Pest in Afrika Wer hat Angst vorm Schwarzen Tod?

Von wa 

Vom „Schwarzen Tod“ ist in unseren Breiten meist nur in Mittelalter-Romanen die Rede. Nun warnen Experten vor dem jüngsten Ausbruch der Pest in Madagaskar, der ungewöhnlich viele Todesopfer fordert. Müssen die Menschen nun auch in Europa Angst vor dem Schwarzen Tod haben?

Die Menschen in Madagskar schützen sich vor dem Pestbakterium: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO starben seit August 24 Menschen an der Pest; 131 infizierten sich. Foto: AP 11 Bilder
Die Menschen in Madagskar schützen sich vor dem Pestbakterium: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO starben seit August 24 Menschen an der Pest; 131 infizierten sich. Foto: AP

Tübingen - „Es gab viele, die bei Tag oder Nacht auf offener Straße verschieden, viele, die ihren Geist in den Häusern aufgaben und ihren Nachbarn erst durch den Gestank, der aus ihren faulenden Leichen aufstieg, Kunde von ihrem Tod brachten.“ So beschrieb der italienische Dichter Giovanni Boccaccio in „Decamerone“, wie die Pest ein Jahr später in Florenz wütete. In fünf Jahren riss die Seuche ein Drittel der damaligen Bevölkerung von 1347 in den Tod.

Nun, knapp 700 Jahre später, scheint die Pest wieder bedrohlich an Macht zu gewinnen: Der jüngste Ausbruch in Madagaskar fordert ungewöhnlich viele Todesopfer. Im Vergleich zu vergangenen Ausbrüchen seien sehr schnell viele Menschen an der Krankheit gestorben, sagte August Stich vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO starben seit August 24 Menschen; 131 infizierten sich. Besonders gefährlich ist in diesem Jahr, dass gleichzeitig Fälle von Beulen- und der selteneren Lungenpest auftreten.

Die Pest verbreitet sich vornehmlich über Flohbisse

Auslöser ist das Pestbakterium Yersinia-pestis, das sich gern in Flöhen einnistet, die es dann wiederum auf den Menschen übertragen können. Laut Experten verstopft das Bakterium den Magen des Flohs. In dem Moment, in dem das Tier zubeißt, erbricht es seinen gesamten Mageninhalt in die Wunde und infiziert dadurch seinen Wirt. Bei der Beulenpest bildet sich um den Flohbiss eine riesige Beule aus, die mit einer normalen allergischen Reaktion nach einem Insektenbiss nicht zu vergleichen ist. Was folgt ist eine Inkubationszeit von etwa sieben bis zehn Tagen und bei Nichtbehandlung ein verheerender Verlauf der Krankheit: Die Organe zersetzen sich und versagen, der gesamte Körper wird überschwemmt von Bakterien, was schließlich zum Tod führt. „Bei der Beulenpest sind erst die Lymphknoten der Menschen betroffen und schwellen an. Erst danach breitet sich die Krankheit weiter im Körper aus und trifft die Lunge“, bestätigt auch der Würzburger Experte August Stich.

Bei der Infektion mit der Lungenpest genügt auch schon ein Niesen oder Husten

Die Lungenpest wiederum, die ebenfalls vom Pestbakterium Yersinia-pestis ausgelöst werden kann, kann über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie gilt als sehr aggressive Form der Erkrankung, weil sie die Lymphknoten als Abwehrzentren umgeht und direkt die Lunge angreift. Es dauert meist gerade einmal 24 Stunden bis unter Atemnot und starken Schmerzen schwarz-blutiger Auswurf abgehustet wird. In der Folge entwickeln sich schwere Wassereinlagerungen in der Lunge, die zum Kreislaufversagen führen. Unbehandelt endet die Lungenpest fast immer tödlich.

Ähnlicher Verlauf wie bei der Ebola-Epidemie möglich?

Inzwischen wurde die Befürchtung laut, dass die Pest sich auch auf andere Länder in der Region ausbreiten könnte. Wegen der zahlreichen Flugverbindungen bestehe durchaus Gefahr, dass die hoch ansteckende Seuche auch die Nachbarinseln im Indischen Ozean erreicht, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am vergangenen Dienstag in Genf. Eine Reisewarnung wurde bislang aber nicht ausgesprochen.

Die Sorge ist groß, dass sich ein ähnliches Szenario entwickeln könnte, wie bei der Ebola-Epidemie in Westafrika im Jahr 2014. Die WHO hatte erst nach wochenlangem Zögern den globalen Gesundheitsnotstand zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie ausgerufen. Damit konnten dann weltweit koordinierte Abwehrmaßnahmen gegen den damals bereits mit Abstand schwersten bisherigen Ebola-Ausbrauch eingeleitet werden. Insgesamt sind der Epidemie mehr als 11 300 Menschen zum Opfer gefallen, mehr als 28 000 hatten sich infiziert.

Pest besser behandelbar

Doch im Gegensatz zu dem Ebola-Erreger ist der Pest-Erreger recht gut behandelbar: Eine Antibiotika-Therapie genügt, sagt der Fachabteilungsleiter an der Missionsklinik in Würzburg, August Stich. Eine Impfung gegen das Pestbakterium gibt es zwar auch, doch die bietet nur kurzfristigen Schutz und ist schlecht verträglich. Grundsätzlich braucht es zur Bekämpfung der Pest eine medizinische Versorgung, wie sie in Madagaskar nicht gewährleistet sei, so Stich. Der Inselstaat vor der afrikanischen Ostküste zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Problematisch sind dort auch die hygienischen Bedingungen, weshalb die Pest dort immer wieder aufflackern kann. Und nicht nur da: Noch heute erkranken pro Jahr etwa 3000 bis 4000 Menschen an der Pest – hauptsächlich in afrikanischen Staaten. In Deutschland gilt die Pest als nahezu ausgerottet.