In Petras Grieserts Welt ist alles möglich: Maria und Josef tragen T-Shirts und wärmen sich an einem Feuer, und das Christkind ist nicht zu sehen. Aber die Frau und der Mann sind glücklich, sie strahlen und sie sind unterwegs. Der Stall ist nicht zerfallen. Vielleicht sind das ja wesentliche Punkte, die bisher einfach noch niemandem aufgefallen sind?
"Petras (andere) Welt" ist zurzeit im Café B 21 in Eltingen zu sehen, einem hübschen Lokal, in dem Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten. Regelmäßig gibt es dort Ausstellungen, die Brigitte Guggenbiller organisiert. Mit den Bildern von Petra Griesert, die 1964 in Frankfurt an der Oder geboren wurde und seit 1995 in der Leonberger Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet, werden diesmal Werke gezeigt, die sich der "Art Brut" zurechnen lassen. Der Begriff wurde um 1945 vom französischen Künstler Jean Dubuffet kreiert und der offiziellen Kunst gegenüber gestellt. "Art brut" wird von Menschen geschaffen, die wegen seelischen oder intellektuellen Beeinträchtigungen einen besonderen Platz in der Gesellschaft einnehmen - oft an deren Rand. Ihre unverbildete Art, die Welt zu sehen, besitzt einen ganz eigenen Reichtum - und öffnet den Blick für Neues.
Die Motive, die sich in den mit Buntstiften in den leuchtendsten Farben gemalten Bildern von Petra Griesert wiederfinden, zeigen oft einen direkten Bezug zum Umfeld, in dem die Künstlerin lebt. Griesert, die seit vielen Jahren Malkurse der Behindertenhilfe besucht, malt Dinge und Personen, die für sie wichtig sind; aber sie malt sie selten so, wie sie anderen vielleicht erscheinen mögen. Sie setzt eigene Schwerpunkte, was dazu einlädt, die eigenen, selbstverständlich erscheinenden Wertungen zu überdenken. Sie hat ihre eigene künstlerische Handschrift und verwendet immer wieder Elemente, die wie Symbole in fast allen Bildern vorkommen: Sonne, Mond und Sterne beispielsweise. Auf dem Bild, das ihre Chefin Anne zeigt, öffnet sich hinten im Bild ein Fenster, das neben Sonne, Mond und Sterne den Blick auf einen Blitz freigibt. Aber er bleibt draußen, während Anne drinnen bei der Arbeit mit ihren freundlichen Augen strahlt.
Besonders zauberhaft ist eine Landschaft, in der alles möglich scheint: Die Sonne leuchtet mit rot gezackten Strahlen, daneben fallen dicke Regentropfen aus einer Wolke, die aussieht wie ein kleines Tier. Ein riesiger Schmetterling segelt durch den Äther, umgeben von einem Regenbogen und einem Baum, der anstelle von Blättern Sterne und Herzen an seinen Ästen trägt. Das Spiel der Bildelemente und der Farben ist immer ausgewogen und voll Energie. Es macht Lust darauf, selbst die Welt mit anderen Augen zu sehen. Nicht umsonst sind vor dem Auslegen der Preisliste die ersten Bilder schon verkauft.
Ausstellung Die Bilder von Petra Griesert hängen noch bis zum 23. Dezember im Café B 21 in der Bismarckstraße 21 in Leonberg-Eltingen. Geöffnet ist immer von 10 bis 18 Uhr.


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