Planetarium Stuttgart Stillstand draußen, Stillstand drinnen

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Die Zukunft des Planetariums ist wegen der Verzögerungen bei Stuttgart 21 ungewisser denn je. Der Leiter Uwe Lemmer rechnet nicht mehr mit einem Umzug. Es herrscht Stillstand. „Und das ist das Schlimmste“, sagt Lemmer.

Das Planetarium leidet unter der S 21-Baustelle Foto: red
Das Planetarium leidet unter der S 21-BaustelleFoto: red

Planetarium - Stillstand gehört nicht zu Uwe Lemmers Wesen. Der ganze Mann ist ständig in Bewegung, im Großen oder im Kleinen, im Geiste ohnehin. Im Herbst 2008 kam er von Nürnberg nach Stuttgart, um Großes zu bewegen. Seitdem leitet Lemmer das Planetarium. Und seit 2009 leidet er unter dem, wovon er sagt: „Das ist das Schlimmste“ – Stillstand eben.

Von seinem Bürostuhl aus hat Lemmer freien Blick auf den Stillstand, der ihn zum Stillhalten zwingt: auf die S 21-Baustelle. Ihretwegen kam eine Verlagerung des Planetariums überhaupt ins Gespräch. Ihretwegen brachen die Besucherzahlen ein. Ihretwegen sind alle Anstrengungen Lemmers ausgebremst, den Stillstand zu beenden.

Eben 2009 scheiterte der erste Versuch, das einst modernste Planetarium Europas in einen Neubau nach Cannstatt zu verlegen. Das war seine Vision, deswegen hat er sich auf den Posten beworben. Lemmer wollte dabei sein, wenn in Stuttgart wieder ein Planetarium entsteht, das bestaunt wird. Er schrieb Konzepte und entwarf Pläne für ein Planetarium der Zukunft. „Das hat mir viel Spaß gemacht“, sagt er. Kosten wurden kalkuliert, Szenarien verglichen, aber der erste Versuch eines Umzugs fiel der Finanzkrise zum Opfer. Weitere folgten. Der Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hatte den Plan eingefädelt, das Planetarium in eine Erlebniswelt einzufügen, die Porsche in Bad Cannstatt bauen will – oder wollte. Das ist unklar, zumal, seit VW den Sportwagenbauer übernommen hat. Die jüngste Auskunft von Porsche lautet: Bis zur Entscheidung dauere es noch.

Sorge, dass sich bis zum Ruhestand nichts bewegt

Inzwischen plagt Lemmer die Sorge, „dass das bis zu meiner Rente so geht“. Er ist 53 Jahre alt. Die Sozialdemokraten im Gemeinderat argwöhnen gar, dass hinter dem Stillstand der Versuch steckt, das Planetarium abzuwirtschaften, bis sein Erhalt teurer wird als ein Neubau. So haben sie es in einem Antrag beklagt.

Lemmer steht am Steuerpult im Vorführungssaal, schaltet von Dämmerlicht auf Helligkeit und lässt die Bodenplatte beiseite surren, die den Blick auf den Projektor in der Tiefe freigibt. Den Argwohn der Genossen nährt das Offensichtliche: Die Polster der Stühle in den vorderen Reihen sind löchrig. Aber das ist wie beim Lieblingsplatz im Wohnzimmer: „Die Polsterung ist alle paar Jahre durchgewetzt“, sagt Lemmer. Entgegen dem Anschein wird ins Planetarium durchaus investiert. Die Glühbirnen im Saal werden gegen LED-Technik getauscht. Ein alter Laser wurde gegen einen neuen ersetzt, der reichlich Strom spart. Der Projektor gehört noch immer zum Besten weltweit, auch wenn er einmal gewartet werden sollte. Im Lauf dieses Jahres soll zusätzlich digitale Videotechnik eingebaut und dann gleich renoviert werden. So hofft es Lemmer jedenfalls.

