Personalrochaden Im Rathaus beginnt das große Stühlerücken

Von Thomas Braun 

Nach dem Ausscheiden von OB Wolfgang Schuster aus dem Amt wird sich im Rathaus das Personalkarussell drehen. Mehrere Spitzenjobs werden wohl neu besetzt, darunter auch der des OB-Sprechers.

Nach Fritz Kuhns Sieg bei der OB-Wahl kommt Bewegung ins Personaltableau des Stuttgarter Rathauses. Foto: Achim Zweygarth
Nach Fritz Kuhns Sieg bei der OB-Wahl kommt Bewegung ins Personaltableau des Stuttgarter Rathauses.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Mit dem Amtsantritt eines neuen Oberbürgermeisters gibt es in der Regel auch in einer Stadtverwaltung Personalrochaden. Zwar ist Wolfgang Schuster (CDU) offiziell noch bis zum 7. Januar im Amt, doch der gewählte Nachfolger Fritz Kuhn (Grüne) führt dem Vernehmen nach bereits intensive Personalgespräche. Insbesondere in den Stabsstellen sowie im persönlichen Umfeld des OB stehen nach Informationen der Stuttgarter Zeitung im neuen Jahr diverse Veränderungen an.

Was der derzeitige Rathauschef selbst in Zukunft vorhat, bleibt erst einmal im Ungefähren. Wolfgang Schuster wird auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Mitglied des Regionalparlaments sein – die Mitgliedschaft ist nicht an den OB-Posten gebunden. Auch seine Tätigkeit als Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas sowie als Vizepräsident und Vorsitzender der Europäischen Sektion des kommunalen Weltverbandes United Cities and Local Governments wird er weiterhin wahrnehmen. Ob er sich darüber hinaus politisch engagiert, ist offen. „Der OB hat noch nicht entschieden, was er nach seiner Amtszeit macht. Darüber wird er sich nach dem 7. Januar Gedanken machen“, sagt sein Sprecher Markus Vogt. Fest stehe lediglich, dass er sich auf Bitte der Bundeskanzlerin weiter im Rat für Nachhaltige Entwicklung engagieren werde.

Stabsstellenleiter muss sich neuen Job suchen

Zumindest einige seiner Mitarbeiter dagegen werden ihre Funktionen aufgeben müssen oder wollen. Dazu zählt etwa der Chef der OB-Stabsstelle, der Christdemokrat Reinhard Schlossnikel. Er ist seit Schusters Amtsantritt im Jahr 1997 ein enger Vertrauter des OB und leitete lange Jahre das, wie es offiziell heißt, Referat Koordination und Planung des Oberbürgermeisters. Aus Sicht vieler Stadträte bewies er dabei nicht immer eine glückliche Hand. Ob Automobilsommer, Mobilitätszentrum oder E-Car2go – Schlossnikel lieferte häufig Vorlagen, Initiativen und Vorstöße, von denen sich Teile des Gemeinderats überfahren fühlten. Dass er das Rathaus verlassen wird, steht so gut wie fest. Nach Informationen der StZ soll Schlossnikel schon mal bei der Landesmesse wegen eines Jobs vorgefühlt haben.

Zu denjenigen, über deren weitere Verwendung spekuliert wird, zählt auch die Büroleiterin Schusters, Andrea Klett-Eininger. Dabei zeichnen sich offenbar zwei Varianten ab. Entweder wechselt die Juristin, der selbst Grünen- und SPD-Stadträte bescheinigen, sie stelle Loyalität über Parteipräferenz, als Nachfolgerin des in den Ruhestand gehenden Alfons Schwedler an die Spitze des städtischen Rechtsreferats. Oder aber sie behält ihren derzeitigen Job und hält künftig dem OB Fritz Kuhn den Rücken frei. Die Entscheidung, so heißt es im Rathaus, sei noch nicht gefallen.

Stadtsprecher künftig Stadtwerkesprecher?

