Pegida Die Bewegung expandiert ins Ausland

Während in Deutschland darüber diskutiert wird, ob Pegida ein rein ostdeutsches Phänomen ist, entstehen in der Schweiz, Österreich, Belgien sowie den Niederlanden bereits Ableger.

Pegida hat in Dresden seit Wochen wachsenden Zulauf. Foto: dpa
Pegida hat in Dresden seit Wochen wachsenden Zulauf.Foto: dpa

Stuttgart - Pegida expandiert ins Ausland. Während in Deutschland noch darüber diskutiert wird, ob die Bewegung nur ein ostdeutsches Phänomen ist, entstehen in der Schweiz, Österreich, Belgien und den Niederlanden Ableger.

Dieser Tage gründeten rund ein Dutzend Personen den Verein „Pegida Schweiz“. Auf einer Facebook-Seite wird darauf hingewiesen, dass am 16. Februar die erste Demonstration stattfinden soll. Auf der Mitgliederliste von „Pegida Schweiz“ finden sich Personen mit einschlägiger Vergangenheit. Einer der Frontmänner ist Ignaz Bearth. Der 29-Jährige war früher Mitglied von Pnos – der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer. Nach Informationen des Schweizer „Tagesanzeiger“ steht er im Kontakt mit dem Front National in Frankreich und der FPÖ in Österreich.

Besuch aus Deutschland

Auf der Veranstaltung am 16. Februar wird nach Angaben auf der Facebook-Seite auch Besuch aus Deutschland erwartet. Tatjana Festerling, Mitbegründerin der AfD (Alternative für Deutschland), soll eine Rede halten. Sie wirbt auch im Profilfoto der Schweizer auf Facebook für den „1. Abendspaziergang“. Wo der stattfinden wird, ist noch unklar. Allerdings haben sich auch schon die Gegner formiert. Die Facebook-Seite „Nopegida Schweiz“ hat bereits nach wenigen Tagen mehr als 7000 Likes bekommen. Die Gruppe hat ebenfalls für den 16. Februar eine Demonstration angekündigt.

Auch in Österreich steht der Termin für den ersten Pegida-Marsch schon fest. Am 2. Februar ist eine Demonstration in Wien geplant. Stellungnahmen wollen die Mitglieder nach eigenen Angaben nicht abgeben; sie sind noch mit der Organisation beschäftigt.

Antwerpen bereitet sich vor

Auch im belgischen Antwerpen laufen die Vorbereitungen für eine erste Pegida-Demonstration auf Hochtouren. Sie soll am Montag, 26. Januar, stattfinden. „Wir wollen ein Signal setzen und davor warnen, dass unsere Freiheiten bedroht sind“, begründet der Initiator Hans Dubois (47) das Ziel: „Wir sind gegen ein totalitäres System, das die Demokratie unterminiert, wie das der Faschismus und der Kommunismus getan haben. Heute ist der totalitäre Islam das Problem“, sagt er. Auch in den Niederlanden formiert sich „Pegida-Nederland“, die nach eigenen Angaben schon „mindestens 4000 Mitglieder“ hat. Ein Datum für eine erste Demonstration steht aber noch nicht fest.

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7 Kommentare Kommentar schreiben

Sorry und mit Verlaub,...: hier "expandiert" etwas völlig anderes. Die Menschen, die für "Pegida" auf die Straße gehen sind der kleinste Anteil in der Bevölkerung, die zu den Verlierern einer Wohlstandsgesellschaft gehören, die die Wohlstandbeteiligung des Einzelnen an immer mehr und vom Bürger nicht einlösbare Bedingungen knüpft. Als äusserst expansiv möchte ich die vom Kapital quasi anhängige Politik betrachten, die ihre Menschen und Existenzen vernichtende Geld- wie Arbeitspolitik über ganz Europa stülpen und eine parallelgesellschaftliche Gettoisierung betreiben, die nichts anderes in den Köpfen produziert als Angst vor der Zukunft. Ich empfehle heute zur Wissenbildung den Artikel Angst, Krieg und die Unterhose:http://www.ossietzky.net/2-2010

Herr Krauß: Ich lese Ihre Kommentare gerne und entdecke in ihnen jedesmal vernünftige Überlegungen. Nur auf das "Kapital" scheinen Sie zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, denn Sie nennen nie realistische Alternativen oder Auswege aus den kapitalgenerierten Übeln. Ich denke, das "Kapital", früher nannte man es Mammon", ist so alt wie der alte Adam selbst, d.h. wir werden es nicht aus der Welt schaffen sondern höchstens zügeln können, etwa durch eine verstärkte Demokratisierung des gesamten Globus.

