Partie Dortmund-Mainz Tod im Stadion: das Spiel gerät zur Nebensache

Von Felix Meininghaus 

Das Dortmunder Publikum hat angesichts eines Todesfalls auf den Rängen mit der größtmöglichen Sensibilität reagiert. Reinhard Rauball, Präsident des BVB und der Deutschen Fußball-Liga, lobte ausdrücklich auch die Reaktion der Mainzer Fans.

Auch die BVB-Mannschaft zollte dem Toten ihren Respekt. Foto: AFP
Auch die BVB-Mannschaft zollte dem Toten ihren Respekt.Foto: AFP

In Dortmund werden sie nicht müde, sich ihrer Fans, ihres Stadions und ihrer einzigartigen Fußballkulisse zu rühmen, die sie am liebsten zum Weltkulturerbe ernennen würden: Größtes Stadion Deutschlands, bester Zuschauerschnitt Europas und größte Stehplatztribüne der Welt – das sind Superlative, die für sich sprechen.

Sonntagabend ist die Hochachtung noch gewachsen, weil die Dortmunder Kulisse angesichts eines Todesfalles auf den Rängen mit der größtmöglichen Sensibilität reagierte. Reinhard Rauball, Präsident des BVB und der Deutschen Fußball-Liga, trat nach Abpfiff der Partie zwischen Borussia Dortmund und Mainz 05 vor die Mikrofone und verkündete mit bewegter Stimme, er habe es „noch nie erlebt, dass Zuschauer ihre Trauer und den Respekt vor dem Tod dermaßen geschlossen darbieten. Das hat es in dieser Form wohl noch nie gegeben, ich ziehe den Hut ausdrücklich auch vor den Mainzer Fans, die sich geschlossen in die Reihe gestellt haben.“

Das Punktspiel geriet zur Nebensache

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machte in der riesigen Betonschüssel die Nachricht die Runde, dass es auf den Rängen einen Todesfall gegeben hatte. Für den 80-jährigen Rentner kam jede Hilfe zu spät, sein Leben konnte von den Einsatzkräften nicht mehr gerettet werden. Es gab noch einen zweiten Notfall, der Zustand eines 55-jährigen Mannes konnte jedoch im Krankenhaus stabilisiert werden.

Dass unter solchen Umständen ein Punktspiel stattfand, geriet zur Nebensache: Die heimische Borussia schlug Mainz 05 nach Toren von Marco Reus und Shinji Kagawa vor 81 000 Zuschauern mit 2:0 (1:0). Die Spieler blieben auf dem Rasen zunächst in Unkenntnis von dem Vorfall auf den Rängen und spulten weiter ihr Pensum ab. Marco Reus berichtete nach dem Abpfiff, er sei zunächst „irritiert“ gewesen: „Wir haben nichts mitbekommen, ich habe mehrmals beim Schiedsrichter nachgefragt, warum hier eine solch merkwürdige Stimmung ist.“

Sogar die Ultras rollten ihre Fahnen ein

Dortmunds Kapitän Mats Hummels hatte sich zwar gedacht, „dass da etwas passiert sein muss, so, wie sich die Fans verhalten“. Als Kagawa den Ball zum 2:0 ins Netz schob, verzichteten die Dortmunder auf die übliche Jubelarie und liefen nur kurz zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ultras bereits ihre Fahnen eingerollt und die Südtribüne ihre Gesänge einstellt. Nach dem Abpfiff verkündete Stadionsprecher Norbert Dickel dann offiziell, was in den sozialen Netzwerken und als stille Post längst die Runde gemacht hatte.

Die Südtribüne intonierte die Hymne aller Fußballfans

Die Südtribüne hielt inne und intonierte die ewige Hymne aller Fußballfans: „You’ll never walk alone.“ Dortmunds Mannschaft stand geschlossen vor den Rängen, teilweise hatten die Profis Tränen in den Augen. Nationalspieler Reus sprach von einem „tragischen Ereignis, da rückt das Spiel natürlich in den Hintergrund“. Für alle Beteiligten war es eine ungewöhnliche und beklemmende Situation. Der Mainzer Trainer Martin Schmidt fand es „beeindruckend, wie schnell die Nachricht bei 80 000 durchkommuniziert wird“. In der gespenstischen Stille an einem Ort, an dem man sonst sein eigenes Wort kaum versteht, sei es „schwer gewesen, noch zu coachen“.

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