Die dritte Personalie betrifft den OB-Sprecher Markus Vogt. Der ausgebildete Journalist und CDU-Mann aus dem Sauerland hatte den Job im Presseamt 2010 nach diversen und teilweise abrupten Personalwechseln übernommen und der Öffentlichkeitsarbeit eine gewisse Stabilität verliehen. Im Zuge der Auseinandersetzung über Stuttgart 21 hatte Vogt die undankbare Aufgabe, die Position Wolfgang Schusters zu rechtfertigen – beispielsweise den OB-Brief unmittelbar vor der Volksabstimmung. Dieser war von vielen projektkritischen Bürgern als Werbung für den umstrittenen Tiefbahnhof aufgefasst worden. Vogt spricht möglicherweise nicht mehr lange für die Stadt, sondern für die Stadtwerke. Nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung könnte er künftig für die Marketingstrategie des neuen kommunalen Energieversorgers zuständig sein.

Bleibt die Frage, was aus der städtischen Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht wird. Seit März 2011 amtiert die Christdemokratin als Nachfolgerin ihres Parteifreundes Klaus Vogt – und bis heute fragen sich manche im Rathaus, ob sie den Chefposten nicht hauptsächlich dem richtigen Parteibuch zu verdanken hat. Der OB hat Ines Aufrecht turnusgemäß erst jüngst befördert: Die Beamtin ist von der Besoldungsgruppe A 15 in die Gruppe A 16 befördert worden. Das bringt ihr 5519 Euro und damit immerhin rund 600 Euro mehr ein als zuvor. Aufrecht könnte, so wird spekuliert, auf eine gleichwertige Position im Rathaus weggelobt werden. Ihr traut man offenbar nicht zu, sich Kuhns Mantra von den grünen Ideen, mit denen man schwarze Zahlen schreibt, zu eigen zu machen.

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8 KommentareKommentar schreiben

Den Kärcher bekommt Fritz Kuhn zur Not von mir geschenkt: Also mit diesen verbogenen Parteibuchagenten wollte ich als neuer OB auch nicht zusammenarbeiten. Bei denen lief in der Vergangenheit unter Schuster auch nicht alles rund, diesem Eitelfilz. Raus mit denen, Stuttgart braucht einen Neuanfang. Mit diesen Klüngelfiguren geht das nicht. Das ist wirklich ein normaler politischer Prozess, ich kann mich doch nicht auf politische Gegner verlassen, schon gar nicht in diesem moralisch heruntergekommenen Stuttgart, in der konservative Kräfte jeden Strohhalm nutzen, dem politischen Gegner zu schaden, selbst wenn es negative Auswirkungen auf die Stadt hätte, das ist denen egal. Lieber noch ein paar Schwarzeulen mehr rausschmeißen. EInmal bitte mit 50 bar im Rathaus mit Dampf durchblasen, danke! Kann man diese Frau Aufrecht (CDU-Parteisoldat) nicht einfach feuern, die CDU hat eben ausgefurzt im Rathaus, nach den 20 Monaten, die ist noch jung! Kann sich doch was suchen, dann kann sie lernen, wie das Leben so ist ohne Parteibuch.

Sperrmüll im Rathaus auf Staatskosten?: Was hier geschoben wird, ist schon irre. Also der Filz muss weg und ich sehe es wie @Hannelore, die Stuttgarter Zeitung scheint doch sehr oft CDU-Anhänger zu sein, oder seit ihr dazu verdonnert? Filz bei der STZ? Eher, als nicht! ;-)) Es kann nur besser werden! Wünschen tue ich es mir für alle, die in Stuttgart leben, du, du und ich!!!

alter Filz raus - neuer Filz rein: Wer denkt,dass sich was ändert,hat sich geirrt. Hier werden nur hochbezahlte Beamte durch gleichbleibende Gehälter(oder mehr)auf andere Posten geschoben und dafür neue Grüne hochgebracht,damit diese den neuen ,grünen Filz(ebenfalls bei sehr guter Bezahlung)aufbauen.

Jobverteilung: Na toll. Jetzt gib es wieder die Chance seinen Fans und Mitkämpfern ein Pöstchen zu vermitteln. Obwohl ja eigentlich der OB überparteilich arbeitet

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf: Typisch Stuttgarter Zeitung: 'Zumindest einige seiner (Schusters) Mitarbeiter dagegen werden ihre Funktionen aufgeben müssen oder wollen.' Falls es Euch noch niemand gesagt haben sollte, liebe Schuster-Fans dieser 'Qualitätszeitung' (Selbst-Einschätzung): Euer Liebling muss seinen Posten in Kürze ebenfalls räumen. Nein, er darf ihn auch nicht einem anderen CDU-Filzer vererben - sorry!

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