Philosophie Experten für Sinnfragen und Ethik
Andreas Heimann/dpa, 09.09.2011 13:56 Uhr
Die Berufsaussichten für Philosophen werden besser - Philosophische Kompetenz an vielen Stellen gefragt. Foto: dpa
Die Berufsaussichten für Philosophen werden besser - Philosophische Kompetenz an vielen Stellen gefragt. Foto: dpa
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Über das Thema „Was ist Philosophie?” sind schon regalmeterweise Bücher geschrieben worden. Und über die Frage „Was macht man nach einem Philosophiestudium?” haben sich Generationen von Eltern die Haare gerauft, wenn ihre Kinder sich dafür entschieden haben. Dem Klischee zufolge sind Philosophen weltfremde Bewohner des Elfenbeinturms und für den Arbeitsmarkt nicht zu gebrauchen. Aber das stimmt nicht: Ihre Qualifikationen sind sogar zunehmend gefragt.

Und auch das Klischee selbst sei falsch, sagt Prof. Michael Quante, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Philosophie: „Man hat oft den klassischen Bücherwurm vor Augen. Aber Philosophen sind geistig bewegliche und gesellschaftlich interessierte Menschen”, betont Quante, der in Münster Philosophie lehrt. Philosophie sei zwar ein Bildungsstudium und keine Ausbildung für einen bestimmten Beruf, ergänzt Prof. Georg Bertram von der Freien Universität Berlin. „Man kann damit genauso Lehrer werden wie Unternehmensberater.” Die Chancen, mit einem Philosophie-Abschluss in einen Beruf zu kommen, seien aber besser geworden. Nicht zuletzt mit dem Bachelor-Master-System, ergänzt Quante. „Viele nutzen das Philosophie-Bachelorstudium, um sich zu orientieren.” Anschließend gebe es eine Auswahl an Masterangeboten, die Spezialisierungen ermöglichen, etwa „Philosophy, Politics and Economics”. Das sind Studiengänge, bei denen Philosophie mit Inhalten anderer Fakultäten kombiniert wird.

Diese neuen Möglichkeiten, über den eigenen Tellerrand zu schauen, findet auch Richard David Precht gut. Der Autor, der im Wintersemester eine Honorarprofessur für Philosophie in Lüneburg übernimmt, hält es für wichtig, dass Philosophiestudenten sich auch mit anderen Fächern beschäftigen: „Ich wollte Biologie und Philosophie studieren, aber damals war das gar nicht möglich.” Dabei sei es eine große Chance für Philosophen, Wissenschaftler miteinander ins Gespräch zu bringen. Dafür sei es aber wichtig, sich nicht nur mit Philosophie auszukennen.

Die Berufsaussichten seien auch deshalb besser geworden, weil in vielen Bereichen philosophische Kompetenz verstärkt gefragt ist, sagt Quante. „Der Bedarf an praktischer und angewandter Ethik steigt”, betont der Philosoph. Auch Wirtschaftsunternehmen stellten verstärkt Philosophen ein. Und auch Schulen sind ein zunehmend wichtiges Arbeitsfeld: Viele Bachelor-Absolventen satteln einen Lehramt-Master drauf, hat Quante beobachtet. Auch deshalb, weil es heute viel mehr Ersatzfächer für Religionsunterricht gibt als noch vor 20 Jahren.

Isabel von Wilcke ist auf Umwegen zur Philosophie gekommen: Eingeschrieben hatte sie sich für Angewandte Kulturwissenschaften. Kulturphilosophie wurde bald ein Schwerpunkt. „Ich habe mich in Platons Texte verliebt”, erzählt sie. „Es hat mich fasziniert, dass sie 2500 Jahre alt sind und wie der ,Phaidros' auch auf unser Medienzeitalter zutreffen.” Der besondere Reiz bestand gerade darin, an antike Texte mit modernen Fragestellungen heranzugehen. An der Philosophie schätzt sie aber auch, dass sie einen dazu bringt, den eigenen Horizont zu erweitern. „Und es fördert das logische Denken.” Am liebsten würde von Wilcke in Philosophie promovieren und hinterher an der Uni arbeiten. „Aber da gibt es viele Interessenten.” Quante hält die Chancen für eine Universitätskarriere nicht für aussichtslos: „Die Philosophie ist einer der Gewinner innerhalb der Geisteswissenschaften”, sagt er.

Tiemo Kracht, Geschäftsführer von Kienbaum Executive Consultants in Hamburg, hält die Aussichten für Philosophie-Absolventen sogar für deutlich besser als noch vor ein paar Jahren: „Da ist zum einen der Mangel an Fachkräften, der begünstigt, dass Unternehmen eine andere Flexibilität bei der Suche nach interessanten Persönlichkeiten entwickeln.” Zum anderen habe man erkannt, dass Unternehmen davon profitieren, wenn dort Menschen mit ganz unterschiedlicher akademischer Vorbildung zusammenarbeiten. Für viele Unternehmen sei zunehmend die glaubwürdige Verankerung eines Wertekanons wichtig. „Und gerade Philosophiestudenten beschäftigen sich intensiv mit Wertesystemen und Sinnfragen,” sagt Kracht. Die Wertethematik werde noch an Bedeutung gewinnen, ist Kracht überzeugt.

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