Personalrochaden Im Rathaus beginnt das große Stühlerücken

Thomas Braun, 24.11.2012 13:14 Uhr

Stuttgart - Mit dem Amtsantritt eines neuen Oberbürgermeisters gibt es in der Regel auch in einer Stadtverwaltung Personalrochaden. Zwar ist Wolfgang Schuster (CDU) offiziell noch bis zum 7. Januar im Amt, doch der gewählte Nachfolger Fritz Kuhn (Grüne) führt dem Vernehmen nach bereits intensive Personalgespräche. Insbesondere in den Stabsstellen sowie im persönlichen Umfeld des OB stehen nach Informationen der Stuttgarter Zeitung im neuen Jahr diverse Veränderungen an.

Was der derzeitige Rathauschef selbst in Zukunft vorhat, bleibt erst einmal im Ungefähren. Wolfgang Schuster wird auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Mitglied des Regionalparlaments sein – die Mitgliedschaft ist nicht an den OB-Posten gebunden. Auch seine Tätigkeit als Präsident des Rats der Gemeinden und Regionen Europas sowie als Vizepräsident und Vorsitzender der Europäischen Sektion des kommunalen Weltverbandes United Cities and Local Governments wird er weiterhin wahrnehmen. Ob er sich darüber hinaus politisch engagiert, ist offen. „Der OB hat noch nicht entschieden, was er nach seiner Amtszeit macht. Darüber wird er sich nach dem 7. Januar Gedanken machen“, sagt sein Sprecher Markus Vogt. Fest stehe lediglich, dass er sich auf Bitte der Bundeskanzlerin weiter im Rat für Nachhaltige Entwicklung engagieren werde.

Stabsstellenleiter muss sich neuen Job suchen

Zumindest einige seiner Mitarbeiter dagegen werden ihre Funktionen aufgeben müssen oder wollen. Dazu zählt etwa der Chef der OB-Stabsstelle, der Christdemokrat Reinhard Schlossnikel. Er ist seit Schusters Amtsantritt im Jahr 1997 ein enger Vertrauter des OB und leitete lange Jahre das, wie es offiziell heißt, Referat Koordination und Planung des Oberbürgermeisters. Aus Sicht vieler Stadträte bewies er dabei nicht immer eine glückliche Hand. Ob Automobilsommer, Mobilitätszentrum oder E-Car2go – Schlossnikel lieferte häufig Vorlagen, Initiativen und Vorstöße, von denen sich Teile des Gemeinderats überfahren fühlten. Dass er das Rathaus verlassen wird, steht so gut wie fest. Nach Informationen der StZ soll Schlossnikel schon mal bei der Landesmesse wegen eines Jobs vorgefühlt haben.

Zu denjenigen, über deren weitere Verwendung spekuliert wird, zählt auch die Büroleiterin Schusters, Andrea Klett-Eininger. Dabei zeichnen sich offenbar zwei Varianten ab. Entweder wechselt die Juristin, der selbst Grünen- und SPD-Stadträte bescheinigen, sie stelle Loyalität über Parteipräferenz, als Nachfolgerin des in den Ruhestand gehenden Alfons Schwedler an die Spitze des städtischen Rechtsreferats. Oder aber sie behält ihren derzeitigen Job und hält künftig dem OB Fritz Kuhn den Rücken frei. Die Entscheidung, so heißt es im Rathaus, sei noch nicht gefallen.

Stadtsprecher künftig Stadtwerkesprecher?

Die dritte Personalie betrifft den OB-Sprecher Markus Vogt. Der ausgebildete Journalist und CDU-Mann aus dem Sauerland hatte den Job im Presseamt 2010 nach diversen und teilweise abrupten Personalwechseln übernommen und der Öffentlichkeitsarbeit eine gewisse Stabilität verliehen. Im Zuge der Auseinandersetzung über Stuttgart 21 hatte Vogt die undankbare Aufgabe, die Position Wolfgang Schusters zu rechtfertigen – beispielsweise den OB-Brief unmittelbar vor der Volksabstimmung. Dieser war von vielen projektkritischen Bürgern als Werbung für den umstrittenen Tiefbahnhof aufgefasst worden. Vogt spricht möglicherweise nicht mehr lange für die Stadt, sondern für die Stadtwerke. Nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung könnte er künftig für die Marketingstrategie des neuen kommunalen Energieversorgers zuständig sein.

Bleibt die Frage, was aus der städtischen Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht wird. Seit März 2011 amtiert die Christdemokratin als Nachfolgerin ihres Parteifreundes Klaus Vogt – und bis heute fragen sich manche im Rathaus, ob sie den Chefposten nicht hauptsächlich dem richtigen Parteibuch zu verdanken hat. Der OB hat Ines Aufrecht turnusgemäß erst jüngst befördert: Die Beamtin ist von der Besoldungsgruppe A 15 in die Gruppe A 16 befördert worden. Das bringt ihr 5519 Euro und damit immerhin rund 600 Euro mehr ein als zuvor. Aufrecht könnte, so wird spekuliert, auf eine gleichwertige Position im Rathaus weggelobt werden. Ihr traut man offenbar nicht zu, sich Kuhns Mantra von den grünen Ideen, mit denen man schwarze Zahlen schreibt, zu eigen zu machen.