Eine Erneuerung wäre ratsam

„Es ist nicht so, dass man ein großes Lamento anstimmen muss“, sagt er. Aber es ist so, dass eine Wärmeschutzfolie vor seinem Bürofenster baumelt, die ihn vor Sonne schützt, weil die theoretisch vollautomatische Jalousie spinnt. „Im Sommer schwitzen wir, im Winter frieren wir“, sagt er. Die gesamte Haustechnik stammt eben aus dem Jahr 1977. Allein schon der Energieersparnis wegen wäre eine Erneuerung ratsam. Der Beton der Fassade müsste saniert, Undichtigkeiten im Flachdach müssten gedichtet werden.

Lemmer sieht all dies „aus der Perspektive der Ameise, über der die Adler kreisen“. Damit sind die Stadträte gemeint. Die modernsten Planetarien Europas stehen inzwischen in Hamburg und Bochum, in Paris und Warschau. Mit allen derzeit geplanten Investitionen „schließen wir höchstens auf“, sagt Lemmer, aber er hat eben Größeres im Sinn. Das modernste Planetarium Europas soll wieder in Stuttgart stehen. „Das ließe sich auch am jetzigen Standort verwirklichen“, sagt er. Er wäre dabei, gern: „Was man mir sagt, das tue ich engagiert.“ Im Grunde wünscht er sich nur, „dass man irgendwann aufhört zu diskutieren“. Und entscheidet.

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17 KommentareKommentar schreiben

Faszination der Sterne???: Wenn man den Artikel so liest, dann könnte man meinen Herr Dr. Lemmer gibt schon auf, was das Planetarium anbetrifft...es ist aber doch so, dass so ein tradtionsträchtiges Haus immer laufen wird...man muss nur etwas Informatives und Interessantes anbieten, denn die Faszination der Sterne wird immer bleiben. Aber leider ist es ja auch so, dass öfters Programmwiederholungen da sind...das erlebe ich, wenn ich mit meinen Kindern ins Planetarium möchte, das die Kinderprogramme grundsätzlich wiederholt werden und dies ist sehr schade. Wenn man in den Ferien mit den Kindern ins Planetarium geht, dann laufen in zwei verschiedenen Ferien die gleichen Programme. Das wir dann nicht mehr ins Planetarium gehen möchten, das ist ja auch verständlich. Meine Kinder möchten ja nicht immer dasselbe sehen.

@Andy 14:37: Nur mal so eben die Frage @Andy, sicher können Sie genau benennen, wo die Grünen Ihr geliebtes S21 angeblich 'verzögern'! Sicher sind die Grünen schuld, dass das Ganze jetzt schon, vor der eigentlichen Buddelei, plötzlich 5,6 Milliarden kosten soll bzw. 6,8! Sicher sind die Grünen schuld, dass viele Teilabschnitte noch gar nicht genehmigt sind. Sicher sind die Grünen schuld, dass ... Es tut mir Leid, aber Sie leiden offensichtlich genauso wie Ihre Gesinnungsgenossen unter massivsten Wahrnehmungseinschränkungen.

Genau, Andy,: ohne die Grünen und die pösen, pösen Gegner, wäre S21 praktisch schon fertig. Bestgeplant, durchfinanziert, planfestgestellt, leistungsstark und brandgeschützt, wie es ist, gell? Kann man eigentlich Privatklagen anstrengen, wenn der Stuss, der hier geschrieben wird, ein bestimmes Maß überschreitet? Gerecht wäre es!

Das Medium der Bahn ist: Licht: Wer braucht schon ein Planetarium? Wir haben doch von der Bahn diese tolle S21-Aussichtsplattform geschenkt bekommen. Die Bahn-'Manager' sind sich sicher, dass sich jede Stadt die Finger fuer so eine spektakulaere Aussichtsplattform abschlecken wuerde! Da gibts doch Modernitaet, Baufortschritt, Zukunft, und und und ...und noch viel mehr zu sehen als in dem finsteren und muffigen Planetarium in dem man in die *VERGANGENHEIT* glotzt. Wie wir alle seit den genialen 3D-Animationen von den phantastischen Lichtaugen und Lichtschaechten im neuen Superbahnhof in Stuttgart wissen, ist Licht das Medium der Bahn. Zeigt sich wieder mal wie undankbar die Stuttgarter sind, wenn die Bahn ihre tollen Geschenke verteilt.

so etwas...: ... läuft bei der Bahn unter Kollateralschaden. Oben bleiben!

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