Filder-Zeitung
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Die Volkswirtschaft ist in einer Zwickmühle. Einerseits brechen 20 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre und ebenso viele Menschen ihr Studium ab. Andererseits kommt es zu einem Fachkräftemangel, der sich durch den demographischen Wandel verschärfen wird. Darüber sprachen die Teilnehmer bei der Bildungspartnerkonferenz am Donnerstag in Sielmingen. Hilde Cost, leitende Geschäftsführerin der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, zitierte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, wonach es in 15 Jahren bundesweit 6,5 Millionen Arbeitskräfte weniger geben wird. "Das ist mehr als die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung in Baden-Württemberg", sagte sie. Die IHK müsse am Übergang von der Schule in den Beruf ansetzen.
"Bis 2030 wird es 20 Prozent weniger Schulabgänger geben", brachte Ralf Litschke, Projektverantwortlicher für Bildungspartnerschaften der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen das Problem auf den Punkt. "Deswegen müssen wir Maßnahmen ergreifen, wie wir dem begegnen können." In diesem Zusammenhang seien die Bildungspartnerschaften von Schulen und regionalen Unternehmen wichtig.
Andreas Schwarz, Landtagsabgeordneter der Grünen: "Der frühe Kontakt mit der fachlichen Praxis und die Schaffung von Bildungsbrücken zwischen Schulen und Unternehmen sind ein gutes Werkzeug, jungen Menschen eben diese berufliche Orientierung zu ermöglichen und sie über Berufsbilder zu informieren."
Stefan Rothe, der Personalleiter der JW Froehlich Maschinenfabrik, ist 2010 mit dem Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden eine Bildungspartnerschaft eingegangen. Das Unternehmen fertigt Prüfsyteme, mit denen Motoren vor dem Einbau getestet werden. JW Froehlich beschäftigt 150 Personen in Leinfelden. Rothe nannte drei Gründe, die ihn bewogen haben, eine Bildungspartnerschaft einzugehen: Verantwortung, Imageförderung und Nachwuchssicherung. "Wir stellen nichts her, was man täglich in die Hand nimmt, sondern arbeiten in einer Nische." Daraus resultiere ein geringer Bekanntheitsgrad. Über Litschke sei es zur Kooperation mit der Schule gekommen. "Das IKG hat eine engagierte Schulleitung und eine offene Lehrerschaft. Für uns sind sie ein idealer Partner." Es stehe und falle mit dem Engagement der Schule. Nach einem Jahr Laufzeit weiß Rothe nun wie Schüler ticken: "Eine Terminvereinbarung sieht dann mal so aus, dass Schüler sagen, sie kommen in 15 Minuten vorbei. Bei manchen Treffen waren sie auch schlichtweg nicht vorbereitet." Am Anfang habe ihn das erschreckt, gibt Rothe zu. Doch das sei die Realität. Er bewertet die Partnerschaft mit der Schule sehr positiv.
Seit Mai 2009 gibt es nun solche Bildungspartnerschaften. "Seit dem Ende der Wirtschaftskrise 2010 läuft es dynamischer und wir konnten viele Initiativen abschließen." Inzwischen haben alle weiterführenden Schulen im Kreis Esslingen eine Partnerschaft. Litschke begleitet diese weiterhin, indem er den Kontakt hält. Die 150 Projekte zur Fachkräftesicherung sollen künftig besser koordiniert werden. "Außerdem wollen wir schon in der Grundschule und im Kindergarten die Kinder auf Technologieberufe aufmerksam machen."



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