Wie wär's denn mit einer Rücknahme von Hartz IV?: Das ist übrigens eine Forderung eines Teils der PEGIDA-Mitläufer -- zwar merkwürdig, dass das im Rahmen einer Antiislamisierungskampagne läuft, aber diese Forderung gibt es. Und wie wär's mit einer Stärkung der gesetzlichen Rente? Verbot der Werbung für Riester- und Rürup-Rente? Abschaffung der privaten Krankenversicherung? Abschaffung des Berufsbeamtentums? Koppelung der Bezüge der Bundestagsabgeordneten und der Bundesregierung (insbesondere auch die späteren Pensionen!) an den Verdienst der Durchschnittsbevölkerung? All das wären Maßnahmen im relativen kleinen Rahmen, man muss nicht auf die Demokratisierung (oh weh, wer soll die denn vorantreiben? Sagen Sie bloß nicht USA und EU!) der Welt warten. Man muss einfach den Spezialdemokraten und den sogenannten Christen öfter mal auf die Finger hauen.

Deutschland hat viele offene Wunden!: Was Sie da Her Schramm alles aufgezählt haben, stimmt einen mehr als nachdenklich. Wer denkt schon gerne darüber nach, die blutenden Wunden zu versorgen? Ich denke, die Wunden werden für die Zukunft noch viel größer und mit einem Pflaster ist da nicht mehr gedient. Wie dann in den nächsten Jahren Ihre Aufzählungen größer werden und hier der Platz für ein Kommentar ausreicht? Gruß vom neutralen und doch sehr nachdenklichen Motzkigele

Nationalstaatliche Lösungen: Wie war es denn um die Beschäftigung in Deutschland und um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft vor den Schröder'schen Reformen bestellt (Kohl'scher Reformstau etc.)? Wollen wir diese Verhältnisse wirklich zurück? Das international vagierende Kapital (Stichwort "Heuschrecken") wird sich einen Dreck scheren um den Standort Deutschland, wenn es anderswo bessere Gewinnchancen sieht. Und was ist schon der deutsche Markt mit seinen bescheidenen 80 Mio. Abnehmern gegen den chinesischen mit seinen 1.300 Mio., von weiteren Zukunftsmärkten ganz zu schweigen? Nein, ohne eine international vernetzte, von der Basis der Lohnabhängigen ausgehende Demokratisierungsbewegung werden wir gegen das Kapital nichts, aber auch gar nichts ausrichten können, denn von der Möglichkeit, Gesellschaften, Staaten, ja ganze Kontinente gegeneinander auszuspielen, wird es ohne massiven internationalen Gegenwind auch künftig schamlos Gebrauch machen. Und glauben Sie bloß nicht, dass ich die USA, dieses Mekka des rücksichtslosesten Kapitalismus aller Zeiten als Vorhut einer weltweiten Demokratisierung für berufen hielte! Dann schon eher eine EU, obwohl die auch nicht in allem das ist, zu was sie in Sonntagsreden immer hochstilisiert wird. Eine weltweit installierte soziale Marktwirtschaft, die freilich nur unter strikter demokratischer Kontrolle wirklich funktioniert, wäre auf alle Fälle das bessere Zukunftsmodell als ein Sozialismus, der die Frage der Wertschöpfung hintanstellt und so die soziale Frage letztlich nur verschärft.

Richtig!: Wenn man dann noch die Einschüchterung in der Arbeitswelt erwähnt, der wir nun schon seit langer Zeit ausgesetzt sind, ist der Kern der Sache doch schon fast auf den Tisch gespuckt. Wir zittern doch jeden Tag um unsere Existenz und das ist der Joker, mit dem die Mächtigen uns gefügig gemacht haben und sobald die Hand ausgestreckt wird, auf der ein paar Körnchen des Reichtums liegen, picken wir gierig nach jenen und bedanken uns auch noch. Die Mächtigen müssen sich doch darüber schon längst amüsieren und wir Deppen sind mit Sicherheit bei jeder Planung, bei jeder Sitzung bezüglich der Zukunft auf der Tagesordnung, nur als Nummer, eingefügt in der Statistik, die entscheidet, sein, oder nicht sein. So wurden die Reichen reicher und die Schwachen immer ärmer. Wenn juckt´s? Wer steht auf und wert sich? Kaum noch jemand, da der Maßanzug Angst vortrefflich geschneidert wurde. Gruß vom Motzkigele

"Die allzu spitz sind brechen" (Wolf Biermann): Vorausblickende Unternehmer haben längst erkannt, dass das von Ihnen völlig zu Recht kritisierte Gegeneinanderauspielen der Arbeitnehmer für ihre Firmen auf die Dauer kontraproduktiv ist, nur die Quartalsberichtsschnösel juckt dies nicht, denn sie können nach einer Kündigung von ihren Boni immer noch gut leben. Das Gute am Bösen ist glücklicherweise, dass es sich irgendwann selbst verzehrt. Leid tun können einem nur die unschuldigen Opfer, die dabei auf der Strecke bleiben.

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