Okay, noch’n Hybrid, mag manch einer im ersten Moment denken. Kaum ein Thema treibt die Autobranche derzeit so um wie die Frage nach dem Antrieb – genauer: dem Antrieb neben dem seit 125 Jahren bewährten Verbrennungsmotor. Der Hybrid, die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor, ist die derzeit greifbarste Form, neue Wege zu befahren. Toyota hat mit dem Prius schon in den neunziger Jahren Maßstäbe gesetzt. Inzwischen kombinieren auch andere Hersteller den Benzinmotor mit einer E-Maschine.
Das Zusammenspiel von Elektromotor und Dieselmotor hat indes bislang noch niemand auf die Straße gebracht. Dass dies just die französische Marke Peugeot tut und mit dem ab Dezember erhältlichen 3008 Hybrid4 den ersten Diesel-Hybrid der Welt anbietet, kommt nicht von ungefähr. Die Marke mit dem Löwen im Logo ist ein klarer Verfechter des Dieselantriebs. Nicht ohne Grund: Auf dem europäischen Automarkt ist der gesamte Dieselanteil in den vergangenen zehn Jahren von 34 auf 54 Prozent gestiegen. „Ein Dieselmotor verbraucht rund 30 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner“, sagt Laurent Debure, Technik-Sprecher aus der Pariser Peugeot-Zentrale. „Wir haben den Quantensprung gesucht und gefunden – der 3008 Hybrid 4 verbraucht rund ein Drittel weniger als ein moderner Diesel.“
Nicht nur die Melange der Motorenkonzepte ist beim Hybrid-Peugeot neu, auch die Form des Zusammenspiels. Der 2,0 Liter große Diesel mit 120 kW (163 PS) sitzt unter der Fronthaube und treibt die Vorderräder an, während der 27 kW (37 PS) starke und von Bosch gelieferte Elektromotor im Heck die Hinterräder in Bewegung setzt. Beide sind über ein elektronisches System verbunden. Von einem vollwertigen Allradantrieb zu sprechen, wäre übertrieben – aber die elektrisch angetriebenen Hinterräder können auf rutschigem Untergrund, einer nassen Wiese oder im Schnee, durchaus die Traktion verbessern.
Viel wichtiger ist aber, dass der 3008 Hybrid 4 dank des Elektromotors auch ein Stück weit rein elektrisch fahren kann. Die Peugeot-Techniker sprechen von einer Reichweite von bis zu vier Kilometern. Ist das Limit erreicht oder wird mehr Antriebskraft benötigt, schaltet sich dezent der Diesel dazu und treibt die Vorderräder an. Über einen Drehregler auf der Mittelkonsole lassen sich verschiedene Fahrmodi auswählen: „ZEV“ steht für rein elektrischen und damit abgasfreien Antrieb. Im Programm „4WD“ arbeiten Diesel- und Elektromotor gemeinsam. Selbst bei leer gesaugter Batterie kann der Startergenerator 8 kW Leistung direkt an die E-Maschine liefern. Im Alltag sollte der Schalter aber auf „Auto“ stehen – dann sucht die Elektronik den ökonomischsten Modus beider Antriebssysteme.
Dem Fahrer hilft dabei eine Anzeige, die dort sitzt, wo sonst der Drehzahlmesser platziert ist. Sie zeigt die via Gaspedal abgerufene Leistung an und macht mit einer farblichen Abstufung deutlich, wann man besonders sparsam unterwegs ist. Den Lohn für den hohen technischen Aufwand beschert die Verbrauchsanzeige. Als Normverbrauch nennt Peugeot für den Diesel-Hybrid 3,8 Liter auf 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 99 g/km entspricht. Dies zu schaffen hängt ganz vom Streckenprofil ab. Auf Landstraßen und Autobahnen ist der Sparfaktor eines Hybrids generell begrenzt. Auf ersten Testfahrten mit dem 3008 Hybrid 4 attestiert der Bordcomputer 5,2 Liter auf 100 Kilometer – was angesichts von mehr als 1,8 Tonnen Fahrzeuggewicht einen guten Wert darstellt. Den realen Verbrauch unter fünf Liter zu drücken, dürfte im Alltag machbar sein.
Seine Stärken spielt das Hybridsystem, das im kommenden Jahr auch im Peugeot-Mittelklassemodell 508 eingesetzt werden soll, im städtischen Verkehr aus – wenn der Elektromotor bis 70 km/h so oft wie möglich den Wagen antreibt und der Dieselmotor nicht nur im Stand, sondern auch im rollenden Verkehr immer wieder automatisch ausgeschaltet wird. Bei Bedarf schaltet er sich völlig ruckfrei dazu, er ist dann akustisch durch leichtes Brummen zu vernehmen.
Am Ende einer Route durch Stadt und Vororte mit betont zurückhaltender Fahrweise erweist sich der 3008 Hybrid4 als echter Knauserer: Der Bordcomputer weist einen Verbrauch von 3,9 Litern auf.
Wie oft der Diesel ausgeschaltet war, dokumentiert eine weitere Anzeige: 77 Prozent der Fahrstrecke wurden zurückgelegt, ohne dass der Einsatz des Verbrennungsmotors erforderlich war. Einen Beitrag dazu hat die Rekuperation geleistet: Sobald man vom Gas geht, verzögert der Wagen stärker als gewöhnlich – der Starter wird zum Generator und produziert Strom. An diesen leichten Bremseffekt muss man sich gewöhnen. Er zeigt, dass sich Fortschritt bisweilen im Verlangsamen manifestiert.


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