Pilotprojekt an der Grundschule Gaisburg Spielend programmieren lernen

Von Fatma Tetik 

An der Grundschule Gaisburg wird den Dritt- und Viertklässlern seit Beginn des Schuljahrs eine Programmier- und Robotik-AG angeboten. Dabei eignen sich die Schüler mit Hilfe von Lego-Mindstorms-Robotern spielerisch erste Programmier-Grundkenntnisse an. Das Angebot ist bei den Schülern ausgesprochen beliebt.

Gemeinsam mit dem Bildungsreferenten des Landesmedienzentrums Stuttgart (LMZ) Frank Wagner präsentierten Gaisburger Viertklässler beim Medienkompetenztag ihre selbst gebauten Roboter. Foto: Fatma Tetik
Gemeinsam mit dem Bildungsreferenten des Landesmedienzentrums Stuttgart (LMZ) Frank Wagner präsentierten Gaisburger Viertklässler beim Medienkompetenztag ihre selbst gebauten Roboter. Foto: Fatma Tetik

S-Ost - Lego-Steine sind nicht mehr aus den Kinderzimmern wegzudenken. Dabei ist das Spielzeug mehr als nur Kinderkram. Mit seiner Serie Mindstorms bietet der dänische Konzern programmierbare Lego-Roboter, die Kinder wie auch Erwachsene faszinieren. Die steuerbaren Roboter setzen allerdings Grundlagen an Programmierkenntnissen voraus. Seit Herbst vergangenen Jahres wird dieses Wissen Schülern an der Grundschule Gaisburg in der Programmier- und Robotik-AG vermittelt. Angeleitet werden die Viertklässler von Frank Wagner, Medienpädagoge am Landesmedienzentrum Stuttgart (LMZ). Die erste Schülergruppe hat den zwölfwöchigen Kurs mittlerweile erfolgreich absolviert. Beim Medienkompetenztag am Stadtmedienzentrum in der Rotenbergstraße präsentierten die Schüler den interessierten Tagungsgästen stolz ihre Lego-Roboter.

Einstieg mit einem Programm aus den USA

Bevor es jedoch an den Bau der Roboter ging, mussten die Kinder zunächst mit der Welt des Programmierens vertraut gemacht werden. Einen kinderleichten Einstieg bietet hierfür das Programm Scratch, das Wissenschaftler der Fakultät Media Laboratory an der berühmten Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) speziell für bildungstechnische Bereiche entwickelt haben. Das Programm ist so konzipiert, dass es Kindern altersgerecht erste Grundlagen der Programmierung vermittelt.

„In dem Programm stecken viele komplexe, mathematische und logische Vorgänge, mit denen Kinder spielerisch und mit Freude in Berührung kommen“, so Frank Wagner. Mithilfe des Programms konnten die neun- bis zehnjährigen Schüler in dem Kurs eigene Kurzgeschichten animieren oder kreative Spiele erfinden. Auch wichtige Informationen zum korrekten Umgang mit dem weltweiten Netz und ein Surf-Schein sind Teil der AG gewesen.

Das Roboter-Handbuch ist 60 Seiten dick

Der Höhepunkt war für die Nachwuchs-Programmierer jedoch die Erschaffung eines Lego-Roboters. Bereits der Zusammenbau der Roboter aus unzähligen Kleinteilen sei eine Herausforderung für die Schüler gewesen, erklärt Wagner. Ohne das 60-seitige Handbuch ist diese Aufgabe für die Dreier-Teams nicht zu schaffen gewesen. „Wenn auch nur ein einziges Teil falsch zusammengebaut wird, funktioniert der Roboter später nicht“, so Frank Wagner. So mancher musste sein Exemplar wieder auseinanderbauen und neu zusammenfügen.

Damit ist es freilich nicht getan, denn der Roboter bewegt sich nur dann, wenn er mit den richtigen Daten gefüttert wird. Mithilfe einer Lego-Software können die Schüler über den PC oder das Laptop Parameter eingeben, die sie per USB-Kabel an den Roboter übertragen. So können nicht nur Fahrtrichtung, Geschwindigkeit und Fahrdauer bestimmt, sondern auch ausgewählte Geräusche und Symbole abgespielt werden. Spannend wird es, wenn sich nichts tut und die Plastikräder stillstehen. Denn dann müssen sich die Schüler auf Fehlersuche begeben.

Teil der Initiative Kindermedienland

Frank Wagner zeigt sich beeindruckt vom Forschergeist seiner Schützlinge. „Es ist ein großes Erfolgserlebnis für die Schüler, wenn sie ganz eigenständig den Fehler finden und ihren Roboter wieder bewegen können“, so der 28-Jährige. „Vom Aufbau bis zur Abfahrt inklusive der Fehlersuche ist das ein sehr spannendes Ereignis für die Kinder.“

Das Interesse der Schüler an der AG ist groß. Mittlerweile findet der zweite Kurs des Pilotprojekts im Rahmen des Programms 101 Schulen statt. Das Projekt ist Teil der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg und wird vom Landesmedienzentrum (LMZ) im Auftrag des Staatsministeriums durchgeführt.

Der Förderverein will das Projekt zur Dauereinrichtung machen

Die Idee, Schülern an der Grundschule Gaisburg eine AG anzubieten, die ihnen eine frühzeitige Medienbildung vermittelt, geht auf den Förderverein „Freunde und Unterstützer der Grundschule Gaisburg – Die Gaisburger e.V.“ zurück. Im Frühjahr 2015 hatte sich der Verein damit an das Stadtmedienzentrum im LMZ gewandt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das LMZ ein Konzept zum Thema Programmierung und ­Robotik für Grundschulen erarbeitet und war selbst auf der Suche nach einer Projektschule.

Wie es künftig mit der AG weitergeht, steht noch nicht fest. Die Schulleiterin Elke Schuster will demnächst mit dem LMZ über eine Verlängerung des Projekts sprechen. Ziel ist laut Frank Wagner, dass die Lehrkräfte das Thema Programmieren und Robotik in den Unterricht integrieren und selbstständig anbieten können. Das Landesmedienzentrum plant zudem, Fortbildungen anzubieten. Der Gaisburger Schul-Förderverein würde die AG am liebsten zu einer Dauereinrichtung machen. Dafür braucht der Verein aber weitere Unterstützer und auch Spender – sonst kann die AG-Vielfalt an der Schule auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden.

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