Philippinische Pflegekräfte in Stuttgart-Vaihingen Ein dreifacher Gewinn

Von Caroline Holowiecki 

Das Paritätische Mehrgenerationenzentrum in Vaihingen hat gute Erfahrungen mit philippinischen Pflegekräften gemacht. Sprachprobleme werden mit Händen, Füßen und einem Lächeln gelöst.

Joey Aldred Maniaol (von links), April Mosquera und April Diaz fühlen sich im PMGZ in Vaihingen wohl. Die  Männer haben ihre Anerkennungsurkunde am Dienstag erhalten, April Mosquera legt die Prüfung im Frühjahr ab. Foto: Holowiecki
Joey Aldred Maniaol (von links), April Mosquera und April Diaz fühlen sich im PMGZ in Vaihingen wohl. Die Männer haben ihre Anerkennungsurkunde am Dienstag erhalten, April Mosquera legt die Prüfung im Frühjahr ab. Foto: Holowiecki

Vaihingen - Joey Aldred Maniaol, April Mosquera und April Diaz haben sich in Stuttgart bereits gut eingelebt, die ersten Kulturschocks sind verdaut. „An April Diaz’ erstem Arbeitstag haben wir hier im Haus Fasching gefeiert“, berichtete Dominic Bullinger, Leiter des Paritätisches Mehrgenerationenzentrums (PMGZ) in Vaihingen, bei der Feierstunde am Dienstag lachend. Auch mit dem kalten deutschen Winter haben sich die drei Pflegekräfte und PMGZ-Mitarbeiter von den Philippinen bereits bestens arrangiert.

Deutschland fehlen im Pflegebereich, vor allem in der Altenpflege, Fachkräfte. Auf aktuell rund 30 000 offene Stellen kommen laut der Bundesagentur für Arbeit lediglich 21 000 arbeitslose Fachkräfte. Vor dem Hintergrund, dass in unserer alternden Gesellschaft immer mehr Pfleger benötigt werden, rechnen Experten damit, dass bis 2025 rund 150 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden.

Von Triple Win sollen drei Seiten profitieren

Anderswo, in Bosnien-Herzegowina, Serbien oder auf den Philippinen, gibt es wiederum einen Überschuss an gut ausgebildeten Pflegekräften. Und hier kommt das Programm „Triple Win“ ins Spiel, das die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit aufgelegt haben. Fachkräfte aus dem Ausland werden gezielt angeworben und bei der Einreise unterstützt. Über örtliche Träger legen sie in Deutschland eine Kenntnisprüfung ab, erhalten intensiven Sprachunterricht und können dann nach der Anerkennung hierzulande einsteigen.

„Triple Win“ nennt sich das Ganze deshalb, weil alle drei Seiten profitieren sollen. Die Idee: Die Arbeitsmärkte der Herkunftsländer werden entlastet, die Menschen profitieren von einer neuen beruflichen Perspektive und tragen zur Deckung des wachsenden Bedarfs an qualifiziertem Pflegepersonal in Deutschland bei.

Deutsche Patienten reagieren sehr positiv

Für 20 solcher Fachkräfte aus ganz Baden-Württemberg, die einen Anerkennungskurs besucht, Deutsch gepaukt und ihre theoretischen und praktischen Prüfungen erfolgreich abgelegt haben, fand am Dienstagabend im Vaihinger PMGZ, dem Päritätischen Mehrgenerationenzentrum, eine Feierstunde statt. Drei der Ausländer arbeiten im PMGZ selbst, eben April Diaz (33), Joey Aldred Maniaol (30) und April Mosquera (27). Sie haben in ihrer Heimat schon mehrere Jahre in Krankenhäusern in der Pflege gearbeitet und leben nun seit vier bis zwölf Monaten in Deutschland, genauer gesagt in Hoffeld. Während April Diaz und Joey Aldred Maniaol am Dienstagabend ihre Anerkennungsurkunden entgegennehmen durften, wird April Mosquera ihre Prüfung im Frühjahr ablegen. „Wir sind sehr stolz, hier zu sein“, sagte Joey Aldred Maniaol, der mit dem Geld, das er in Deutschland nun verdienen kann, seine Frau und die zweijährige Tochter in Manila unterstützen wird. Die Patienten und auch die deutschen Kollegen hätten sehr positiv und interessiert reagiert, Sprachprobleme würden mit Händen, Füßen und einem Lächeln gelöst. „Wir sind auch glücklich. Wenn Menschen 10 000 bis 12 000 Kilometer reisen, so engagiert sind und bereit sind, nochmal unten anzufangen als Pflegehelfer, das verdient allen Respekt“, erklärte Dominic Bullinger. Er ist von dem Projekt überzeugt. Bereits im Januar werde eine neue Fachkraft von den Philippinen im PMGZ starten.

Fünf Träger haben sich an dieser Ausbildungsrunde mit dem offiziellen Namen „Vorbereitung Kenntnisprüfung“ beteiligt. Die Federführung in puncto Organisation und Bildungsarbeit übernahmen für Baden-Württemberg das Diakonische Werk und das Evangelische Schulwerk. „Es war ein Pilotprojekt von unserer Seite. Wir sind zufrieden, ich würde das Projekt als Erfolg bezeichnen“, so Gunther Müller vom Diakonischen Werk. Laut Andreas Wieland, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Evangelischen Schulwerks, geht es im nächsten Jahr weiter.

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