Peter-Glaser-Kolumne Schnüffler an der Steckdose
Peter Glaser, 14.04.2010 08:04 Uhr
Google erhält nun direkt über die Steckdose Informationen über das Konsumverhalten amerikanischer Haushalte. Foto: dpa
Google erhält nun direkt über die Steckdose Informationen über das Konsumverhalten amerikanischer Haushalte. Foto: dpa
Stuttgart - Als der Informatiker Dany Hillis in den achtziger Jahren eine neue Generation von Supercomputern baute, entwarf er auch eine Zukunft für die Maschinen. Er stellte sich Datenkraftwerke vor - mächtige Maschinen, die Computerleistung wie elektrischen Strom für jedermann bereitstellen würden. Heute wird die Vorstellung von Hillis Wirklichkeit: sie heißt nun Cloud Computing, und die Datenkraftwerke Data-Center. Einige der größten davon betreibt, verstreut über verschiedene Weltgegenden, der Suchmaschinengigant Google.

Inzwischen hat der Unternehmensableger Google Energy die Genehmigung erhalten, mit Strom zu handeln. Die Menschenfreunde in der Google-Filiale widmen sich der Armutsbekämpfung, dem Umweltschutz - und der Energiefrage. Wozu engagiert sich ein Suchmaschinenbetreiber auf dem Strommarkt? Da die Data-Center Stromfresser sind, kann Google mit Großhandelspreisen seine Kosten senken, auch indem gerade nicht benötigte Kapazitäten weiterverkauft werden. Aber auch um die Auswertung von Verbrauchsdaten kümmert sich Google. Intelligente Stromzähler, die Google Power-Meter, sollen für Verbraucher transparent machen, welche Geräte im Haushalt wie viel Energie fressen. Während man mit der Einführung eines intelligenten Stromnetzes in den USA die Effizienz des überlastungsgefährdeten Stromnetzes erhöhen will, wird in Deutschland damit eine EU-Vorgabe erfüllt: Stromlieferanten müssen ihren Kunden bis 2012 die Energiekosten transparenter machen.

Berge von Stromdaten werden angesammelt


Die so anfallenden Daten ermöglichen aber nicht nur die Erkundung von Energiesparpotenzialen, sondern auch Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Nutzer. Anhand des für bestimmte Geräte typischen Stromverbrauchs lässt sich ermitteln, ob jemand zum Zubereiten des Mittagessens eher die Mikrowelle, den Herd oder den Ofen benutzt, wann Fernseher und Computer ein- und ausgeschaltet werden, wann der Bewohner seine Wäsche wäscht, zu Bett geht und so weiter.

Auch ausbleibender Stromverbrauch gibt Auskünfte, etwa ob es ein Frühstück gab oder ob die Dusche benutzt wurde. Nicht nur Privatpersonen werden durch Elektrizitätsdaten durchscheinend. Zehn Meilen nordöstlich von Washington stehen die leistungsfähigsten Computer der Erde im Datenzentrum des Supergeheimdienstes National Security Agency (NSA). Zur Leistungsfähigkeit der NSA-Computer gibt es keine offiziellen Auskünfte - aber der Stromverbrauch der Behörde, der öffentlichen Dokumenten entnommen werden kann, erlaubt eine Schätzung.

Bis jetzt ist völlig ungeklärt, was mit den von den Stromanbietern Google gesammelten Daten aus Privathaushalten geschieht. Die Frage sollte vor der flächendeckenden Einführung intelligenter Stromnetze dringend beantwortet werden.

Vortrag
Am Mittwoch, den 14. April beginnt in Berlin die Konferenz "Re-publica" zu sozialen Medien. Der Eröffnungsvortrag unseres Autors ist von 11 Uhr an auf seinem Blog nachzulesen:

Email an den Autor:
p.glaser@stz.zgs.de »

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