Pierre Sarkozy Der scheue Rapper
Axel Veiel, 28.09.2010 08:40 Uhr
 Foto: dpa
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Paris - Er hat Megan Fox nicht die Show gestohlen. Aber viel hat nicht gefehlt, und das im superkurzen Mini auf High Heels die Raubkatze gebende Model hätte bei den Mailänder Modeschauen das Nachsehen gehabt. Das Blitzlichtgewitter, das sich dort über dem Beau mit der blonden Mähne entlud, war jedenfalls heftig.

Dabei drängt der 25-jährige Franzose nun wirklich nicht ins Rampenlicht. Anders als der Vater Nicolas und der jüngere Bruder Jean gilt Pierre Sarkozy als introvertiert, ja schüchtern. Der exzentrische Vater hat es zum Staatspräsidenten gebracht. Der nicht minder exzentrische Bruder versucht es dem Vater nachzutun, schmiedet im Pariser Nobelvorort Neuilly eifrig an seiner politischen Karriere. Pierre aber, wie Jean ein Spross aus Nicolas Sarkozys erster Ehe mit der korsischen Apothekertochter Marie-Dominique Culioli, hält nichts von Politik und Popularität.

Nicht ein einziges Interview hat er in seinem Leben gegeben, so sehr die Journalisten auch drängten. Gern blieb er in der zweiten Reihe, frönte seiner Leidenschaft, der Musik, dem Rap zumal. Erfolgreich versuchte er sich als Plattenproduzent oder auch als DJ. Bis zu den Mailänder Modeschauen war das auf alle Fälle so. Da saß er auf einmal in der ersten Reihe.

Die Musik hat bei Pierre Sarkozy Vorrang


Der Modemacher Giorgio Armani schloss den Gast mit dem prominenten Namen in die Arme. Großzügig sah der Italiener darüber hinweg, dass der Franzose im T-Shirt des Münchner Modeschöpfers Philipp Plein erschienen war, für den er als Werbeträger angeheuert hat. Bis zum Podium war es in Mailand nur noch ein kleiner Schritt. Ob Pierre Sarkozy ihn womöglich doch erwägt?

An Leuten, die ihn gern da oben sähen, fehlt es bestimmt nicht. Ganz so publikumsscheu wie früher ist er auf alle Fälle nicht mehr. Bei der Eröffnung einer Philipp-Plein-Boutique war er im Juli in Saint-Tropez gesehen worden. Im August tauchte er beim 75-Jahr-Jubiläum einer noblen britischen Automarke auf. Wobei sich Pierre Sarkozy insofern treu geblieben ist, als die Musik für ihn noch immer Vorrang hat. Nicht als Model, als DJ tat er sich in Saint-Tropez hervor. Und auch zum Autofirmenjubiläum steuerte er die Musik bei.

Er schlägt aus der Art


Für den Rap hatte er zuvor sein Jurastudium abgebrochen. Und sich ein Pseudonym zugelegt. Unter dem Namen Mosey, so hatte er gehofft, würde er weder den nach Präsidentschaftsehren greifenden Vater in Verruf bringen noch sich selbst in Rapperkreisen als Sohn eines dort verhassten Rechtsbürgerlichen diskreditieren. Vier Jahre lang ging das gut. Bis am 7.Mai 2007 alles herauskam.

Der Vater hatte am Vortag die Wahl gewonnen. Der älteste Sohn musste sich mit dem Rest der Patchworkfamilie im Élysée-Palast den Fernsehkameras stellen. Die Kumpels haben Pierre Sarkozy das Versteckspiel verziehen. Sie haben auch nicht verübelt, dass der Vater einen Rapper wegen eines antisemitischen, rassistischen Textes angezeigt hat. Sie glauben zu spüren: dieser Sarkozy schlägt aus der Art. Er ist einer der ihren.
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