Pfarrer aus Stuttgart-Möhringen Ein einzigartiger Job fordert alle Kräfte

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Der Pfarrer Detlef Häusler hat zwei Jahre lang zwei 50-Prozent-Stellen gehabt. Seit Jahresbeginn ist er nun nicht mehr Pfarrer in Stuttgart-Möhringen.

Detlef Häusler wollte eigentlich Förster und nicht Pfarrer werden. Foto: Alexandra Kratz
Detlef Häusler wollte eigentlich Förster und nicht Pfarrer werden.Foto: Alexandra Kratz

Möhringen - Es sei ein befruchtender, aber auch ein überfordernder Spagat gewesen. Zwei Jahre lang hatte der Pfarrer Detlef Häusler zwei 50-Prozent-Stellen. Zum einen war er Gemeindepfarrer in Möhringen. Zum anderen war er zuständig für die „Geistliche Begleitung für Mitarbeitende der Landeskirche“. Beides zusammen war zu viel. Dabei sei die Stelle in Möhringen nicht das Problem gewesen, denn diese sei gut strukturiert gewesen. „Das Übermaß an Arbeit kam durch die Stelle bei der Landeskirche“, sagt Häusler.

Dennoch ist ihm dieser Job wichtig. „Diese Stelle ist was Kostbares, ein Geschenk“, sagt Häusler. Man sei nah an den Menschen dran, an der Frage nach dem Warum. Diese Frage spiele auch in der Gemeindearbeit eine große Rolle. „Aber da ist dann immer noch viel anderes“, sagt Häusler. Für ihn ist die Bezeichnung „Geistliche Begleitung für Mitarbeitende der Landeskirche“ ein „Terminus technicus“, also ein definierter Begriff innerhalb eines Fachgebiets. Darum schreibt er das „Geistliche“ immer groß. „Es ist eine besondere Art der Begleitung, eine besondere Art der Seelsorge.“ Bei diesem Job lerne er Menschen kennen, welche „in engeren Kontakt mit dem kommen wollen, was wir ,Gott’ nennen“, sagt Häusler. Es gehe um die Sehnsucht, die Gottesbeziehung zu vertiefen.

Möhringen braucht einen neuen Pfarrer

Der Pfarrer hat sein Büro in Birkach. Allerdings ist er viel unterwegs. Häusler bietet geistliche Begleitung für Menschen in der Region Stuttgart an. Menschen, die weiter weg wohnen, vermittelt er einen Ansprechpartner. Er organisiert Aus- und Fortbildungen, verantwortet Angebote zur inneren Einkehr und ist für die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit zuständig. „Das alles habe ich bisher auch gemacht, allerdings gepresst in eine 50-Prozent-Selle“, sagt Häusler. Sein Arbeitgeber selbst habe gemerkt, dass der Umfang des Jobs nicht zu der zur Verfügung stehenden Zeit passe. Da Häusler auf die Stelle bei der Landeskirche berufen und die Stelle in Möhringen ein Dienstauftrag war, war schnell klar, worauf er sich in Zukunft konzentrieren würde. Diese Lösung war auch in Häuslers Sinne.

„Der Job liegt mir am Herzen“, sagt Häusler. Die Stelle sei einzigartig. „Es ist Pionierarbeit. Ich bin zwar nicht der erste Pionier auf diesem Gebiet, aber der Job ist nach wie vor eine echte Herausforderung“, sagt der Pfarrer. Für die evangelische Kirchengemeinde Möhringen ist Häuslers Weggang eine Herausforderung. Denn von den insgesamt dreieinhalb Pfarrstellen sind mit Ernst-Martin Lieb und Winfried Maier-Revoredo nur zwei besetzt. Die Pfarrerin Anna Stückle befindet sich in Elternzeit. Häuslers ehemalige Stelle ist ausgeschrieben. „Ich bedauere es sehr, dass der Kirchengemeinderat nun schon wieder in so ein Verfahren gerät“, sagt der Pfarrer. Für die Gemeinde bedeute die Vakanz, dass „sie nicht so handeln kann, wie sie es gewohnt ist. Aber die Gemeindemitglieder haben dafür Verständnis“, sagt Häusler. „Beim Abschied brachten mir die Möhringer viel Wertschätzung entgegen“, sagt der 52-Jährige. Künftig werde er als „einfaches Gemeindemitglied“ den ein oder anderen Gottesdienst in Möhringen besuchen.

Der Pfarrer wollte eigentlich Förster werden

Detlef Häusler
wurde 1963 in Ludwigsburg geboren. Mit 17 war er für einige Monate im US-amerikanischen Minnesota. Dort fand er seinen Zugang zum Glauben. Dennoch wollte er eigentlich Förster werden. Erst während seiner Bundeswehrzeit habe er entschieden, dass er sich „lieber um Menschen als um Bäume“ kümmern wolle. Nach seinen ersten Pfarrstellen ließ er sich beurlauben und war einige Jahre lang im Management eines großen Unternehmens tätig. Anschließend verdiente er als freiberuflicher Redner sein Geld. Dies bracht ihn zurück zum Pfarrberuf. Um sich selbst zu testen, übernahm er eine Vertretungsstelle in Trochtelfingen. Bevor er nach Möhringen kam, war er acht Jahre lang Pfarrer in Büsnau. Detlef Häusler lebt in Sonnenberg.

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