Pascal Lamy "Kritiker treffen die Sache nicht"
Fragen von Jan-Dirk Herbermann, 28.07.2010 12:00 Uhr
Der WTO-Generaldirektor Pascal Lamy verteidigt den Freihandel vehement. Foto: dpa
Der WTO-Generaldirektor Pascal Lamy verteidigt den Freihandel vehement. Foto: dpa


In dem Sinne kann also jedes Land Überschüsse produzieren?


Natürlich. Jedes Land kann seinen Beitrag zur globalen Produktion steigern, wenn der Handel offen ist. Die Behauptung, dass nicht alle Länder ihre Exporte steigern können, ist eine makroökonomische Betrachtung und ergibt keinen Sinn.

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von fast zehn Prozent und der bevorstehenden Kongresswahlen wächst in den USA die Gefahr von Handelsbeschränkungen. Wie sicher ist das amerikanische Bekenntnis zum Freihandel noch?


Die Handelspolitik der neuen Regierung nimmt langsam Gestalt an. Das erste Anzeichen dafür ist, dass der Präsident jetzt das bilaterale Handelsabkommen mit Südkorea dem Kongress vorlegen wird. Zuvor hat er versprochen, die US-Exporte innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.

Der Abbau von Beschränkungen galt lange Zeit als das billigste Konjunkturprogramm überhaupt. Warum verfängt dieses Argument nicht in Zeiten knapper Kassen?


Die G-20 haben sich gerade noch einmal für den Freihandel starkgemacht. Und wir haben es geschafft, die Grenzen auch während der Krise offen zu halten. Egal, ob man nun davon ausgeht, dass der Abschluss der Welthandelsrunde (Doha) 200 oder 700 Milliarden Dollar zur globalen Wirtschaftsleistung beiträgt: es ist das billigste Konjunkturprogramm.

Die G-20-Mitglieder haben sich auf ihrem Treffen in Kanada nicht dazu verpflichtet, die Welthandelsrunde bis Ende 2010 abzuschließen. Immerhin ziehen sich die Verhandlungen zur Marktöffnung seit 2001 hin. Sind Sie enttäuscht?


Zum ersten Mal hatten wir in der G-20 substanzielle Diskussionen über die Welthandelsrunde. Der Fokus der G-20 waren der Welthandel und die Wirtschaftskrise, alle stimmten überein, dass der Handel kein Opfer der Krise werden darf.
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