlorene Volksabstimmung als seinen Erfolg verkaufen will? Ein Parteifunktionär, der Umweltschutz predigt, sich aber mit dem Hubschrauber zu einer Fernsehdiskussion einfliegen lässt? Die Grünen waren auch in der Vergangenheit hin und wieder an Regierungen beteiligt. Auch im Bund. Einige verdrängen erfolgreich das Chaos, was die Schröder-Fischer-Regierung zelebriert hat, erfolgreich. Man bedenke nur die ersten Auslandseinsätze der deutschen Armee. Wie sich die ehemaligen Pazifisten um die eigene Achse gekrümmt haben.....phänomenal. Nein, von den Grünen kann man keine vernünftige, zukunftsgerichtete und solide Politik für Deutschland erwarten.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.