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Fußball
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Pokalfinale Immer wieder Werder Bremen

Frank Hellmann, vom 15.05.2010 10:37 Uhr
Wer holt den Pokal: Thomas Schaaf (l) oder Louis Van Gaal? Foto: ddp
Wer holt den Pokal: Thomas Schaaf (l) oder Louis Van Gaal? Foto: ddp
Berlin - Wie tickt Thomas Schaaf wirklich? Der vordergründig als stur, trocken, dröge oder verschlossen geltende Fußballlehrer, der in Wirklichkeit von Weggefährten als ehrlich, ausgeglichen, ruhig und treu bezeichnet wird, hat sich bis heute in diesem Geschäft eine Authentizität bewahrt, so dass gewisse Eigenheiten eben nur selten öffentlich werden (sollen). Etwa der Humor eines Mannes, der seit 1972 bei Werder Bremen ist und seit 1999 dort als Cheftrainer arbeitet.

Im vergangenen Sommer, sein Club hatte durch den Gewinn des DFB-Pokals eine Saison voller Turbulenzen noch gerettet, fuhr Schaaf in die beliebte NDR-Fernsehsendung "Inas Nacht". Die Einladung war über seine Ehefrau Astrid gelaufen, die Trophäe hatten die Schaafs gleich mitgebracht, als das Familienoberhaupt zur Hochform auflief. Während des Gesprächs lugte die Moderatorin Ina Müller in den Pott und fragte: "Was hattet ihr denn da drin, der ist ja ganz dreckig?" Der Werder-Trainer konterte kühl: "Ja, für den Garten brauchen wir den auch." Als sein aus Hamburg stammender Gegenüber sodann den Pokal herzte und erklärte: "Nächstes Jahr kommst du zu uns, mein Kleiner", grinste Schaaf nur und erwiderte: "Wohin, zu St. Pauli?"

Der 49-Jährige weiß halt nur zu gut, dass allein die grün-weiße Affinität zum DFB-Pokal verbürgt, ja in der Neuzeit fast schon beängstigend ist. Der Werder-Tross, der seit am Freitag in einem Hotel nahe dem Tiergarten logiert, weil dessen Direktor früher eine Bremer Luxusherberge geleitet hat, gastiert mit Schaaf bereits das neunte Mal in Berlin. Viermal war der Mann als Spieler dabei, nun das fünfte Mal als Cheftrainer. Erst kürzlich hat er auch seine Tochter Valeska noch mit in die Hauptstadt genommen, sie haben eine Stadtrundfahrt mit dem Boot im Ostteil gemacht. Schaaf schwärmt von einer "Wahnsinnsstadt mit Orten, an denen rund um die Uhr das pure Leben herrscht".

Werder wäre zum siebten Mal Pokalsieger


Ausleben wollen sich Schaaf und seine Spieler indes erst nach dem Finale am Samstag gegen den FC Bayern. Einer Saison mit mehr Höhen und weniger Tiefen als in der vergangenen soll wieder ein Ausrufezeichen hintendran folgen - zum siebten Male wäre Werder dann Pokalsieger. "Wir spielen gegen die vielleicht beste Mannschaft Europas", sagt Schaaf, "wenn wir unseren Titel verteidigen, dann würden wir ein ganz besonderes Kapitel in unserer Geschichte schreiben."

Zum Bankett in einem Club in der Köpenicker Straße hat der Verein eingeladen, was für die Pokalspezialisten Rang und Namen hat. Otto Rehhagel ist unter den Ehrengästen, und wer sich daran erinnert, wie Griechenlands Nationaltrainer vor einem Jahr nach dem 1:0 im Finale gegen Bayer Leverkusen den Entertainer mimte, mag sich gar nicht vorstellen, was nun nach einem Coup passieren würde. "Es gibt nichts Schöneres, als gegen die Bayern zu gewinnen", sagt Torsten Frings, der Kapitän.

Überhaupt hören sich die grün-weißen Spielverderber so an, als wären sie sofort bereit, den Münchner Tripel-Traum platzen zu lassen. Tim Wiese, der Torwart, sagt, er würde sich auf ein Elfmeterschießen freuen, "wenn es sein muss, laufe ich dann auch selbst an". Mesut Özil, der Spielmacher, der im Vorjahrsendspiel den einzigen Treffer erzielte, verrät, dass er sich auf "die geile Atmosphäre" freue. Claudio Pizarro, der Torgarant, der sechs Jahre in München angestellt war, glaubt, dass das Bremer Ensemble im Grunde so gut besetzt ist, dass "wir auch die Bundesliga hätten gewinnen können".

Für den Fall der Fälle ist sogar schon ausgeguckt, wer den Cup diesmal über Nacht beherbergen sollte. Die Bremer Finalfrischlinge Philipp Bargfrede oder Marko Marin hätten sich das verdient, heißt es, der Anführer Frings verfügt nur, "dass sie ihn am nächsten Morgen wieder mitbringen". Und bitte nicht zu dreckig - nicht, dass sich Thomas Schaaf schon wieder eine Ausrede überlegen muss.

Aufstellung


Werder Bremen:
Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Pasanen - Borowski, Bargfrede, Frings, Özil - Pizarro, Marin.

FC Bayern:
Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry - Olic.

Schiedsrichter:
Kinhöfer.

Das DFB-Pokalfinale wischen Werder Bremen und dem FC Bayern München wird am Samstag (20 Uhr/ZDF) traditionell im Berliner Olympiastadion ausgetragen.
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