Herrenberg - Vier Pferdemärkte hat der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprissler schon hinter sich, und erst jetzt kommt es an den Tag: das Stadtoberhaupt ist heimlich ein Preisrichter des traditionellen Pferdemarktes. Denn als Sprissler zur Kür der Miss Herrenberg in den Ring bei der Stadthalle kam, hatte er eine heimliche Favoritin. Und siehe da: die schlanke graue Schimmelstute Alaska F aus Bad Teinach, die es Sprissler angetan hatte, überzeugte auch die Richter. „Er tut nur so, als verstünde er nichts davon, dabei hat er einen echten Pferdeverstand“, sagte einer der echten Juroren augenzwinkernd.
Die Preisrichter schätzten nicht nur, dass Alaska F recht selbstbewusst dreinblicken und würdevoll „ausschreiten“ konnte. Sondern auch, dass sie eine berühmte Verwandtschaft hat – sie ist die Schwester eines international erfolgreichen, in den USA stationierten Springpferdes namens Antares.
„Sehr zufrieden mit der Teilnehmerzahl“
Zählen die Chronisten richtig, dann hat die Stadt am Faschingsdienstag ihren 313. Pferdemarkt erlebt. Mehr als 120 Stuten unterschiedlicher Rassen wurden bei schönstem Februarsonnenschein prämiert. Mit der Tradition geht es also wieder aufwärts. Das hat der Markt unter anderem der Einführung des Miss-Titels und einer Erhöhung des Preisgeldes zu verdanken – und nicht zuletzt auch der Tatsache, dass der Einzugsbereich für die Züchter inzwischen bis nach Heilbronn und Bad Teinach reicht. „Wir sind sehr zufrieden mit der Teilnehmerzahl“, sagt Markus Roll, der Vorsitzende des Herrenberger Pferdezuchtvereins.
Dabei ist die Nachfrage nach Warmblütern wie der Herrenberger Miss eher rückläufig. Andreas Konarski aus Aidlingen etwa züchtet seit 20 Jahren Warmblüter. Seit 15 Jahren kommt er zum Herrenberger Pferdemarkt. Dieses Jahr hat er zum ersten Mal keine Fohlen. Dafür hatte Konarski eine Warmblutstute dabei, die vor genau zehn Jahren schon einmal Siegerin gewesen war. Gestern wurde die mittlerweile 14-jährige Latina erneut ausgezeichnet. Ringsiegerin wurde sie aber nicht, und daher konnte sie nicht an der Misswahl teilnehmen. Die augenrollende Stute beeindruckte das Publikum trotzdem.
Stärkung für den Umzug
Morgens um acht mögen die Züchter auf dem Festplatz unter sich gewesen sein, mittags dagegen kamen auch jene, die keine Pferde haben, aber die Tradition schätzen. „Es ist einfach schön, so eine Sammlung prachtvoller Pferde zu sehen“, sagte Reiner Bausch, der ehemalige Leiter des Landwirtschaftsamtes. Er verfolgte die Prämierung mit seiner Nachfolgerin Regina Meier.
Andere kamen eher, um sich mit einer roten Wurst und einem Schnaps für den Umzug durch die Altstadt zu rüsten. Rund 2500 Hästräger zogen dabei am Nachmittag von der Wilhelmstraße über den Marktplatz zur Stuttgarter Straße auf den Festplatz, auf dem dieses Jahr erstmals der Abschluss gefeiert wurde. Laut der Herrenberger Narrenzunft säumten dabei mehr als 20 000 Zuschauer den Weg.

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