Peter-Glaser-Kolumne Alles Gute vom Computer
Peter Glaser, 03.02.2010 06:44 Uhr
Facebook, Myspace, StudiVZ: die "sozialen Netzwerke" sorgen für Geburtstagsglückwünsche en masse. Foto: dpa
Facebook, Myspace, StudiVZ: die "sozialen Netzwerke" sorgen für Geburtstagsglückwünsche en masse. Foto: dpa
Stuttgart - Ein alter Freund, A., hatte Geburtstag. Er erzählte mir, wie verwundert er war über das unerwartete Ausmaß an Gratulationen. Vor Jahren hatte man, neben den obligaten Glückwünschen von Verwandten und engen Freunden, plötzlich auch öfters ein pseudo-personalisiertes Anschreiben seiner Bank o. ä. erhalten - "Wir freuen uns, Herr Glaser, Sie, Herr Glaser, mit unserem Angebot bekanntmachen zu dürfen, Herr Glaser."

Im Übrigen merkte man am Zurückgehen der Gratulantenmasse (oder vielleicht besser: des Gefühls, dass die ganze Welt mit einem Geburtstag feiert), dass man älter wird. Die verbleibenden Glückwünsche waren gewissermaßen gekeltert, reifer Wein. Eine milde Glut tief in der Mitte. Und jetzt ein Glückwunschtsunami. Haufenweise Leute, die man kaum kennt, gratulieren einem zum Jubeltage Geschäftspartner, flüchtige Bekannte. Menschen, denen man noch nie leibhaftig begegnet ist - nur im Netz.

Nach kurzem Überlegen hatte A. damit auch die Quellen der neuartigen Zuwendung eingepeilt: die sozialen Netze. Ob Facebook, Xing oder StudiVZ, alle halten einem die sogenannten Pflichtfelder zum Ausfüllen vor die Nase, wenn man einen Account einrichten möchte, um sich in dieser neuen Welt umzutun. Mit dabei: das Geburtsdatum.

Ohne Netzwerk gratuliert keiner


Mancher wünscht sich inzwischen eine Zeit zurück, die für Ältere noch gar nicht richtig vergangen ist und in der man ein paar wichtige Daten seiner Freunde in einem Kalender notiert hatte. Digital gut vernetzten Menschen fällt auf, dass ihnen nur noch die Großeltern und die allerengsten Freunde persönlich zum Geburtstag gratulieren. Im Netz gibt's automatische Geburtstagserinnerungen.

Das ist praktisch, zugleich aber auch ärgerlich - einerseits für diejenigen, die gratuliert bekommen und wissen, dass der Gratulant sich nicht einmal die Mühe machen musste, ihren Geburtstag in einen Kalender einzutragen, und auch dass der Überbringer der Freundlichkeit sich bestimmt nicht von sich aus erinnert hat, sondern dass ein Algorithmus ihn dazu gebracht hat, zu gratulieren. Diejenigen, die sich den sozialen Medien verweigern, fallen komplett unter den Tisch. Die meisten ihrer online-affinen Freunde besitzen keinen Kalender mehr - nicht einmal einen elektronischen.

A. hat sich etwas ausgedacht, um beim nächsten Mal den Gratulierfolgen der Pflichtfelder zu entgehen: Er will falsche Angaben machen. Das machen erstaunlich viele Leute. Marktforschung via Internet ist etwas, das keinen besonders soliden Grund unter den Füßen hat. Ein falsch angegebenes Geburtsdatum hat übrigens noch unangenehmere Folgen als ein richtiges. Ich hatte mal irgendwo den 1.1. als Geburtsdatum angegeben und musste nach dem zehnten Glückwunsch, natürlich alle ernst gemeint, erst einmal ein Dementi verteilen. Ich wollte nicht sie verschaukeln, sondern das System. Aber das geht nicht.

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Bemerkenswertes aus der digitalen Welt
: Glaserei »
Kommentare (1)
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FEB
04
André Kramer, 08:36 Uhr

Wo die StZ abschreibt

Alles nur geklaut: http://www.heise.de/ct/artikel/Editorial-914105.html