Pilotprojekt am Eduard-Spranger-Gymnasium Nachdenken über eine gelingende Zukunft

Von Ursula Vollmer 

Elftklässler des Eduard-Spranger-Gymnasiums in Bernhausen sammeln kurz vor Ferienbeginn Erfahrungen mit philosophischen Perspektiven.

Kurz vor Schuljahresende denken die Noch-Elftklässler des ESG in kleinen Gesprächsgruppen  über ihren eigenen Standort und die Zukunftserwartungen nach. Der Spaß darf dabei nicht fehlen. Foto: Ursula Vollmer
Kurz vor Schuljahresende denken die Noch-Elftklässler des ESG in kleinen Gesprächsgruppen über ihren eigenen Standort und die Zukunftserwartungen nach. Der Spaß darf dabei nicht fehlen. Foto: Ursula Vollmer

Fidlerstadt - Einen der letzten Schultage vor den großen Ferien haben 80 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe elf des Eduard-Spranger-Gymnasiums (ESG) vor allem mit Nachdenken verbracht. Was macht ein sinnerfülltes Leben aus? Wo stehe ich, und wo will ich hin? Was ist mir für die Zukunft wirklich wichtig, und welche Grundlage braucht es, um zu einer guten Entscheidung zu kommen?

Derlei Themen versuchten die jungen Leute im geschützten Rahmen kleiner Gesprächsrunden zu ergründen. Um dabei den roten Faden nicht zu verlieren, standen Lotsen bereit: Pädagogische Referentinnen der „Akademie Kinder philosophieren“ moderierten diesen ungewöhnlichen Workshop und machten im besten Falle Mut zur ehrlichen Selbstreflexion.

Stiftung finanziert Module

„My Lifestyle“ nennt die Akademie im Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft (bbw) ihr Projekt, das in Kooperation mit der Arbeitsagentur der Stadt München seit 2012 bereits in zahlreichen Gymnasial- und Realschulklassen erprobt wurde, wie die Projektleiterin Diana Schick sagte. In Baden-Württemberg kam dem ESG das Privileg zu, als Pilotprojekt erste Erfahrungen sammeln zu können. Möglich gemacht hatte das die Karl-Schlecht-Stiftung, die 25 000 Euro investiert, um damit ein Jahr lang nicht nur Module wie den Workshop zur Berufs- und Studienwahl zu unterstützen, sondern auch Erzieherinnen und Pädagogen als Multiplikatoren auszubilden. „Wir wollen Kinder und Jugendliche frühzeitig an kritisches Denken heranführen und ihr Urteilsvermögen schärfen“, sagte der Stiftungsreferent Frank Henssler. In einer Gesellschaft, die sich dynamisch verändere und dabei die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stelle, kämen Aspekte der Persönlichkeitsbildung mitunter zu kurz. „Es geht nicht um richtig oder falsch“, sagte Henssler, „sondern um Philosophie als offenes Prinzip.“

Für die Schulleiterin Ursula Bauer ist My Lifestyle die passende Ergänzung zum bestehenden Angebot. Schon bisher würden die Schüler nicht allein gelassen, vielmehr stünden am ESG Berater und Coaches zur Verfügung. „Schulen müssen schließlich in einem fortlaufenden Prozess Kompetenzen für eine individuell erfolgreiche Lebensführung vermitteln“, sagte sie. Die neue Qualität sieht die Rektorin aber in der systematischen Hinführung zu einer erfolgsentscheidenden Perspektive: „Es geht darum herauszufinden, was man selbst vom (Arbeits-)Leben erwartet – und was man bereit ist zu geben“.

Gedankenspiel einer guten Fee

Die angehenden Zwölftklässler konnten an diesem Vormittag zwischen dem Workshop und einem Assessment-Center unter Führung von Lehrkräften des ESG wählen. Leona allerdings weiß schon ziemlich genau, wie ihre berufliche Zukunft aussehen soll: Die 17-Jährige interessiert sich für Modedesign. „Ich wollte mich deshalb eher mit grundsätzlichen Fragen befassen“, sagte sie. David, ebenfalls 17 Jahre alt, schwankt noch zwischen Informatik, der Schauspielbühne und einer Zukunft als Erzieher. In diesem breiten Spektrum beschäftigte ihn die Frage der Selbstverwirklichung.

Vielleicht trug zur Klärung unter anderem das Gedankenspiel einer guten Fee bei. Sie schenkte den Schülern vier Leben. Eine Wunschvorstellung durfte zum Schluss übrig bleiben – gelingen konnte diese Entscheidung nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis.