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Stuttgart - Der Patient Wald ist auf dem Weg der Besserung . Erst jetzt, acht Jahre nach dem Jahrhundertsommer 2003, haben sich die Wälder im Südwesten von diesem extremen Trockenjahr erholt. Der Anteil der geschädigten Waldflächen ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 33 Prozent gesunken, erklärte der Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung des alljährlichen Waldzustandsberichts.
Diese guten Ergebnisse führte Bonde auf die Witterung zurück. Zwar hätten Urlauber und Freizeitsportler unter den regenreichen Sommermonaten gelitten, "aber Regen im Sommer ist gut für den Wald", sagte der Minister, der auch für den Tourismus zuständig ist. Einen Grund zur Euphorie sieht er jedoch nicht.
Denn die Buche, die wichtigste und am weitesten verbreitete Laubbaumart im Land, entwickle sich zum Sorgenkind. In immer kürzeren Abständen reagierten die Buchen mit starker Fruchtbildung, die die Bäume schwäche und das Wachstum verlangsame. Diese Entwicklung ist für Bonde eine "unmittelbare Folge des Klimawandels und häufiger Extremwetterlagen". Das sei insofern Besorgnis erregend, weil die Buche beim Waldumbau eine wichtige strategische Rolle spiele.
Der Klimawandel sätzt den Wäldern zu
"Wir wollen die Wälder fit machen für den Klimawandel", sagte Bonde. Eine Maßnahme sei die Förderung laubholzreicher Mischbestände. Die tieferwurzelnden Laubbäume seien stabiler gegenüber Umwelteinflüssen, Witterungsschwankungen und Orkanen als Nadelbäume. Eine weitere Maßnahme sei die Bodenschutzkalkung. Damit soll in den nächsten zehn Jahren ein weitgehend naturnaher Waldboden wiederhergestellt werden. Auch hier zeige sich das Langzeitgedächtnis des Waldes, sagte Bonde.
Der "saure Regen" in den 70er und 80er Jahren habe die Böden versauern lassen. Durch eine konsequente Luftreinhaltepolitik, die Filter in Großfeuerungsanlage, Katalysatoren in Autos und die Verminderung des Stickstoffausstoßes in der Landwirtschaft vorschrieb, habe sich der Säureeintrag in der Luft auf fast ein Drittel reduziert. Der Naturschutzbund Nabu kritisierte die Waldkalkung. Daraus entstünden weitere Umweltprobleme, etwa die Belastung des Grundwassers mit Nitrat.
Die Forstkammer Baden-Württemberg zeigte sich besorgt über den Klimawandel und die Erderwärmung, die den Wald unter Stress setze. Der Verband, der die privaten und kommunalen Waldbesitzer vertritt, forderte deshalb eine bessere finanzielle Unterstützung durch das Land bei der Bewältigung der Klimawandelfolgen. "Derzeit stehen die Forstbetriebe mit diesen Problemen alleine da", klagte der Geschäftsführer Jerg Hilt.
Dieser Forderung erteilte der Agrarminister eine klare Absage. Es sei eine originäre Aufgabe der Eigentümer, die guten Gewinne, die derzeit im Wald gemacht werden, so zu investieren, dass ihr Wald auch in Zukunft gute Gewinne bringt. Das Land Baden-Württemberg leiste seinen Beitrag durch das Waldmonitoring mitsamt verlässlichen Daten, Karten und Prognosen über die regionale Klimaentwicklung und die Veränderung der Waldstruktur.


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