Plochinger Krankenhaus AOK macht Kehrtwende

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Die Krankenkasse will nun nichts mehr von der Schließung des Plochinger Krankenhauses wissen. Der Briefwechsel dazu löst Irritationen aus.

Infoveranstaltung zur Situation Kreisklinken in der Plochinger Stadthalle. Foto: Horst Rudel
Infoveranstaltung zur Situation Kreisklinken in der Plochinger Stadthalle. Foto: Horst Rudel

Plochingen - Die Diskussion über das künftige Gesicht der Krankenhauslandschaft im Kreis Esslingen läuft aus dem Ruder. In einem an den Esslinger Landrat Heinz Eininger adressierten Schreiben hat der Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, Dieter Kress, eine 180-Grad-Wende vollzogen. Wird der Krankenkassenchef in einer Pressemitteilung vom Montag noch mit der Einschätzung zitiert, die von den Gutachtern skizzierte Variante 4+, gleichbedeutend mit der Schließung des Plochinger Krankenhauses, sei der erste Schritt in Richtung einer zukunftsfähigen Krankenhausstruktur, hört sich das nun anders an.

Ergebnisoffene Verhandlungen

„Ausdrücklich“ unterstützt Kress jetzt die Forderung des Esslinger Oberbürgermeisters Jürgen Zieger, „ohne weitere Vorgaben von Ergebnissen“ in Verhandlungen mit der Stadt Esslingen einzutreten. „Tatsache ist, dass 4+ ein weiterer, nicht mit den übrigen Krankenhäusern im Landkreis abgestimmter Schritt ist“, stellt Kress fest und bittet den Landrat, „zum jetzigen Zeitpunkt davon abzusehen, die Variante 4+ durch ihre Gremien beschließen zu lassen“.

Freilich: im Landratsamt angekommen war der Brief bis gestern noch nicht. Dafür hat er am Mittwoch schon auf dem Schreibtisch des Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger gelegen, von wo aus er auch als Mehrfertigung den Weg in die Zeitungsredaktionen gefunden hat. Aber auch Zieger hat an Eininger geschrieben. Dieser Brief ist angekommen. Darin widerspricht der Esslinger Oberbürgermeister dem von Eininger und Kress in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Montag verbreiteten Eindruck, der Landkreis und die Stadt wollten daran gehen, ein trägerübergreifendes Gesamtkonzept zu erarbeiten. Die vom Landkreis angestrebten Beschlüsse über die geplanten Investitionen bei seinen Kliniken würden eine Zusammenarbeit laut Zieger nicht verbessern, sondern verschlechtern.

„Wir halten das Gutachten für ein Parteigutachten“

An den Empfehlungen des für die Kreiskliniken erstellten Gutachtens lässt Zieger kein gutes Haar. „Wir halten das Gutachten der Firma Economedic für ein Parteigutachten und wenig geeignet, die wirtschaftlichen Grundlagen der Kreiskliniken zu verbessern“, so die Einlassung des Esslinger Stadtchefs. Auch die Annahmen des Gutachtens, der Kreis könnten mit seinen Kliniken bis zum Jahr 2015 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen, hält Zieger für unrealistisch.

Angesichts der neuesten Entwicklungen reagierte der Landrat gestern kurz angebunden. „Ich kann zu einem Brief des AOK-Geschäftsführers nicht Stellung nehmen, weil er mich noch nicht erreicht hat und ich den Inhalt nicht kenne“, sagte er gestern auf Nachfrage.