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Platz für die Familie und ein Balkon, das wär"s schon
"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", 26.08.2011 02:41 Uhr
Kornwestheim Eine seit einem unverschuldeten Verkehrsunfall arbeitsunfähige Frau sucht bereits seit drei Jahren in Kornwestheim eine Wohnung - erfolglos. Wie kann das so schwer sein? Von Birgit Kiefer

Familien stehen bei Vermietern nicht gerade an oberster Stelle unter den Favoriten: Tollende Kinder könnten Lärm machen. Alleinerziehende sind noch unbeliebter. Wer nicht arbeitet, wird auch nur selten zur Wohnungsbesichtigung eingeladen. Und ein Hund? Nein, bloß nicht! Bei Jeanette Bardua kommt zu all diesem noch hinzu: Sie ist ein wenig dunkelhäutig und hat seit einem schweren, unverschuldeten Verkehrsunfall eine Behinderung, die sie arbeitsunfähig macht. Verzweifelt sucht sie für sich und ihre zwei Kinder eine neue Wohnung, aber bisher ohne den Hauch einer Chance. Dabei ist die 43-Jährige eine ruhige, umgängliche Person, Hündin Stella, ein Mischling aus Yorkshire-Terrier und Mops, ein sympathisches, verschmustes Tierchen. Und durch die Erwerbsunfähigkeitsrente und die Unterhaltszahlungen kann sich Bardua auch eine Wohnung leisten.

Vor sieben Jahren im Türkeiurlaub nahm das Schicksal seinen Lauf. Auf dem Rückweg vom Ferienort zum Flughafen, mitten in der Nacht, passierte es: Der Fahrer des Busses, in dem Jeanette Bardua und die anderen Urlauber saßen, nickte kurz ein. Sein Sekundenschlaf kostete drei Menschen das Leben: Der Bus kam von der Straße ab und stürzte einen Abhang hinunter, überschlug sich. Die Kornwestheimerin wurde erst spät unter einem Berg von Koffern gefunden. An der linken Schulter war sie schwer verletzt, sie hatte eine Schädelfraktur. Mehrere Operationen folgten, die Beweglichkeit des Armes konnte nie wieder hergestellt werden, auf einem Ohr hört die 43-Jährige nicht mehr gut wegen eines Knalltraumas, und ihr Kurzzeitgedächtnis ist geschädigt. "Wenn ich nicht alles aufschreibe, weiß ich nicht mehr, was ich gerade noch geplant habe", erklärt die Mutter eines heute 19-jährigen Sohnes und einer 15-jährigen Tochter und blättert in einem Büchlein, in dem sie sich ihre Notizen macht.

Aber eines vergisst die Kornwestheimerin, die jahrelang in einer hiesigen Tankstelle arbeitete und später ein eigenes Nageldesignstudio eröffnet hatte, seit drei Jahren nicht: Sie will eine neue Wohnung in Kornwestheim. Seit fünf Jahren lebt die Familie in der Rosensteinstraße, aber für den Drei-Personen-Haushalt ist es dort etwas klein, eine Vier-Zimmer-Wohnung wäre ideal. Richtig belastet die Kornwestheimerin aber, dass sie kein kleines Gärtchen oder zumindest einen Balkon hat. "Ich vermisse es, ohne die Wohnung verlassen zu müssen ein wenig raus zu kommen", sagt sie. Mehr wolle sie gar nicht. Weil sie seit dem Unfall unter Panikattacken leidet, geht sie nicht mehr gerne unter Menschen und entfernt sich selten weit von daheim. Halt gebe ihr die Familie. Um doch ein wenig an die frische Luft zu kommen, hat sie sich Stella zugelegt und im Hinterhof des Hauses, in dem sie wohnt, setzt sie sich manchmal ein wenig raus, aber heimelig wird es zwischen Mülltonnen und Garagen nicht.

Ständig verfolgt die gebürtige Stuttgarterin, der man den dunkelhäutigen Großvater, einen US-Amerikaner, ein wenig ansieht, über ihr internetfähiges Handy, welche Mietangebote neu reinkommen. Auch über das Schalten von Anzeigen hat sie es schon versucht, aber alles vergebens. "Ich sage Gott und der Welt, dass ich eine Wohnung suche, aber ich finde nichts." Auch wenn sie gerne und häufig lacht - Bardua ist verzweifelt und gefrustet. "Ich kann die Miete zahlen und veranstalte keine lauten Parties, wo ist das Problem in Kornwestheim?"

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