Pokalfinale Bayern auf historischer Mission
Sebastian Gierke, 15.05.2010 15:00 Uhr
Schafft van Gaal mit den Bayern das Triple? Foto: dpa
Schafft van Gaal mit den Bayern das Triple? Foto: dpa
Berlin - Es war ein Silberling, mit Textmarker beschriftet. Philipp Lahm trug die CD bei sich, vor dem Pokalfinale gegen Werder Bremen. Hausaufgaben von Louis van Gaal? Die letzten Videostudien? Laufwege? Standardsituationen? Nichts von alledem. "Da sind die Bilder vom Rathausbalkon drauf", lächelte der Verteidiger. "Ich hoffe, dass wir in zwei Wochen wieder dort stehen." Lahm strahlte jetzt. "Mit der Schale - und mit zwei Pokalen."Sie strahlen gerade alle, beim FC Bayern, ob der historischen Chance auf das Tripel. Und sie lachen, mit ihrem Trainer, der bei der Meisterfeier des FC Bayern auf dem Marienplatz seiner Selbstbeschreibung "Feierbiest" mehr als gerecht wurde.

Franck Ribéry, einst Hauptzuständiger für die Abteilung Jux und Tollerei beim FC Bayern, fiel das Lachen nicht ganz so leicht. Er wirkte verdutzt: Da stiehlt der Trainer ihm beim Feiern doch tatsächlich die Show.

Dabei hatten sie sich fast rührend um den Franzosen bemüht in den vergangenen Wochen in München. Immer wieder betonten Vorstand, Trainer und Mitspieler, wie wichtig Ribéry für die Mannschaft sei. Beim Autokorso durch die Innenstadt durfte er als Einziger in einem offenen Lamborghini sitzen und musste nicht wie die anderen in das Cabrio vom Sponsor. Und der Kapitän Mark van Bommel besuchte Ribéry nach der Sperre für das Champions-League-Finale und der Prostituiertenaffäre sogar zu Hause. "Was ihm passiert ist, wünsche ich keinem", sagt van Bommel.

Alle hofieren Franck Ribéry


Ribéry hat im Berliner Pokalfinale wohl den letzten großen Auftritt im Trikot der Münchner in dieser Saison, die Chancen auf eine Begnadigung für das Champions- League-Finale vor dem Internationalen Sportsgerichtshof Cas stehen schlecht. Lahm meint: "Franck will auf jeden Fall Titel gewinnen." Auch deshalb ist er zuversichtlich, dass der Franzose seinen Vertrag bei den Münchnern doch noch verlängert: "Viele andere Vereine gibt es nicht, die genauso erfolgreich sind wie wir", sagt Lahm.

Tatsächlich scheinen die Chancen für einen Verbleib Ribérys in München jeden Tag besser zu werden. Man nähert sich an, Schritt für Schritt, Geste für Geste. Es hat Ribéry beeindruckt, wie die Bayern für ihn und gegen seine Sperre im Champions-League-Finale kämpften. Schon wird gemunkelt, dass im Falle des Pokalsiegs ein weiterer Hauptgewinn präsentiert werden könnte: die Vertragsverlängerung des Superstars. "Ich bin optimistisch und lehne mich da aus dem Fenster, dass Ribéry nicht nur nächstes Jahr, sondern auch darüber hinaus für uns spielt", sagt der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Doch zuerst steht das Finale gegen zuletzt bärenstarke Bremer an. Das letzte Duell hatten die Bayern nach hochüberlegenem Spiel im Januar noch mit 3:2 in Bremen gewonnen. Aber Arjen Robben meint, "dass es so nicht mehr läuft". Und Lahm fügt hinzu: "Bremen ist zu Recht Dritter geworden." Er ist sich sicher, dass in Berlin "die momentan besten Mannschaften" Deutschlands aufeinandertreffen und erwartet eine extrem motivierte Bremer Mannschaft. "Wenn die uns schlagen, wäre es für sie eine Genugtuung", sagt Lahm.

Spektakuläres scheint möglich


Für gesteigerte Unterhaltung dürfte da gesorgt sein, vielleicht auch wieder mit Ribéry und nicht mit van Gaal in der Hauptrolle. Wie immer, wenn Bremen auf die Münchner trifft, scheint Spektakuläres möglich. Im Duell der aktuell offensivstärksten deutschen Mannschaften - 72 Ligatore erzielten die Bayern, 71 die Bremer. Im Duell der Nationaltorhüter, Hans Jörg Butt gegen Tim Wiese. Im Duell der Bremer Offensivreihe Özil, Marin und Pizarro gegen "die beste Abwehr der Welt", wie Rummenigge seine Defensive nennt.

Für van Gaal ist das Finale einmal mehr ein "Tod und Gladiolen"-Spiel, "und die haben wir alle gewonnen". Und Rummenigge glaubt an die positive Wirkung eines Pokalsiegs: "Das würde uns auch noch einen Schub in Richtung Champions-League-Finale verleihen." Die Bayern sind auf historischer Mission. Das Double haben sie schon sechsmal gewonnen. Jetzt wollen sie das Tripel. Philipp Lahm jedenfalls hat noch Platz im CD-Regal.
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